Wahl des Finanzministers
Verwandte Seele in Obamas Kabinett

Je heißer es um sie herum wird, desto ruhiger werden sie. Barack Obama und der designierte Finanzminister Timothy Geithner sind geborene Krisenmanager. Zwar gehörte Geithner als Präsident der New Yorker Federal Reserve bereits zum obersten Krisenstab - die Wahl des Pragmatikers ist aber dennoch eine Überraschung.

ZÜRICH. Barack Obama kennt Timothy Geithner kaum. Und doch sind der neue US-Präsident und sein designierter Finanzminister Seelenverwandte. Beide sind mit 47 Jahren recht jung und unterstreichen dies durch ein jungenhaftes, drahtiges Aussehen. Beide gelten in Krisensituationen als "cool": Und beide verbindet eine eiserne Disziplin, Probleme erst zu analysieren und dann ebenso entschlossen wie pragmatisch zu handeln. Insofern ist die Entscheidung Obamas, Geithner mit dem wohl wichtigsten Kabinettsposten in seiner neuen Administration zu betrauen, durchaus folgerichtig.

Dennoch ist seine Wahl eine Überraschung. Mit dem ehemaligen Notenbank-Chef Paul Volcker und dem früheren Finanzminister Lawrence Summers hatte Obama zwei personelle Alternativen, die mehr politisches Gewicht und Erfahrung als Geithner mitbringen. Ganz will Obama auf die wirtschaftliche Kompetenz von Summers nicht verzichten. Er macht den Weltökonomen zu seinem engsten Wirtschaftsberater im Weißen Haus. Einige sehen den Harvard-Professor bereits als Nachfolger von Ben Bernanke an der Spitze der Notenbank. Der Vertrag von Bernanke läuft noch bis 2010. Bis dahin muss sich der sechs Jahre ältere Summers seinem ehemaligen Zögling unterordnen: Als Finanzminister war er von 1999 bis 2001 der Chef von Geithner. Jetzt ist es umgekehrt.

Geithner gehört als Präsident der New Yorker Federal Reserve bereits heute zum obersten Krisenstab. Er war es, der im März das Hilfspaket für die Investmentbank Bear Stearns aushandelte. Es war Geithner, der den Wall-Street-Größen ins Gesicht sagte, dass es keine Rettung für Lehman Brothers geben würde. Und es war der New Yorker Fed-Chef, der die staatliche Hilfe für die Versicherung AIG organisierte.

Überhaupt scheint Geithner der geborene Krisenmanager zu sein. Begonnen hat er seine Karriere bei der Politikberatung des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger. Später als Staatssekretär im US-Finanzministerium und danach beim Internationalen Währungsfonds gehörte er zur schnellen Eingreiftruppe, wenn es in der Finanzwelt brannte. Dass der gebürtige New Yorker zusammen mit seinen damaligen Chefs und Mentoren Summers und Robert Rubin die Flächenbrände in Asien und Lateinamerika löschen konnte, zählt er noch heute zu seinen größten politischen Erfolgen.

Auch die Risiken der Gegenwart hat Geithner früher als andere erkannt. So gehörte er zu den Ersten, die auf die Gefahren der Credit Default Swaps hingewiesen und sich für eine bessere Kontrolle dieser Kreditderivate eingesetzt hatten. Die Exzesse der Banker führte er auf "perverse" Anreize zurück. Geithners bisheriges Wirken verrät, dass er insbesondere in Krisenzeiten eine aktive Rolle des Staates befürwortet. Er verfügt außerdem über die nötige Härte und Entschlossenheit, die staatlichen Machtmittel auch einzusetzen.

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