Wahl in Frankreich
Fillon erhebt schwere Vorwürfe gegen Hollande

Immer wieder hat François Fillon in der Scheinbeschäftigungsaffäre eine Instrumentalisierung der Justiz beklagt. Nun geht der Präsidentschaftskandidat noch einen Schritt weiter: Er beschuldigt direkt Staatschef Hollande.
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ParisDer wegen Finanzvorwürfen geschwächte französische Präsidentschaftskandidat François Fillon hat sich mit einer scharfen Attacke auf Staatschef François Hollande zur Wehr gesetzt. Der Konservative beschuldigte den sozialistischen Präsidenten der Beteiligung an einer Intrige: Fillon machte Hollande dafür verantwortlich, dass zahlreiche Details über die Justizermittlungen gegen ihn an die Presse durchgesickert waren. Fillon sprach von einem „schwarzen Kabinett“ im Élyséepalast und einem „Staatsskandal“.

Unter einem „schwarzen Kabinett“ verstand man früher Orte, an denen Staatsbedienstete im Geheimen Post mitlasen. Hollande wies die Vorwürfe in scharfen Worten zurück. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian wertete Fillons Aussagen am Freitag im Sender CNews als „verzweifelten Versuch, aus einer Situation herauszukommen, in die er sich verrannt hat“.

Einen Monat vor dem ersten Wahlgang liegt Fillon in den Umfragen auf dem dritten Platz hinter der Rechtspopulistin Marine Le Pen und dem sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron, der unabhängig von den traditionellen Parteien antritt. Fillon käme damit nicht in die entscheidende Stichwahl. Hollande tritt nicht wieder an.

Fillon steht seit Wochen wegen des Verdachts unter Druck, seiner Frau Penelope eine Scheinbeschäftigung auf Parlamentskosten verschafft zu haben. Ermittler werfen ihm die Hinterziehung von Staatsgeldern vor. Die Chancen des ursprünglichen Favoriten für die Wahl in einem Monat haben sich dadurch deutlich verschlechtert. Er hatte mehrfach von einer Intrige gesprochen und den Vorwurf erhoben, dass die Justiz instrumentalisiert werde - nun beschuldigte er direkt den Staatschef.

Hollande bezeichnete die Vorwürfe in einer Mitteilung als „lügnerische Unterstellungen“. Es mangele Fillon an Würde und Verantwortung, sagte der Sozialist in einem Interview des Radiosenders France Bleu. Seine Position sei immer die Unabhängigkeit der Justiz gewesen. „Ich glaube, das ist ein großer Unterschied zu meinen Vorgängern.“

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Ungewöhnlich viele Franzosen sind unentschlossen

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  • Mal schauen, wieviele Wähler dieser Macron überhaupt zusammen kratzen kann. Und wenn Le Pen mit Macron in der Stichwahl steht, dann würden die Fillon Anhänger eher Le Pen als diesen Macron wählen....schließlich sind Macron und Holland auf der gleichen Wellenlänge unterwegs....Le Pen kann somit von den Streiterein zwischen Fillon-Holland-Macron nur profitieren.

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