Wahl in Großbritannien
Die wichtigsten Kandidaten der Unterhauswahl

Am Donnerstag wählen die Briten ein neues Parlament. Im folgenden finden Sie Kurzporträts der wichtigsten zur Wahl stehenden Politiker.

HB LONDON.

Tony Blair (Labour Partei)

Der 51-Jährige will nach 1997 und 2001 zum dritten Mal zum Premierminister gewählt werden. Das ist bisher noch keinem Labour-Politiker gelungen. Seit seiner ersten Wahl büßte Blair viel von seiner jugendlichen Ausstrahlung ein. Auch seine öffentlicher Anerkennung verlor wegen der vorbehaltlosen Unterstützung des Irak-Kriegs merklich. Nach Herzproblemen im vergangenen Jahr erklärte Blair, nach einer möglichen Wiederwahl für eine weitere, vierte Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen.

Der Regierungschef ist mit einer angesehenen Anwältin verheiratet und hat vier Kinder. Er entstammt nicht einem sonst für Labour-Politiker typischen Arbeiter-Hintergrund und wird vom linken Labour-Flügel mit Skepsis betrachtet. Unmittelbar nach der Übernahme des Parteivorsitzes tilgte Blair die sozialistischen Wurzeln aus dem Parteiprogramm und machte die Partei für die britische Mittelschicht attraktiv.


Michael Howard (Konservative Partei)

Der 63-jährige Sohn jüdischer Einwanderer aus Rumänien gilt als cleverer, scharfsinniger Anwalt, der an der Universität Cambridge studiert hat. Angesichts des Vertrauensverlustes von Blair hat er seinen Wahlkampf ganz auf die Werte Ehrlichkeit und Ehre abgestellt.

Howard wird jedoch noch stark mit den konservativen Regierungen der späten 80er und 90er Jahre in Verbindung gebracht, als er sich einen Ruf als Hardliner machte. Er war maßgeblich für die umstrittene Kopfsteuer verantwortlich. Die Proteste gegen diese später zurückgenommene Steuer kosteten Premierministerin Margaret Thatcher letztendlich den Job. Karikaturisten stellen Howard gern als Graf Dracula dar. Howard kämpft gegen die Einführung des Euros in Großbritannien und lehnt die neue EU-Verfassung ab.


Charles Kennedy (Liberaldemokraten)

Der 45-jährige Schotte schneidet in Umfragen als der beliebteste britische Parteichef ab. Seine klare Gegnerschaft zum Irak-Krieg brachte nicht nur ihm persönlich Sympathien in der Bevölkerung ein, sondern auch seinen Liberaldemokraten die besten Umfragewerte seit der Parteigründung 1988. 1983 wurde Kennedy als jüngster Abgeordneter zum ersten Mal ins Unterhaus gewählt.

Seit der Übernahme des Parteivorsitzes hat er die zuvor engen Verbindungen der Liberaldemokraten zur Labour-Partei gelockert. Kritiker bezeichnen ihn als „Talkshow-Charlie“, der nicht das notwendige Durchhaltevermögen für ein politisches Spitzenamt habe.


Gordon Brown (Labour Partei)

Der 54-jährige Schatzkanzler dürfte der Nachfolger von Tony Blair werden, sollte dieser sein Amt aufgeben und Labour an der Macht bleiben. Beide Politiker wurden nach einer schnellen Parteikarriere erstmals 1983 ins Parlament gewählt. Nach dem Tod von Parteichef John Smith 1994 ließ Brown bei der Wahl des neuen Parteichefs Blair den Vortritt. Dabei soll die Übereinkunft geschlossen worden sein, dass Brown eines Tages Blair politisch beerben würde. Im Blair-Lager wird allerdings bestritten, dass es eine solche Abmachung gibt.

In seiner achtjährigen Amtszeit als Schatzkanzler hat Brown die Finanzpolitik des Landes mit zuvor nicht gekannten Vollmachten geprägt. Das Land erfreut sich seither eines soliden Wirtschaftswachstums. Daher gilt die wirtschaftliche Entwicklung auch als Trumpfkarte Labours bei den Wahlen.

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