Wahl in Griechenland
Die Linke greift nach der Macht

Ganz Europa schaut nach Athen: Erstmals könnte in Griechenland eine linke Regierung ins Amt kommen. Der amtierende Ministerpräsident Antonis Samaras gibt sich nicht geschlagen, andere kämpfen ums politische Überleben.
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AthenHistorische Wende in Athen? Nach fast fünf Jahren mit bitteren Entbehrungen müssen die Griechen an diesem Sonntag entscheiden, wie es in dem Krisenland weitergehen soll. Bekommt der amtierende konservative Ministerpräsident Antonis Samaras die Chance, seine Politik zu Ende zu führen, oder übernimmt der Vorsitzende des Linksbündnisses (Syriza) Alexis Tsipras künftig das Steuer? Seine Forderungen nach einem Ende des rigiden Sparkurses haben vorab für erhebliche Unruhe vor allem bei den ausländischen Geldgebern gesorgt.

In einer am Samstag veröffentlichten Umfrage lag das Linksbündnis von Tsipras sieben Prozentpunkte vor der konservativen Nea Dimokratia von Samaras. Die Frage, die sich viele Beobachter stellen, lautet: Bekommt Tsipras die absolute Mehrheit oder wird der 40-Jährige auf einen Koalitionspartner angewiesen sein – und seine Politik mäßigen müssen? Tsipras gibt sich siegesgewiss: „Wir stehen nur noch einen halben Schritt vor dem Sieg“, sagte er vor der Wahl immer wieder. Aktuell kommt Syriza auf 33,5 Prozent der Stimmen. Die Konservativen lagen bei 26,5 Prozent. Mit diesem Ergebnis wäre Syriza auf einen Koalitionspartner angewiesen.

Als drittstärkste Kraft zeichnet sich die neue pro-europäische Partei der politischen Mitte To Potami (Der Fluss) ab. Sie lag nun bei 7 Prozent der Stimmen. Dicht dahinter folgt die rechtsradikale und rassistische Partei Goldene Morgenröte mit 6 Prozent.

Selbst konservative Zeitungen bereiten ihre Leser seit Tagen auf eine Wende vor. In den Blättern ist von einer „historischen Chance für die Linke“ die Rede. Kommentatoren werfen die Frage auf, ob die Linke sie richtig nutzen oder das Land in eine noch tiefere Krise stürzen wird.

Tsipras wirft Samaras politischen „Verrat“ vor. Der Regierungschef habe das Spardiktat aus Brüssel und Berlin ohne Bedenken in die Tat umgesetzt und damit das Volk in die Verelendung geführt. Samaras kontert, Tsipras und seine Partei seien politische „Hooligans“, die eine geheime Agenda hätten und die Mittelklasse auslöschen wollten.

Tsipras verspricht den Griechen Entlastung: Renten sollen erhöht, Privatisierungen gestoppt werden. Entlassene Staatsbedienstete sollen in ihren alten Job zurückkehren. Fast zwölf Milliarden Euro will der charismatische Chef des Linksbündnisses dafür ausgeben.

Seite 1:

Die Linke greift nach der Macht

Seite 2:

Die Geduld der Griechen ist überstrapaziert.

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