Wahl in Costa Rica
Oppositionskandidat Solís triumphiert

Die Ticos wollen den Wechsel: Mit Luis Guillermo Solís haben sie einen Intellektuellen ins Präsidentenamt gewählt, der noch nie ein Mandat innehatte. Das Image der Regierungspartei ist nach Korruptionsskandalen ruiniert.
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San JoséDer Politikneuling Luis Guillermo Solís hat bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Costa Rica einen Erdrutschsieg erzielt. Der Oppositionskandidat erreichte bei der Abstimmung am Sonntag 77,88 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt nach der Auszählung von mehr als 90 Prozent der Wahllokale mitteilte. Der Kandidat der regierenden Partei der Nationalen Befreiung (PLN), Johnny Araya, kam auf 22,12 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 57 Prozent.

„Wir haben eine Million und mehr. Costa Rica, vielen Dank für die Liebe und Unterstützung“, schrieb der von der Mitte-Links-Partei PAC ins Rennen geschickte Solís auf Twitter. Im Wahlkampf hatte der 56-Jährige stets erklärt, er wolle mindestens eine Million Stimmen holen. Er war das erste Mal, dass sich der Universitätsdozent um ein Wahlamt beworben hatte.

„Mit Demut und Respekt erkenne ich das Ergebnis an“, sagte der unterlegene Araya. „Ich gratuliere dem gewählten Präsidenten Luis Guillermo Solís.“ In der Parteizentrale der PLN rief der langjährige Bürgermeister der Hauptstadt San José zu einem nationalen Bündnis auf. „Wir wollen verantwortlich handeln. Ein Scheitern der Regierung wäre ein Scheitern des Landes“, sagte er.

In der PAC-Hochburg San Pedro vor den Toren von San José feierten die Anhänger von Solís am Abend den Sieg ihres Kandidaten. „Heute haben wir bewiesen, dass die Ticos den Wechsel wollen“, zitierte die Zeitung „La Nación“ einen Parteigänger. Hupend fuhren die PAC-Anhänger mit Autos durch die Straßen und schwenkten die gelb-roten Fahnen der Partei.

Solís hatte im Wahlkampf immer wieder die soziale Schere und die Vetternwirtschaft im Land kritisiert. Er kündigte Investitionen in die Bildung sowie die Bekämpfung der extremen Armut und der Korruption an.

Mit seinem Sieg war allgemein gerechnet worden. Wegen schlechter Umfrageergebnisse und leerer Kassen hatte Araya bereits vor Wochen den Wahlkampf eingestellt. Aus rechtlichen Gründen konnte er seine Kandidatur allerdings nicht offiziell zurückziehen.

Araya hatte vor allem mit dem schlechten Image der Regierungspartei zu kämpfen. In der zuletzt immer wirtschaftsliberaleren Agenda der PLN sahen viele ehemalige Anhänger einen Verrat an den sozialdemokratischen Wurzeln der Partei.

Arbeitslosigkeit, steigende Lebenshaltungskosten, umstrittene Infrastrukturprojekte und Korruptionsskandale hatten zudem für Unmut unter den Ticos gesorgt. Arayas Parteifreundin und Präsidentin Laura Chinchilla ist eine der unbeliebtesten Politikerinnen des amerikanischen Kontinents.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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