Wahl in Italien: Von barbusigen Frauen und Pferden

Wahl in Italien
Von barbusigen Frauen und Pferden

Die Wahl in Italien hat begonnen. Als Berlusconi seine Stimme abgeben will, kommt es zu Tumulten. Für den Skandalpolitiker sieht es nach inoffiziellen Umfragen nicht gut aus. Die sind zwar verboten, aber gut getarnt.
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RomItaliens Wahlen gehen auf den Endspurt zu. Heute und morgen sind die Wahllokale geöffnet. Als Silvio Berlusconi in Mailand seine Stimme abgeben wollte, kam es zu Tumulten. Drei barbusige Frauen stürzten auf den früheren Ministerpräsidenten zu. In einem chaotischen Durcheinander mit weinenden Kindern und Schreien des Protests gegen den Ex-Regierungschef vergingen nur wenige Sekunden, bis die drei Frauen von Polizisten mit Jacken bedeckt und in Handschellen abgeführt wurden. Auf dem Rücken trugen die drei Frauen den Slogan „Basta Berlusconi“ (Genug von Berlusconi).

Die drei Frauen standen in einer wartenden Menge vor dem Wahllokal in Mailand, vor dem sich auch zahlreiche Journalisten versammelt hatten. Dann brachen die Protestierenden durch die Reihen und sprangen über mehrere Tische, um Berlusconi zu erreichen, was ihnen jedoch nicht gelang. Berlusconi polarisiert die italienischen Wähler seit vielen Jahren, unter anderem auch durch seine Liebschaften mit jungen Frauen, flapsigen sexistischen Sprüchen und durch ausschweifende Partys.

Die ganze Welt schaut auf die Wahlen in dem Mittelmeerland. Offizielle Umfragen sind zwar seit zwei Wochen verboten. Aber in Italien gibt es immer Wege, die Regeln zu umgehen. Auf der Internetseite Notapolitica.it kann man eine ganze Reihe von Einschätzungen zu Pferderennen sehen, die auffällige Parallelen zur Politik aufweisen.

Berlusconis „Volk der Freiheit“ läuft mit der Lega Nord unter dem Pferdenamen „Maison de la Liberté“ und „Ipson de la Boccon“ steht wohl für den Bocconi-Professor Mario Monti. Hinter „Bien Comun“ versteckt sich das Mitte-Links-Bündnis und der mit fünf Sternen ausgezeichnete Hengst „Igor Brick“ kann kein anderer sein als Beppe Grillo vom Bündnis „Cinque Stelle“. Ihre Zeiten in Sekunden lassen auf die Prozente schließen.

Laut dieser Website, die nach inoffizieller Einschätzung eines Wahlforschers durchaus seriös ist, wollen die Italiener (Stand: Samstag vor der Wahl) wie folgt wählen: Ganz vorne rennt für die Abgeordnetenkammer „Bien Comun“ – also Mitte-Links aus Pier Luigi Bersanis PD und Sel mit 35,5 Sekunden, beziehungsweise Prozent, gefolgt von Berlusconis „Maison Liberté“ mit 28,6 Prozent. An dritter Stelle steht Beppe Grillo alias „Igor Brick“ mit 19 Prozent. Monti alias „Ipson de la Boccon“ kommt dagegen nur auf 11,4 Prozent.

Wenn man die Parteien einzeln nimmt, kommt Bersanis PD danach auf 31 Prozent, während Berlusconis PDL ohne die Lega es nur auf 20,5 Prozent schafft.

Damit hätte die PD von Pier Luigi Bersani in der Abgeordnetenkammer die Mehrheit sicher, da er als größte Wahlallianz automatisch 55 Prozent der Stimmen erhält. Im Senat dagegen gibt es diesen Mehrheitsbonus auf Regionalebene: wer in der jeweiligen Region die Mehrheit hat, bekommt 55 Prozent der der Regon zustehenden Sitze.

Laut der Pferde-Website wird Bersani im Senat die Stimmen von Monti brauchen, um eine absolute Mehrheit der zu erhalten. Er kommt nach den jüngsten Umfragen nur auf 150 der 307 Sitze. Monti dagegen kommt auf 28 und Berlusconis Wahlallianz auf 86.

Aber auch diese Pferdewetten sind nur Umfrage-Werte. In der Vergangenheit lagen diese schon oft daneben. Die Investoren bleiben daher unruhig.

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Banken nennen Berlusconi einen „Risiko-Faktor“

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  • @Berlinconi, es war schon immer unangenehm, dem Fürsten, dem Souverän, schlechte Nachrichten zu überbringen.
    Meistens verlor der Überbringer den Kopf.
    Das Volk liebt nun mal die Märchen mit einem HAPPY END und der Cavaliere erzählt gerne genau diese Märchen.

    Allerdings gefährden diese Märchen die Glaubwürdigkeit der anderen Märchenerzähler, die gerade den Völkern die Märchen von der EU und dem EURO erzählen und wo noch am HAPPY END "gedichtet" wird, obwohl diese Geschichten kein HAPPY END zulassen !!



  • Von barbusigen Frauen und Pferden, das ist nicht alles.

    Silvio Berlusconi verkörpert viel Böses aber auch das konservative Denken. Die Italiener haben die große Chance die Sparpolitik in ihrem Land zu beenden. Welcher italienische Politiker wäre dafür besser geeignet.

    Sparen aufgeben heißt Arbeitsplätze schaffen.
    2012 lag die Arbeitslosenquote in Italien bei rund 10,8 %. Diesen Umstand wird das italienische Volk sehr wohl bewerten. Silvio Berlusconi würde Brüssel ein wenig Kopfschmerzen bereiten. Und warum sollte Italien mehr sparen als Deutschland?

  • Gott, wieviel Meinungsmist man hier über Berlusconi liest, Kopfschüttel!!!

    Vom absolutistischen Wolf zum Erlöser in den Meinungen mutiert in kaum mal 2 Monaten?

    Ich raff's nicht!!! Wo bleibt da das Hirn?

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