Waffenruhe in Ostukraine vor Zusammenbruch
Der Krieg kehrt zurück

Die Waffenruhe in der Ostukraine existiert fast nur noch auf dem Papier. Die Uno macht die Separatisten verantwortlich. Im Sicherheitsrat wehrt sich Russland gegen Vorwürfe – und beginnt mit Muskelspielen vor Australien.
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New York/DonezkDie Führungen in Russland und der Ukraine haben sich gegenseitig die Schuld für eine Verschärfung der Lage im Bürgerkriegsgebiet Ostukraine gegeben. „Der einzige Grund, warum noch kein offener Krieg begonnen hat, ist die Zurückhaltung der Ukraine“, sagte Kiews Uno-Botschafter Juri Sergejew bei einer Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats in New York, wie ukrainische Medien am Donnerstag berichteten. Er warf Russland vor, mit Truppenbewegungen und Waffenlieferungen an die moskautreuen Separatisten eine friedliche Lösung des Konflikts zu torpedieren.

Der russische Uno-Diplomat Alexander Pankin kritisierte die Vorwürfe aus Kiew als „propagandistische Fälschung“. Russische Truppen und Technik befänden sich auf russischem Gebiet. Er warf der Ukraine vor, selbst verstärkt Militär in die Ostukraine zu verlegen.

Aus dem Krisengebiet Donbass berichtete die Pressestelle der ukrainischen „Anti-Terror-Operation“ von mehr als 40 Angriffen auf ihre Einheiten durch die Aufständischen innerhalb von 24 Stunden. Vier Soldaten seien getötet und 18 verletzt worden, teilte das Militär mit. Die Separatisten sprachen von Artillerieangriffen der Regierungstruppen unter anderem in der Großstadt Donezk.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erklärte am Mittwochabend, innerhalb der vergangenen Woche seien 665 Menschen in Militärkleidung in beiden Richtungen über die russisch-ukrainische Grenze gegangen. Dies sei die bislang höchste beobachtete Zahl seit Beginn des OSZE-Mandats, hieß es. Waffen hätten die Beobachter nicht gesehen. Die Waffenruhe aber gebe es „mehr und mehr nur noch auf dem Papier“, sagte am Mittwoch OSZE-Generalsekretär Lamberto Zannier in Brüssel. Die Separatisten haben nach Einschätzung der OSZE zuletzt deutliche Geländegewinne erzielt.

Die Vereinten Nationen warnten vor einem endgültigen Aus für die Anfang September vereinbarte Waffenruhe in der Ostukraine. „Wir sind tief besorgt, dass die schweren Kämpfe der Vergangenheit jederzeit wieder ausbrechen könnten. Das wäre eine Katastrophe für die Ukraine“, sagte UN-Vize-Untergeneralsekretär Jens Anders Toyberg-Frandzen. „Jeden Tag sterben Menschen, manchmal sogar Schulkinder. Die Situation könnte instabiler kaum sein.“ Verantwortung würden alle tragen. „Keine Seite ist ohne Schuld. Wir sehen die Verantwortung aber vor allem bei den Separatisten in der Ostukraine“, sagte der Däne.

Als zweites Szenario benannte Toyberg-Frandzen einen „eingefrorenen Konflikt“, der den Status Quo in der Krisenregion in der Ostukraine auf Jahre oder gar Jahrzehnte zementiere. Für ebenfalls denkbar hält er drittens die Variante eines über Monate hinweg schwelenden Konflikts „mit sporadischen Kämpfen geringerer Intensität“, die sich mit heftigeren Gefechten abwechseln.

Das Treffen des Sicherheitsrats hatten die USA anberaumt, nachdem die Nato am Mittwoch über das Vordringen weiterer „russischer Kampftruppen“ in die Ukraine binnen der vergangenen zwei Tage berichtet hatte. Russland wies das zurück: Die Berichte entbehrten jeder Grundlage, erklärte das Verteidigungsministerium. Minister Sergej Schoigu warf der Nato eine „antirussische“ Stimmungsmache vor.

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  • Herr Mayr Sie erzählen mal wieder nur Mist...
    ... nicht Putin behauptet das, sondern eine unabhängige NGO... schon mal was von Human Right Watch gehört? Wusste nicht, dass Putin dort Mitglied ist.
    auch wenn Russland durch die Medien genügend Lügen verteilt werden, müssen sie nicht gleich alles als Lüge Russlands deklarieren und behaupten alles was gegen die Russen gesagt wird ist wahr.
    Im Krieg gibt es immer mehr als eine Wahrheit.

  • ganz einfach: Bei den Demonstrationen auf dem Maidan ist das gewählte Parlament an der Macht geblieben und später ein neues Parlament mit internationalen Wahlbeobachern gewählt worden.
    In Donezk hingegen haben nicht vom Parlament gewählte Putschisten die Regierung übernommen und es hat nie freie Wahlen mit internationalen Wahlbeobachtern gegeben. Zudem verstößt es gegen die Ukrainische Verfassung, da dort zwar Autonomie aber keine Abtrennung vorgesehen ist.

  • ...

    Den Amerikanern ist es völlig egal. Die wollen Krieg, und das am besten mit Händen Anderer! Die haben nämlich riesen Buckel Schulden, die sie am besten loshaben wollen.
    Wir sollten nur nicht so dumm sein, um darauf reinzufallen.
    Manche haben es verstanden. Wie z.B. Putin. Deshalb wird Gold gekauft, Rohöl in eigener Währung verkauft, Gasverträge in Yen, usw. Die Amerikaner und Europäer üben Druck auf die Russen aus. Sanktionen, Abzug von Dollar aus Russland usw.
    Es wird sehr Heiß, aber nicht weil man sich auf Gaslieferungen geeinigt hat!

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