Waffenruhe beendet
Israel droht Syrien mit Militärschlägen

Israel beschuldigt Syrien, für den Anschlag in Tel Aviv verantwortlich zu sein. Vize-Verteidigungsminister Boim sendete eine eindeutige Warnung nach Damaskus. Syrien reagierte empört. Im Internet bekennt sich der Islamische Dschihad zu der Tat - mit Sitz in Damaskus.

HB BERLIN. Nach dem Selbstmordanschlag in Tel Aviv befürchtet die israelische Regierung offenbar weitere Attentate. Vorsorglich warnte der Vize-Verteidigungsminister die Regierung in Damaskus etwaige Terrorplanungen zu unterstützen. Seev Boim sagte am Sonntag, Israel werde syrische Ziele angreifen, wenn dadurch Anschläge verhindert werden könnten, die in Damaskus geplant werden.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon drohte indes mit einem möglichen Scheitern des Friedensprozesses im Nahen Osten an. «Wenn die Palästinenser keine Maßnahmen gegen den Terror ergreifen, werden wir unsere Bemühungen einstellen», sagte er am Sonntagmorgen.

Verteidigungsminister Schaul Mofas hatte zuvor Syrien und den Islamischen Dschihad für das Selbstmordattentat in Tel Aviv verantwortlich gemacht, bei dem am Freitag fünf Menschen – der Attentäter und vier Israelis - getötet wurden. Als Reaktion auf den Anschlag schließt Israel nicht aus, dass die gezielte Tötung von Dschihad-Mitgliedern nach einer derzeitigen Pause weitergeführt werde, wie am Samstagabend nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts verlautete.

Die syrische Regierung wies jegliche Verantwortung für den Anschlag zurück. Syrien habe «nichts mit der Operation von Tel Aviv zu tun», sagte ein Mitarbeiter des Außenministeriums in Damaskus. Das Büro des Islamischen Dschihads in Syrien sei geschlossen worden. «Israel ist international dafür bekannt, dass es jeden Friedensprozess zerstört», sagte der Sprecher ohne weitere Erklärungen.

Die Anfang Februar mit den Palästinensern vereinbarte Waffenruhe schließe diese Organisation nicht mehr ein, sagten die Gewährsleute, die anonym bleiben wollten. Eine Wiederaufnahme der gezielten Tötungen würde aber wahrscheinlich das Ende der Waffenruhe insgesamt bedeuten.

Über die möglichen Hintermänner des Anschlags gibt es indes widersprüchliche Informationen. Ein Vertreter der in Syrien ansässigen Führung der militanten Organisation Islamischer Dschihad bekannte sich am Samstag zu der Tat. Der Mann, der sich Abu Tarek nannte, sagte der Nachrichtenagentur AP, der Anschlag sei eine Vergeltung für die Verletzung der Waffenruhe durch Israel gewesen.

Auch auf der Internetseite der militanten Organisation Islamischer Dschihad ist ein Bekennerschreiben zum Anschlag in Tel Aviv zu lesen, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Der Attentäter habe eine «heroische Märtyreroperation» ausgeführt. Der Anschlag wird dort den Al-Kuds-Brigaden zugeschrieben, dem bewaffneten Arm der Organisation.

Die Herkunft des Täters stützt aus Sicht von Beobachtern die Aussagen des Islamischen Dschihads. Israelische Sicherheitskräfte hatten den Toten bereits wenige Stunden nach dem Splitterbomben-Anschlag auf den Nachtclub «Stage» an der Strandpromenade von Tel Aviv identifiziert. Es handelt sich um den 21-jährigen Studenten Abdullah Badran aus dem Dorf Deir al Ghusun, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete.

Der Fernsehsender Al Dschasira strahlte am Samstagabend ein Video aus, auf dem ein Mann namens Badran den Anschlag ankündigt. Das Band stamme vom Islamischen Dschihad, teilte der Sender mit.

Zwei Brüder Badrans und vier weitere Bewohner von Deir al Ghusun wurden von israelischen Soldaten festgenommen, darunter der Imam der Dorfmoschee. Wenig später gab der palästinensische Innenminister Nasser Jussef die Festnahme von zwei weiteren Verdächtigen bekannt.

Die Erklärung des Islamischen Dschihads steht aber im Widerspruch zu Angaben von Vertretern der Organisation in den palästinensischen Gebieten, die jede Beteiligung an dem Anschlag bestritten.

Palästinensische Sicherheitskräfte und Vertreter militanter Gruppen machen die libanesische Hisbollah für den Bruch des Waffenstillstands mit Israel verantwortlich. Zwei Kommandeure der Al-Aksa-Märtyrerbrigaden im Westjordanland berichteten am Samstag, ein Hisbollah-Führer namens Kais Obeid habe sie angerufen und erklärt, der Anschlag sei in seinem Auftrag verübt worden.

Zuvor hatte bereits der palästinensische Präsident Mahmud Abbas den Verdacht geäußert, hinter dem «Sabotageakt» stehe eine «dritte Partei». Er nannte die Hisbollah, die zahlreiche militante Palästinenser im Westjordanland bezahlen soll, aber nicht beim Namen.

Ein Hisbollah-Sprecher in Beirut wies jegliche Beteiligung an dem Anschlag zurück.

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