Waffenruhe in Ostukraine vor Zusammenbruch

Der Krieg kehrt zurück

Die Waffenruhe in der Ostukraine existiert fast nur noch auf dem Papier. Die Uno macht die Separatisten verantwortlich. Im Sicherheitsrat wehrt sich Russland gegen Vorwürfe – und beginnt mit Muskelspielen vor Australien.
Update: 13.11.2014 - 12:06 Uhr 147 Kommentare
Pulverfass Ostukraine: Laut Nachrichtenagentur AP bewegten sich am Montag Panzer der prorussischen Rebellen auf Donezk zu.

Pulverfass Ostukraine: Laut Nachrichtenagentur AP bewegten sich am Montag Panzer der prorussischen Rebellen auf Donezk zu.

New York/DonezkDie Führungen in Russland und der Ukraine haben sich gegenseitig die Schuld für eine Verschärfung der Lage im Bürgerkriegsgebiet Ostukraine gegeben. „Der einzige Grund, warum noch kein offener Krieg begonnen hat, ist die Zurückhaltung der Ukraine“, sagte Kiews Uno-Botschafter Juri Sergejew bei einer Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats in New York, wie ukrainische Medien am Donnerstag berichteten. Er warf Russland vor, mit Truppenbewegungen und Waffenlieferungen an die moskautreuen Separatisten eine friedliche Lösung des Konflikts zu torpedieren.

Der russische Uno-Diplomat Alexander Pankin kritisierte die Vorwürfe aus Kiew als „propagandistische Fälschung“. Russische Truppen und Technik befänden sich auf russischem Gebiet. Er warf der Ukraine vor, selbst verstärkt Militär in die Ostukraine zu verlegen.

Aus dem Krisengebiet Donbass berichtete die Pressestelle der ukrainischen „Anti-Terror-Operation“ von mehr als 40 Angriffen auf ihre Einheiten durch die Aufständischen innerhalb von 24 Stunden. Vier Soldaten seien getötet und 18 verletzt worden, teilte das Militär mit. Die Separatisten sprachen von Artillerieangriffen der Regierungstruppen unter anderem in der Großstadt Donezk.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erklärte am Mittwochabend, innerhalb der vergangenen Woche seien 665 Menschen in Militärkleidung in beiden Richtungen über die russisch-ukrainische Grenze gegangen. Dies sei die bislang höchste beobachtete Zahl seit Beginn des OSZE-Mandats, hieß es. Waffen hätten die Beobachter nicht gesehen. Die Waffenruhe aber gebe es „mehr und mehr nur noch auf dem Papier“, sagte am Mittwoch OSZE-Generalsekretär Lamberto Zannier in Brüssel. Die Separatisten haben nach Einschätzung der OSZE zuletzt deutliche Geländegewinne erzielt.

Die Vereinten Nationen warnten vor einem endgültigen Aus für die Anfang September vereinbarte Waffenruhe in der Ostukraine. „Wir sind tief besorgt, dass die schweren Kämpfe der Vergangenheit jederzeit wieder ausbrechen könnten. Das wäre eine Katastrophe für die Ukraine“, sagte UN-Vize-Untergeneralsekretär Jens Anders Toyberg-Frandzen. „Jeden Tag sterben Menschen, manchmal sogar Schulkinder. Die Situation könnte instabiler kaum sein.“ Verantwortung würden alle tragen. „Keine Seite ist ohne Schuld. Wir sehen die Verantwortung aber vor allem bei den Separatisten in der Ostukraine“, sagte der Däne.

Als zweites Szenario benannte Toyberg-Frandzen einen „eingefrorenen Konflikt“, der den Status Quo in der Krisenregion in der Ostukraine auf Jahre oder gar Jahrzehnte zementiere. Für ebenfalls denkbar hält er drittens die Variante eines über Monate hinweg schwelenden Konflikts „mit sporadischen Kämpfen geringerer Intensität“, die sich mit heftigeren Gefechten abwechseln.

Das Treffen des Sicherheitsrats hatten die USA anberaumt, nachdem die Nato am Mittwoch über das Vordringen weiterer „russischer Kampftruppen“ in die Ukraine binnen der vergangenen zwei Tage berichtet hatte. Russland wies das zurück: Die Berichte entbehrten jeder Grundlage, erklärte das Verteidigungsministerium. Minister Sergej Schoigu warf der Nato eine „antirussische“ Stimmungsmache vor.

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147 Kommentare zu "Waffenruhe in Ostukraine vor Zusammenbruch: Der Krieg kehrt zurück"

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  • Herr Mayr Sie erzählen mal wieder nur Mist...
    ... nicht Putin behauptet das, sondern eine unabhängige NGO... schon mal was von Human Right Watch gehört? Wusste nicht, dass Putin dort Mitglied ist.
    auch wenn Russland durch die Medien genügend Lügen verteilt werden, müssen sie nicht gleich alles als Lüge Russlands deklarieren und behaupten alles was gegen die Russen gesagt wird ist wahr.
    Im Krieg gibt es immer mehr als eine Wahrheit.

  • ganz einfach: Bei den Demonstrationen auf dem Maidan ist das gewählte Parlament an der Macht geblieben und später ein neues Parlament mit internationalen Wahlbeobachern gewählt worden.
    In Donezk hingegen haben nicht vom Parlament gewählte Putschisten die Regierung übernommen und es hat nie freie Wahlen mit internationalen Wahlbeobachtern gegeben. Zudem verstößt es gegen die Ukrainische Verfassung, da dort zwar Autonomie aber keine Abtrennung vorgesehen ist.

  • ...

    Den Amerikanern ist es völlig egal. Die wollen Krieg, und das am besten mit Händen Anderer! Die haben nämlich riesen Buckel Schulden, die sie am besten loshaben wollen.
    Wir sollten nur nicht so dumm sein, um darauf reinzufallen.
    Manche haben es verstanden. Wie z.B. Putin. Deshalb wird Gold gekauft, Rohöl in eigener Währung verkauft, Gasverträge in Yen, usw. Die Amerikaner und Europäer üben Druck auf die Russen aus. Sanktionen, Abzug von Dollar aus Russland usw.
    Es wird sehr Heiß, aber nicht weil man sich auf Gaslieferungen geeinigt hat!

  • @ Herr Ullrich Ribbentrop

    Wir müssen hier ganz genau aufpassen, was wir hier posten. Es ist sehr leicht irgendwelche hergerissene Informationen zu verbreiten, die mit keinen Fakten unterlegt sind. Was hier andauern gemacht wird.

    Wer sich mit dem Thema Russland ausführlich beschäftigt, würde feststellen, dass ganz andere Teilnehmer die Fäden in der Hand halten.
    Wir können in die Zeit zurückgehen, wo Sowjetunion auseinander brach. Was dazu führte, wie dazu kam, Ölpreise, usw.
    Wir können über deutsche Wiedervereinigung sprechen und die Versprechen der Alliierten sich nicht nach Osten auszubreiten.
    Wir können auch in das Jahr 2003 gehen, wo sich, in dem Fall Russland, wieder auf die Beine stellte und Putin wirtschaftsvernichtende Öllieferverträge mit Amerikanern und Engländern aufkündigte.
    Wir können aber auch ins Jahr 2007 nach München gehen, Weltsicherheitskonferenz. Wo Putin das Ende der Monopolaren Welt eingeläutet hat.
    Wir können auch über die bereits genannten Gespräche über Ukraine 2008 reden. Über die Orangenen Revolutionen, über Rosenrevolution, Arabischer Frühling und, und, und …

    Fakt ist, Russland ist noch schwach, um über deren Grenze hinaus solche Machtspielchen zu spielen. Ansonsten wäre es nie zum Umsturz in der Ukraine gekommen! NIEMALS!
    Man hat Europäer immer als Partner angesehen, seine Verträge immer erfüllt. Und erst jetzt fängt man zu reagieren, umzudenken.

    Krim war eine Reaktion auf die Annektierung der Ukraine durch NATO -> de facto Amerikaner.
    Und alles weitere, was aktuell geschieht, ist lediglich eine Reaktion auf das aktuelle Geschehen.
    Sanktionen = Gegensanktionen.
    Gasverträge mit China.
    Zentralbank der BRICs, Eurasien, Kaspischen, IRAN, China, …

    Und die Verlieren sind wir, die Deutschen, Europäer. Unsere EXPORTE, Arbeitsplätze sind gefährdet, brechen ein. Und zwar für sehr lange Zeit!

    ...

  • @Herr Ullrich Ribbentrop
    Für die Mehrheit der Russen und für Putin im besonderen ist das was Sie und Ihre geliebte US-Administration in und von Russland wollen völlig irrelevant, im umgekehrten Fall wäre es selbstverständlich genauso. Das sind die Regeln die auch für die “Gottgleichen“ USA ohne Abstriche gelten. Die Geschichte der USA besagt aber leider das Gegenteil, ohne massive Einmischung in fremder Staaten Angelegenheiten können die gar nicht mehr existieren. Mindestens 58 Konflikte seit 1801 sind ein zu deutlicher Beleg für diese Aussage. Damit will ich nicht aussagen das komplett alle US Aggressionen falsch waren.

    Moskau hat berechtigte Angst vor diesem Aggressor und seinen hilfswilligen Vasallen und hat als der Schwächere das Recht auch auf unorthodoxe Maßnahmen. Das übliche dumm Gequatsche und Gutmenschengetue soll von dieser eindeutigen Tatsache nur ablenken.
    Im Übrigen sehe ich keine Sezessionsbewegung in Sibirien, auch so ein feuchter Wunschtraum von Russlandhassern!

    Lassen wir uns alle mal alle ehrlich und tatsächlich demokratisch sein und lassen es zu in einem Volksreferendum hier in Deutschland z. B. über unsere Souveränität in einfachster Form abstimmen zu lassen.
    Soll alles bleiben wie bisher oder sollte von Deutschland eine völkerrechtlich wirksame Souveränitätszusicherung der UN und aller Alliierten des II. Weltkrieges verlangt werden und sollte im Falle der Ablehnung von einem der oben genannten Staaten die diplomatischen Beziehungen zu diesem Staat eingestellt werden?!

    Alle US-hörigen Systemmedien und Politlakaien würden solch ein Ansinnen sofort vehement torpedieren! Warum wohl, wenn doch alles so toll und prima ist?!

    Doch, doch, ich habe die elitäre Wahrheit und Aufrichtigkeit schon längst begriffen, genau das ist ja das Problem!!!

  • @Herr Josef Schmidt

    Beweise ?

    Da Sie anscheinend

    EIN WENIG VERGESSLICH

    sind, nochmals den Artikel im HB Online vom 17.08.2014!!

    Der Regierungschef der selbsternannten Volksrepublik Donezk, Alexander Sachartschenko, hatte am Samstag eingeräumt, dass die prorussischen Milizen Militärhilfe aus Russland erhalten haben. 1200 in Russland ausgebildete Kämpfer sowie 30 Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge seien in das von den Separatisten kontrollierte Gebiet geschafft worden, sagte Sachartschenko in einem im Internet veröffentlichten Video.

    Bleibt nur noch die Frage zu beantworten, wer der Troll ist.

    Schönen gedächnisstärkenden Abend.

  • Ich denke Sie haben es noch nicht begriffen, dass die Welt nicht dipolar ist. Es ist nicht alles Sonnenschein bei uns, doch ich ziehe es vor in einem System zu leben, das grundsätzlich von freiheitlichen Werten geprägt ist und darum geht es auch in der ehemaligen Sowjetunionn. Es wird leichtfertig behauptet, daß die USA den Osten übernehmen will und Ihr System aufoktroyieren will. Nicht auzuschliessen, daß dem so ist, doch ich denke wir leben bisher nicht schlecht damit und es bietet auch Raum sich davon zu distanzieren und seine eigene Version zu entwickeln mit der Zeit.
    Man sollte den Menschen vor Ort die Chance geben selber zu entscheiden ohne vorgehaltenem Gewehr. Doch das passiert derzeit gerade in der Ukraine. Putin ist genau gefangen von dieser alten schwarz/weiss Denken, da er auch von seiner Denkschule nicht anders kann.
    Wir können hier schreiben so viel wir wollen, doch ich bin der Auffassung, daß genau an diesem Restaurationsversuch Rußland vollends zerbrechen will und das Land weiter zersplitten wird. Vielleicht in 1-2 Jahren mit einem eigenen Land Sibirien und dann sieht Rußland alt aus....

  • @Herr Ullrich Ribbentrop
    "Ziel ein krankes Land zu schaffen, das so keine Chance hat auf eigene Beine zu stehen und dahinsiecht. Ständige Scharmützel mit immer wiederkehrenden Angriffe!"

    Putin macht somit alles richtig, denn er befindet sich im Krieg mit einem übermächtigen Gegner.

    Die einzigen Organisationen (Staatengemeinschaften), die in den zwei Jahrzehnten seit dem Untergang der Sowjetunion eine aggressive Expansion betrieben haben, ist die Nato und die EU. In den großen Medien vergeht fast keine Stunde, ohne dass Experten die nicht stattgefundene „russische Expansion“ beurteilen und uns davon überzeugen wollen.
    Die EU ist als politische und hauptsächlich wirtschaftliche Organisation nicht das eigentliche Problem für Russland, obwohl sie von den NATO Strategen gegen Russland instrumentalisiert wird. Es ist die eindeutig und unzweifelhaft zum Angriffsbündnis mutierte NATO bzw. die in dieser militärischen Organisation dominierenden USA.

    Die westlich okkupierte Ukraine muss an der russischen Grenze ein sterbenskranker Patient bleiben um so wichtige Ressourcen des aggressiven Angreifers aus dem Westen zu binden. Eine Logik die jedem schwächeren Verteidiger zugestanden werden muss. Mitleiderregende Ansichten wie Ihre laufen bei selbst existenziell bedrohten Akteuren immer ins Leere, denn an erster Stelle kommt immer der eigene Selbsterhaltungstrieb zur Geltung. Wer als Fürsprecher des eindeutigen Aggressors etwas anderes erwartet, fantasiert nur im oberen Abschnitt der Heuchel-Skala!

    In einem Interview auf CNN denkt Kissinger laut über Putin nach:
    „Ich denke, er denkt, dass dies (Vorgehensweise des Westens in der Ukraine) die Generalprobe ist für das, was wir in Moskau machen wollen. Nämlich einen Regimewechsel.“

  • in Kiew wurden Regierungsgebäude besetzt... in Donezk auch. Beide haben jeweils die Macht an sich gerissen. Wieso haben die einen Recht und die anderen nicht? Wieso rückte Kiew mit dem Militär gegen Demonstranten vor? (Damals waren die Separatisten noch Demonstranten.)
    Wieso kommunizieren beide Seiten nicht miteinander sondern beschießen sich?
    Wer gibt uns das Recht die eine Seite bei der Unterdrückung der anderen zu unterstützen?
    Deutschland soll sich mehr für eine Vermittlung zwischen den Parteien einsetzen!

  • "Nein, wer die Beweise sehen und finden will, bekommt sie auch. Seit Monaten."
    Richtig, man sieht nur das was man sehen möchte. Wenn man Beweise finden möchte, dann (er-)findet man auch welche...
    Es bringt uns doch nichts, wenn Sie ständig behaupten es gibt Beweise.
    stellen Sie einen Link ein und zeigen uns den Beweis, wir alle sind sehr gespannt.

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