Wahl in Japan
Schatten-Shogun Ozawa will an die Spitze

Wenn am Dienstag Japans stärkste Partei, die Demokraten, entscheidet, wer sie führen soll, stehen die Chancen für Ichiro Ozawa nicht schlecht. Der 68-jährige ist machtbewusst und ein ausgekochter Strippenzieher. Doch von vielen wird der Schatten-Shogun gehasst. Nicht zuletzt wegen Ozawas zahlreicher Spendenskandale.
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TOKIO. Unerträglich heiß ist dieser Sommer in Japan, die Wetterdienste sprechen vom heißesten Sommer seit 113 Jahren. Doch Ichiro Ozawa, so geht eine der vielen Anekdoten über ihn, verschmäht jede Klimaanlage. Der Mann, der am Dienstag Japans neuer Premier werden könnte, lasse sich lieber kühle Luft zufächeln - durch einen seiner zahlreichen Sekretäre. Deren Job sei es auch, der Familie Ozawa regelmäßig Essen zu kochen. Vielleicht stimmt nicht alles, was man sich über Ichiro Ozawa so erzählt. Sicher ist aber, dass er als einer der machtbewusstesten, ausgekochtesten und wohl auch unbeliebtesten Politiker Japans gilt.

Der aktuelle Premierminister, Ozawas Parteigenosse und Wahlgegner Naoto Kan, findet nach neuesten Umfragen 67 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung - Ozawa nur 22 Prozent. Doch das, was die Öffentlichkeit will und denkt, spielt bei der Wahl am Dienstag nur eine ganz untergeordnete Rolle. Am Dienstag entscheidet die stärkste Partei Japans, die Demokraten (DPJ), wer sie führen soll. Und dort hat Ozawa nicht nur einen großen Unterstützerkreis.

Die Partei-Tradition sieht auch vor, dass der Sieger Ministerpräsident wird. Wohl auch deshalb ist er angetreten. Ichiro Ozawa könnte zu Japans Regierungschef aufsteigen, nur durch das, was er unbestritten gut kann und weswegen er von vielen gehasst wird: das Strippenziehen.

Schatten-Shogun nennen sie ihn in Japan. Weil der Mann mit dem viereckigen Kopf und den schweren Augenlidern bisher stets die Fäden der Macht in der Hand gehalten haben soll - so wie einst über 250 Jahre lang die Shogune, die dem Kaiser die Hand führten.

In Politikzirkeln nennen sie Ozawa aber auch "Kowayashi", den Zerstörer. Der 68-jährige war stets ein Wanderer zwischen den Parteien, oft hat er sie gegründet und wieder kaputt gemacht. Wohl auch deshalb juckt es ihn wenig, dass er nun die Spaltung der DPJ betreibt.

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