Wahl in Frankreich

Merkels Wachstums-Pläne stärken Hollande

Angela Merkel redet plötzlich auch über Wachstumsstrategien für die EU. Das bestätigt den französischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande in seinem Wahlkampf. Er sieht sich bereits als Sieger.
28 Kommentare
François Hollande sieht sich bereits auf der Siegerstraße. Quelle: dpa

François Hollande sieht sich bereits auf der Siegerstraße.

(Foto: dpa)

ParisDer französische Präsidentschaftskandidat François Hollande wertet die jüngsten Äußerungen der Bundeskanzlerin zum Thema Wachstumsförderung in der EU als Erfolg seines Wahlkampfes. Angela Merkel und die anderen europäischen Staats- und Regierungschefs erachteten einen Machtwechsel in Frankreich offensichtlich als so wahrscheinlich, dass sie bereits jetzt beginnen würden, Zeitpläne und Themen der EU-Agenda zu ändern, sagte der Sozialist in einem am Samstag aufgezeichneten Interview des Senders Radio J.

Noch vor wenigen Wochen habe Merkel das Wort Wachstum nicht hören wollen, jetzt habe sie gesagt, dass sie bereit sei, für mehr Wachstum zu sorgen. „Es bewegt sich etwas und nach den Wahlen wird sich noch mehr bewegen“, sagte Hollande.

Der Herausforderer des konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy spielte mit seinen Äußerungen auf ein Interview der „Leipziger Volkszeitung“ (Samstag) mit der Kanzlerin an. Darin stellt Merkel eine europäische „Wachstums-Agenda“ in Aussicht. „Allein dafür wird der Wahlkampf schon nützlich gewesen sein“, kommentierte Hollande. Im Fall eines Wahlsiegs werde es aber nicht dabei bleiben.

„Es wird eine Neuverhandlung (des Fiskalpaktes) geben und es wird einen Wachstumspakt geben“, betonte Hollande, der in den vergangenen Wochen kontinuierlich mehr staatliches Engagement für wirtschaftlichen Aufschwung gefordert hatte. Merkel könne nicht gleichzeitig Eurobonds ablehnen, vorsichtig gegenüber einer Finanztransaktionssteuer sein und der Europäischen Zentralbank verbieten wollen, Geld direkt an die Staaten zu verleihen.

In Bezug auf die französische Haushaltssituation riet Hollande der deutschen Regierung zu mehr Vertrauen in seine Vorschläge. Schließlich sei sein Konkurrent Sarkozy der erste Staatschef gewesen, der in der Eurogruppe gesagt habe, dass er sich nicht an den Stabilitätspakt und die Regeln der Budgetdisziplin halten werde. Das Ergebnis habe man gesehen.

Hollande geht als großer Favorit in die entscheidende Runde der französischen Präsidentschaftswahl am 6. Mai. Eine am Freitag in Frankreich veröffentlichte repräsentative Umfrage sieht ihn deutlich vor dem Konservativen Sarkozy. Dieser liegt demnach bei 46 Prozent, Hollande kann mit 54 Prozent rechnen.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Wahl in Frankreich - Merkels Wachstums-Agenda bestärkt Hollande

28 Kommentare zu "Wahl in Frankreich: Merkels Wachstums-Agenda bestärkt Hollande"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @netshadow

    "Ausgerechnet einen Athener zum fiskalen Europa zu befragen, nunja :)"

    Warum immer gleich so vorlaut?

    Ich vermute doch stark, dass es sich bei dem Interview-Partner um Prof. Yanis Varoufakis gehandelt haben könnte ... zumindest habe ich einen solchen Kurzbericht selbst gesehen.

    Vielleicht sollten Sie sich mit seinen Positionen einfach mal vertraut machen und ggfls. dann dezidiert darauf eingehen.

    http://yanisvaroufakis.eu/

  • Gnome ohne Wachstum von außen, sie sind dem Verfall der eigenen Macht sehr nahe. Da "hülfen" keine Schachspielereien mit oder ohne König, von Damen ganz zu schweigen.

    Fast könnte man auf die Idee kommen, Franzosee ohne Affären, fühlen sich so an, wie deutsche ohne Absatz.

  • @tie1508

    "Ein Wachstumspakt wäre sicherlich hilfreich, gerade im Hinblick auf die Dominosteine Griechenland, Portugal, Spanien, Irland, usw."

    Vielleicht möchten Sie uns erklären, wie ein solcher Wachstumspakt ganz konkret aussehen soll.

    Nach Merkel's Diktum soll dieses Ziel ohne zusätzliche Neuverschuldung erreichbar sein.

    Es dürfte uns klar sein, dass Wirtschaftswachstum kein perpetuum mobile sein kann, sondern im wesentlichen durch

    - Innovationen
    - Wiederaufbau nach Zerstörungen (Beispiel Kriege, Abwrack-Strategien, etc.)
    - Kartelle, unterschiedlichster Ausprägung
    - Obsoleszens (Redesign von langlebigen Wirtschaftsgütern mit dem Ziel deren Lebensdauer zu verkürzen)

    Basis all dieser Strategien ist, dass die signifikante Mehrheit in entwickelten Volkswirtschaften genügend notwendige Mittel und Motivation aufbringen kann, um vorwiegend konsumptive Impulse geben zu können.

    Merkel's Dogma von den heilenden Kräften der Spar-, eigentlich Kürzungspakete, steht dazu in alternativloser Opposition!

    Drängt sich in diesem Zusammenhang nicht die Frage auf, wie man bei rund 200 Mio Menschen in USA + Europa ohne Job, ohne Geld [bestenfalls mit unzureichenden Transferleistungen] und somit ohne Zukunftsperspektiven, die als potentielle Konsumenten ausgefallen sind, ohne Geld in die Hand zu nehmen, Wachstumsimpulse generieren möchte?

    In freudiger Erwartung auf Ihre dezidierten Erläuterungen wünsche ich einen angenehmen, vielleicht auch nachdenklichen Sonntag

    Oeconomicus

  • Wie das Wetter,so die Leute.
    Wenn es regnet, gibt es schlechte Laune und Weltuntergangsstimmung, lacht die Sonne, überdreht man himmelhoch jauchzend. Wenn es aber zu warm wird, der Luftdruck steigt und die Sonne auf Hirn brennt, ja, dann sucht sich der Mittelmeeranrainer ein schattiges Plätzchen und macht Pause. Dafür arbeitet man sich in nördlichen Graden warm. Das war vor der Gemeinschaftswährung bekannt.
    Meine Empfehlung an die Gleichmacher: verschiebt die Erdachse!

  • Zitat: "...jetzt habe sie gesagt, dass sie bereit sei, für mehr Wachstum zu sorgen".

    Ohne Rückbesinnung auf die Steuerungsinstrumente der Marktwirtschaft ist das Scheitern vorhersehbar. Den wettbewerbsschwachen müssen die Instrumente zur globalen Neuposionierung ihrer Wirtschaften zurück gegeben werden. Unsere Bundeskanzlerin kündigt uns eine "Wunderwaffe" an, wenn sie nicht die Instrumente erklärt, die sie an die Stelle flexibler Währungsparitäten stellen wird, um die wettberbliche Neupositionierung der Handelbilanz- und Produktivitätsdefizitäre zu ermöglichen.

  • @lottchen

    "Präzedenzfall"

    In diesem Zusammenhang sei an die EG-Währungskrise von 1993 erinnert.

    Dazu ein ZEIT-Gespräch mit dem französischen Oppositionspolitiker Edouard Balladur über die Währungskrise
    vom Januar 1993:

    http://www.zeit.de/1993/03/deutschland-ist-jetzt-gefordert/komplettansicht

    Das Focus-Magazin berichtete am 9.Aug.1993 etwas detaillierter über die EG-Währungskrise mit dem Titel "Totale Kapitulation":

    http://www.focus.de/finanzen/news/eg-waehrungskrise-totale-kapitulation_aid_141161.html

    schönen Sonntag
    Oeconomicus

  • Die Tricksereien mit den Milliarden, scheinen kein Ende zu nehmen. Im übrigen, wenn es auch nur danach aussieht am Niedergang der eigenen Befindlichkeiten mitschuldig zu sein, macht Frau Merkel abermals eine Wende und alles ist bereits in Ordnung, sozusagen in trockenen Tüchern, die es braucht, um die Wahrheit bei den Winden zu suchen.

    Soviel politisches Verständnis in Deutschland, dem Land in dem jeder seine eigene Vorstellung von Wende ständig neu erfahren darf. Ja, wenn es sonst nichts ist, da sollte solchen doch die Frau EUropa völlig "wurscht" sein. Wer wieder was wurde, darf auch das Sagen haben, wenn es nicht unmittelbar in der Vergangenheit ankäme, hätte ich wirklich nichts dagegen.

  • Jaja,die Merkel. Die macht jetzt aus einer Schrumpfgesellschaft eine Wachstumsgesellschaft. Einfach so, rutzdieputz.
    Die grundlegenden Fehler entstanden in der Gründerzeit des 19. Jahrhunderts, als man vom Subsidiaritätsprinzip abkam. Diese Lücke füllte die Sozialisten aus, und weil sie darin ihre Daseinsberechtigung herleiten,werden sie den Ast auf dem sie sitzen nicht absägen. Sie werden Wachstumsprogramme, eigentlich nur Beschäftigungsprogramme, auflegen, und danach wird alles noch schlimmer sein.
    Vor dieser Entwicklung warnte schon James Hobrecht in seiner bemerkenswerten Kritk 1863:

    http://bps-niedenstein.de/index.php

  • Mehr Wachstum durch höhere Verschuldung. Das Wachstum ist kurzfristig, die Schulden bleiben, siehe seit Jahrzehnten Japan. Richtig wäre Erhöhung der Einkommen der nicht Hartz-Bevölkerung durch mind. volle Gegenfinanzierung der oberen Vermögens/Einkommensschichten. Damit könnte ein Konjunkturprogramm durch Verbesserung der Einkommen der Mittelschicht ohne Neuverschuldung z. L. der Kinder erfolgen, was auch Wachstum bedeutet. Die mittlere und unteren Einkommenschichten geben das Geld überw. für Konsum aus, die Vermögenden an die Spielbanken in London und New York. Ein Konjunkturprogramm durch Schulden ist vollständig falsch.

  • Hallo Pequod,

    was Sie schreiben stimmt doch gar nicht. Also, zumindest wenn Sie auf den EU-Finanzausgleich anspielen. Beleg: http://www.spiegel.de/flash/flash-14940.html

    Oder was meinen Sie?

    Ein Wachstumspakt wäre sicherlich hilfreich, gerade im Hinblick auf die Dominosteine Griechenland, Portugal, Spanien, Irland, usw.

    Frankreich ist nach Deutschland das wirtschaftsstärkste Land der Eurozone, und Deutschland hängt von seinen Exporten ab!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%