Waffenruhe in Nahost
Die Feuerpause soll Fortschritt bringen

In Nahost sollen drei Tage lang die Waffen schweigen. Was kann in der Zeit erreicht werden, neben notdürftiger Versorgung der Menschen in Gaza? Die Blicke gehen nun nach Kairo, wo Gespräche den Durchbruch bringen sollen.
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Gaza/ Tel AvivVier Wochen nach Beginn des Gaza-Krieges wachsen die Hoffnungen auf ein Ende des Blutvergießens. Eine von Ägypten vermittelte Waffenruhe wurde bis Dienstagabend sowohl von Israel als auch von den militanten Palästinensern eingehalten. Noch vor Beginn der Waffenruhe um 8 Uhr Ortszeit (7 Uhr MESZ) hatten sich die israelischen Truppen aus Gaza zurückgezogen. Moti Almos, Sprecher der Armee, sagte im israelischen Rundfunk, die nächsten Tage seien „ein Test“.

Unter ägyptischer Vermittlung könnte nun ein Rahmen für eine dauerhafte Waffenruhe ausgehandelt werden. Dazu sollen Delegationen Israels und der Palästinenser indirekte Gespräche in Kairo führen.

„Ich hoffe, dass es gelingt, die Feuerpause zu verlängern und verstetigen, damit das unendliche Leid der Zivilbevölkerung endlich ein Ende hat“, erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin. „Die Bilder der vielen getöteten und verletzten Kinder sollten ein Weckruf für alle sein.“ Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die Vereinbarung der Feuerpause.

Die einen Monat dauernde Offensive Israels hat im Gazastreifen schwere Zerstörungen hinterlassen. 65.000 Menschen haben nach UN-Angaben keine Bleibe mehr. Rettungskräfte begannen am Dienstag damit, Leichen aus Trümmerbergen zu bergen.

Der palästinensische Außenminister Riad Malki traf sich mit Fatou Bensouda, Chefanklägerin beim internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, um Möglichkeiten einer Anklage Israels wegen Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg zu erörtern. Er kündigte an, dass Palästina noch in diesem Jahr die Mitgliedschaft beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) beantragen werde.

Nach Beginn der Waffenruhe strömten viele Bewohner des Gazastreifens zurück in ihre Wohnviertel. „Die Menschen beginnen, die UN-Schutzräume zu verlassen“, sagte der Sprecher des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA, Chris Gunness. Mit 267.970 Flüchtlingen in 90 UN-Schutzräumen sei „zum ersten Mal ein leichter Rückgang der Zahlen“ zu verzeichnen. Humanitäre Einrichtungen wollen nun die Versorgung notleidender Palästinenser verbessern.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begrüßte die Zerstörung von 32 Hamas-Tunneln im Grenzgebiet. „Es gibt keine hundertprozentige Erfolgsgarantie, aber wir haben alles getan, um das bestmögliche Resultat zu erzielen.“

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Die Feuerpause soll Fortschritt bringen

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Ban Ki Moon begrüßt Feuerpause

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  • Was Israel betreibt ist Völkermord und das hat gewiß nichts mit Antisemitismus zu tun wenn man dieses kritisiert. Israel macht mit den Palistinänsern nichts anderes wie Hitler-Deutschland im Warschauer Ghetto.
    Und auch Deutschland sollte dagegen protestieren und nicht immer vom Recht Israels auf Selbstverteidigung reden, denn das hat schon nichts mehr mit Selbstverteidigung zu tun.
    Irgendwann beißt ein ständig geprügelter Hund nämlich auch mal zurück.

  • "Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst". Voltaire
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    hier kann man es umformulieren:

    "wenn du wissen willst, wer die Medien beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst".

    Danke an den Leser-Beitrag hier im HB.

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