Wahl auf EU-Gipfel
Luxemburger Mersch an EZB-Spitze berufen

Per Twitter teilte EU-Ratspräsdent Van Rompuy die Entscheidung der Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Gipfel in Brüssel mit: Yves Mersch wird in das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) berufen.
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BrüsselIn der Nacht zum Freitag ist die Entscheidung gefallen: Die EU-Staats- und Regierungschefs beendeten eine lange Debatte um die Besetzung des Postens und entschieden zugunsten des Luxemburger Zentralbankchef Yves Mersch. So zieht der 63-Jährige zum 15. Dezember in das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt ein.

Per Twitter teilte EU-Ratspräsdent Van Rompuy die Entscheidung der Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Gipfel in Brüssel mit.

Damit endete eine monatelange Zitterpartie für Mersch. Erst hatte sich der Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments quergestellt und den Einzug einer Frau in das rein männlich besetzte EZB-Direktorium gefordert. Das Parlament konnte die Ernennung zwar nicht stoppen, da es in dieser Frage nur angehört werden muss – der Druck hatte aber eine inoffizielle Vereinbarung zwischen der EZB und den Euro-Finanzministern zur Folge: Im Gegenzug zu Merschs Einzug in die EZB-Führungsriege soll eine Frau Chefin der EZB-Bankenaufsicht werden. Dann allerdings hatte sich zu Monatsbeginn die spanische Regierung geweigert, Merschs Beförderung in die EZB-Spitze mitzutragen und das schriftliche Verfahren scheitern lassen. Spanien hatte anfangs mit Antonio Sáinz de Vicuña einen eigenen Kandidaten für den vakanten Posten im Rennen.

Damit rückt Mersch in das sechsköpfige Direktorium, dem neben Präsident Mario Draghi aus Italien, seinem Vize Vitor Constancio aus Portugal auch der belgische Chefökonom Peter Praet, der deutsche Ex-Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen und der Franzose Benoit Coeure angehören. Das Direktorium bereitet die Sitzungen des EZB-Rats vor und führt die Notenbank im Tagesgeschäft.

Mersch gilt als einer, der sich für einen straffen Stabilitätskurs der Geldpolitik einsetzt. Er steht seit der Gründung der Luxemburger Nationalbank 1998 an deren Spitze, gehört seither zudem dem EZB-Rat an und kam schon in früheren Jahren für einen Posten im Direktorium der europäischen Notenbank in Frage. In diesem Sommer schließlich hatten sich die Finanzminister der Euro-Staaten auf Mersch als Nachfolger des Spaniers Jose Manuel González-Páramo geeinigt. Wofür Mersch im Direktorium der EZB zuständig sein wird, ist noch offen.

 

Kommentare zu " Wahl auf EU-Gipfel: Luxemburger Mersch an EZB-Spitze berufen"

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  • Ämter werden von einem elitären Club, mit dem Anspruch für das Volk das Beste zu wollen. Da kommen mir die Tränen, weiß heute eigentlich noch jemand wo das Volk angesiedelt ist, auf das sich diese Herrschaften berufen?

  • Herr Mersch, Gratulation!

    Wem ist es schon gelungen mit 0,17 % des Eigenkapitalanteils einen Leitungsanspruch zu begründen.

    Ein Zeichen dafür, dass die, die Zeche bezahlen müssen die Hosen voll haben und die Ausrede suchen, wir waren es nicht. Wir haben keine Schuld.

    Es ist an der Zeit, dass Demokratie wieder richtig verstanden wird. Metrisch hat doch keinen anderen Auftrag als die luxemburgischen Banken zu schützen. So geht das wirklich nicht!

  • Deutschland ist der Hauptzahler und die Melkkuh der EU und hat welche Posten in diesem feudalistischen Küngelclub inne?

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