Wahl in Nigeria
Unter schlechtem Stern

Die verzögerte Zulassung ihres Kandidaten verärgert Nigerias Opposition. Sie droht mit einem Boykott der Präsidentschaftswahlen am Samstag. Doch die Wahl ist wichtig: Die Stabilität des Landes hängt von ihr ab, genau wie die Fortsetzung des Kampfes gegen Korruption und Rebellen.

KAPSTADT. Die Opposition in Nigeria hat zu einem Boykott der für Samstag geplanten Präsidentschaftswahlen aufgerufen. Der Termin müsse verschoben werden, um einen freien und fairen Urnengang zu ermöglichen, heißt es in einem Aufruf von 18 Parteien. Erst am Dienstag hatte die Wahlkommission den einen Monat zuvor ausgeschlossenen Favoriten der Opposition, Atiku Abubakar, auf Druck des Obersten Gerichtshofes wieder zur Wahl zugelassen. Nun müssen sein Name und sein Foto noch auf Millionen Listen gesetzt werden. Trotzdem lehnt die Regierung eine Verschiebung der Wahl ab.

Der Aufruf der Opposition wirft erneut ein Schlaglicht auf den Machtkampf, der im bevölkerungsreichsten Land Afrikas mit seinen gewaltigen Ölreserven tobt. Der gegenwärtige Präsident Olusegun Obasanjo darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren, weil der Senat ihm im vergangenen Jahr untersagte, noch einmal ins Rennen zu gehen. Stattdessen versucht er nun, seinem Wunschkandidaten Umaru Yar’Adua von der regierenden People’s Democratic Party (PDP) zum Sieg zu verhelfen – etwa mit Korruptionsvorwürfen gegen den Oppositionskandidaten, Vizepräsident Abubakar.

Dabei ist die Wahl in Nigeria die mit Abstand wichtigste des Kontinents in diesem Jahr. Viel wird von ihrem Ausgang abhängen: der erst zaghaft angelaufene Kampf gegen die Korruption, die Stabilität des religiös gespaltenen Landes mit seinen 135 Millionen Einwohnern, aber auch eine mögliche Lösung für die Krise im Nigerdelta, wo Rebellen vermeintlich für eine gerechtere Verteilung der Öleinnahmen kämpfen. Der neue Präsident müsste zudem die Wirtschaft wieder auf Trab bringen. So muss Nigeria, der zehntgrößte Erdölproduzent der Welt, etwa seit Jahren Benzin importieren, weil es nur wenige funktionierende Raffinerien gibt.

Gelingt am Wochenende ein geordneter Machtwechsel, würde zudem erstmals seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1960 nicht eine Zivilregierung von einer Militärdiktatur abgelöst. Angesichts der immensen Bedeutung der Wahl geben die Begleitumstände Anlass zur Sorge: So hatte sich der 70-Jährige Staatschef im vergangenen Jahr mit seinem Vizepräsidenten Abubakar überworfen, weil dieser eine Verfassungsänderung zugunsten einer dritten Amtszeit Obasanjos ablehnte. Anfang Februar schlug dieser dann zurück: Völlig überraschend veröffentlichte die staatliche Kommission zur Bekämpfung von Korruption und Wirtschaftskriminalität damals eine Liste mit den Namen jener Politiker, die nach Ansicht der Behörde zu korrupt sind, um bei Wahlen zu kandidieren. Unter den 135 Politikern auf der Liste stach dabei vor allem Abubakars Name ins Auge. Dem Vizepräsidenten, der inzwischen für den oppositionellen Action Congress (AC) ins rennen geht, wurde unter anderem vorgeworfen, rund 125 Mill. Dollar aus der Staatskasse für persönliche Geschäfte veruntreut zu haben.

Abubakar weist solche Vorwürfe bis heute entschieden zurück. Er hat offenbar auch die Verfassungsrichter überzeugt, die den Oppositionspolitiker diese Woche doch noch zur Wahl zuließen. Fraglich ist nun aber, wie Abubakars Name noch auf den bereits gedruckten und ausgelieferten Stimmzetteln erscheinen kann. Vermutlich wird ein Sticker aufgeklebt.

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