Waffenruhe in Gaza
Ein Leben in Trümmern

Eine Feuerpause unterbricht den Gaza-Krieg, beendet ist er deswegen aber noch nicht. Die Einwohner von Gaza und Israel befürchten bei einem Scheitern der Friedensgespräche in Kairo neue Gewalt. Ein Stimmungsbericht.

Gaza/Tel AvivAuf dem Balkon eines zerbombten Hauses flattert frisch gewaschene Wäsche auf einer Leine im Wind. Ganze Straßenzüge im Gazastreifen liegen in Schutt und Asche, doch das Leben muss weitergehen. Die Menschen in dem schmalen, dicht besiedelten Küstenstreifen am Mittelmeer gelten als Überlebenskünstler, auch unter widrigsten Umständen.

Etwa 65.000 Menschen sind nach Uno-Angaben durch die israelischen Bombardements im Gaza-Krieg obdachlos geworden. Einige von ihnen haben inmitten von Trümmerhaufen mit Tüchern und Teppichen provisorische Zelte gebaut – die wie kleine Inseln der Ruhe in einem riesigen Meer der Zerstörung wirken.

Solange Israel und die militanten Palästinenserorganisationen sich nicht auf eine nachhaltige Waffenruhe einigen, kann der Wiederaufbau im Gazastreifen nicht beginnen. Seit dem 10. August haben im Gaza-Konflikt zwar weitgehend die Waffen geschwiegen. Doch die Menschen auf beiden Seiten der Grenze trauen der Ruhe nicht, sie erwarten jederzeit einen neuen Ausbruch der Gewalt.

Der 35-jährige Aiman Habusch aus dem Rimal-Viertel in der Stadt Gaza befürchtet einen bevorstehenden Zermürbungskrieg der militanten Palästinenser mit Israel. „Wir haben große Sorge, dass die Kämpfe wieder beginnen könnten, wenn es beiden Seiten nicht gelingt, sich langfristig zu einigen“, sagte er zu den indirekten Verhandlungen Israels und der Palästinenser in Kairo. Der Vater von vier Kindern hat besonders Angst vor einer neuen israelischen Bodenoffensive. Der Einsatz von Fußsoldaten in dem dicht bevölkerten Gebiet sei „extrem gefährlich und tödlich“, sagt er.

Sechs Wochen nach Beginn der israelischen Offensive im Gazastreifen halten sich noch rund 238.000 Menschen in gut 80 Uno-Schulen auf, so der Sprecher des Palästinenserhilfswerks UNRWA, Chris Gunness. „Die Hälfte der Flüchtlinge in UNRWA-Schutzeinrichtungen sind unter 18, viele davon zutiefst traumatisiert“, erklärt Gunness. „Die Kinder von Gaza haben psychische Verletzungen erlitten und brauchen Hilfe, weil sie grauenvolle Gewalt miterlebt haben.“ Uno-Psychologen seien daher rund um die Uhr im Einsatz.

Am 1. September beginnt in Israel und in den Palästinensergebieten das neue Schuljahr. In den Uno-Schulen im Gazastreifen, wo sich weiter die Flüchtlinge drängen, dürfte normaler Unterricht kaum möglich sein.

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