Wahl in Frankreich Fillon stemmt sich gegen wachsende Kritik

Immer mehr Konservative in Frankreich rücken von François Fillon ab. Doch der setzt auf ein starkes Zeichen der Basis – sein Team hofft auf Zehntausende Unterstützer bei einer Demonstration in Paris.
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Der französische Präsidentschaftskandidat steht seit Wochen in der Kritik. Quelle: AP
Francois Fillon

Der französische Präsidentschaftskandidat steht seit Wochen in der Kritik.

(Foto: AP)

ParisDer französische Präsidentschaftskandidat François Fillons hofft auf die Unterstützung seiner konservativen Basis, um der wachsenden Kritik aus dem eigenen Lager entgegenzutreten. Eine Großkundgebung in Paris soll an diesem Sonntag Zehntausende Anhänger mobilisieren und damit ein Zeichen der Stärke setzen. „Es könnten 45.000 Leute werden“, sagte Pierre Danon vom Wahlkampf-Team am Samstag dem Sender Franceinfo. Zahlreiche Politiker der konservativen Republikaner drängen Fillon zum Rücktritt, um einen anderen Kandidaten ins Rennen zu schicken.

Sieben Wochen vor dem ersten Wahlgang steckt Fillons Kampagne in der Krise, Grund sind die Ermittlungen zum Verdacht einer Scheinbeschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten. Der frühere Premierminister setzt seinen Wahlkampf jedoch unbeirrt fort. Am Samstag, seinem 63. Geburtstag, wurde er zu einer Kundgebung im Pariser Vorort Aubervilliers erwartet. Auch für die kommende Woche veröffentlichte sein Team bereits Termine für Wahlkampfauftritte.

Was die Franzosen vom Präsidenten erwarten
Jean-Loup Tiesset, 54, Restaurant-Besitzer in Calais
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„Mein erster Wunsch ist, dass der nächste Präsident sein Amt nutzt, um die Steuern auf Unternehmen zu ändern, vor allem unsere Sozialversicherungsgebühren. Was die Migrantenkrise angeht, die für die Anwohner in Calais reichlich menschliche, soziale und finanzielle Schwierigkeiten verursacht hat, sollte der Präsident in Kontakt mit den Nachbarländern treten, um sicherzustellen, dass sich die Menschen in Calais nicht mehr länger in der Situation befinden, in der sie sich seit zehn Jahren befinden. Es ist nicht richtig, dass britische Einwanderungsüberprüfungen auf unserem Boden stattfinden. Es ist die Aufgabe Englands, die Migranten willkommen zu heißen und den Migrantenfluss zu bewältigen, den das Land anzieht.“

Mouslimati Boina-Mze, 24, sie holt in Marseille ihren Schulabschluss nach
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„Was ich vom neuen Präsidenten erwarte ist, dass er jungen Leuten hilft, leichter Arbeit zu finden. Es ist hart, es ist wirklich so. Selbst wenn du die Schule mit einem Abschluss verlässt, kannst du heute nur einen Job finden, der entweder schlecht bezahlt oder demotivierend ist. Ein Job ist das Wichtigste – um die Rechnungen zu bezahlen, auch um unabhängig zu sein und um morgens für den Job aufstehen zu wollen. Was der neue Präsident tun muss, ist die Informationen für junge Menschen zu verbessern. Viele Menschen wissen nicht einmal, dass es lokale Ausbildungszentren für sie gibt. Sie hören einfach mit allem auf, das ist eine Schande.“

Jean-Yves Tanguy, 60, produziert Streichinstrumente in Caen
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„Ich hoffe, dass er die Bedeutung der Kultur in der vom Markt und vom Zynismus der Finanzbranche dominierten Welt erkennt. Denn die Kultur erlaubt es uns, die Menschheit auf eine höhere Ebene zu heben. Ich möchte, dass er den Gebrauch der Musik kollektiv entwickelt, weil das so ein fabelhaftes Werkzeug zur Integration ist. Wer Musik macht, findet Würde und eine Existenzberechtigung in der Gesellschaft. Ich möchte, dass er seine Macht für das Gute der Gerechtigkeit, einschließlich der sozialen Gerechtigkeit, einsetzt. Und ich möchte, dass er Segregation, Ausgrenzung und Hass mit all seiner Macht bekämpft. Außerdem erwarte ich, dass er ein gewisses Auftreten hat, eine bestimmte Würde und, dass er sich für Werte und eine bestimmte Art von Gesellschaft einsetzt. Ich will einen Präsidenten, für den Worte wichtiger sind als Zahlen. Zahlen sind wichtig, aber sie sind sehr technisch.“

Marie Rouffet, 47, Fischerin im Hafen von Le Guilvinec
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„Ich habe keine Erwartungen mehr, wir kommen einfach von Enttäuschung zu Enttäuschung. Es ist egal, ob sie aus dem rechten Flügel, dem linken Flügel oder aus dem Zentrum kommen, ob von der Seite, von oben oder von unten. Es gibt diesen faulen Kern und je höher du die Leiter der Macht nach oben gehst, desto korrupter bist du und desto mehr Geld hast du. Was dazu kommt: Die Leute, die unsere Gesetze ausspucken, wissen nichts über Boote oder über Fische. Sie sind wahrscheinlich noch nie auf der See gewesen. Deshalb interessiert mich die Präsidentschaftswahlkampagne nicht. Wie alle meine anderen Fischer-Kollegen interessiere ich mich nur für Fischerei-Kampagnen. Für mich ist es egal, wer Präsident ist. Nichts wird mich davon abhalten in einer Industrie zu fischen, die noch eine Zukunft hat.“

Romain Guérineau, 31, Feuerwehrmann in Saint-Cyr-sur-Loire
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„Ich möchte, dass der Präsident das Gesetz zur Verbesserung der Barrierefreiheit für behinderte Menschen umsetzt, das 2005 beschlossen, aber immer noch nicht angewandt wurde. Genau so wie die Einführung einer besseren Kostenerstattung für behinderte Menschen. Ein Rollstuhl kostet 5000 Euro, aber nur 558 Euro davon werden erstattet. Ich möchte Politiker einladen, eine Woche in einem 500 Euro teuren Rollstuhl zu verbringen. Vom nächsten Präsidenten erwarte ich eine Politik, die sozial basiert ist, aber nicht nur aus Reklamezetteln besteht. Er sollte über Vorwürfe hinausgehen, sich an seine Wahlkampfversprechen halten und den Leuten auch nach der Wahl noch zugänglich bleiben.“

Sabine Tholoniat, 33, Landwirtin im Departement Puy de Dôme
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„Ich möchte, dass der Präsident die Fragen der Landwirtschaft anpackt und die Produzenten bis zum Ende verteidigt. Ich möchte, dass er oder sie dafür sorgt, dass staatlich betriebene Kantinen auch französische Produkte verwenden. Die Dinge verbessern sich, aber nicht schnell genug. Wir wollen nicht von Subventionen leben, wir wollen faire Preise. Im Jahr 2016 haben wir 27 Cent für einen Liter Milch bekommen, während die Kunden in den großen Supermärkten etwa 60 Cent bezahlt haben. Wir wollen auch, dass der nächste Präsident dafür kämpft, dass die Standards auf europäischer Ebene angeglichen werden. Im Moment sind die Vorgaben in Frankreich drastischer als im Rest der EU, sie ersticken uns.“

Nathalie Niort, 39, Krankenschwester in Puy-de-Dome
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„Ich wünsche mir, dass er den Niedergang im Krankenhaus stoppt. Wir sind am Rande eine Katastrophe, wir können mit dem Ausverkauf der Gesundheit nicht einfach weitermachen. Wir müssen die Personalkürzungen stoppen. Wir haben nicht genug Personal. Wenn alles gut läuft, ist es ok, aber wenn du alleine bist und dich um mehrere Patienten kümmern musst, die wiederbelebt werden müssen - für wen entscheidest du dich dann? Wir sind am Rande einer institutionellen Misshandlung. Wir machen Behandlungen am laufenden Band. Wir sind am Ende unserer Kräfte und wir versuchen, keine Fehler bei der Dosierung zu machen. Wenn wir nach Hause gehen, haben wir das Gefühl, dass wir uns nicht richtig um unsere Patienten gekümmert haben. Es ist sehr schwer so zu leben. Wir gefährden die Patienten und die Pfleger.“

Fillon war wegen der Affäre in der Wählergunst abgerutscht, derzeit würden laut Umfragen die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der sozial-liberale Kandidat Emmanuel Macron das Rennen unter sich ausmachen. Für die Stichwahl liegt Macron dabei klar vorn.

Die Affäre hatte sich für Fillon weiter zugespitzt, nachdem er für Mitte März von Ermittlungsrichtern vorgeladen worden war. Dabei droht ihm die Eröffnung eines Verfahrens. Seitdem sind nach Zählung der Zeitung „Libération“ bereits mehr als 190 Politiker der Republikaner und ihrer Verbündeten von Fillon abgerückt. Selbst Fillons Wahlkampf-Leiter kündigte für Sonntag seinen Rücktritt an, Schatzmeister und Sprecher der Kampagne gingen bereits von Bord.

Fillon hatte am Freitagabend in einer Video-Botschaft an seine Anhänger gesagt: „Lasst euch das nicht gefallen. (...) Ich fordere euch auf, zu widerstehen.“ Danon betonte, dass die geplante Demonstration in der Nähe des Eiffelturms sich nicht gegen die Justiz richte. Fillon hatte die Ermittlungsbehörden scharf angegriffen.

Als möglicher Ersatz-Kandidat für Fillon war in den vergangenen Tagen mehrfach der frühere Premierminister und Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé, genannt worden. Der 71-Jährige hatte am Freitag durchblicken lassen, dass er bereitstehe, falls Fillon sich zurückziehe und er den Rückhalt der ganzen Partei bekomme.

Der Vorsitzende des Nationalrats der Republikaner-Partei, Luc Chatel, stellte sich hinter Fillon. Er verwies darauf, dass dieser durch seinen Sieg bei der Vorwahl des bürgerlichen Lagers legitimiert sei. Fillon hatte damals klar gegen Juppé gewonnen. Chatel räumte jedoch zugleich ein, dass die konservativen Wähler in zwei Lager geteilt seien – die einen forderten zum Durchhalten auf, die anderen zweifelten. Die Franzosen wählen ihren neuen Staatschef in zwei Wahlgängen am 23. April und am 7. Mai.

  • dpa
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