Wahl in Österreich
Die FPÖ ist auf dem Sprung in die Regierung

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Kritische Vergangenheit des FPÖ-Chefs

Über die AfD-Provokationen („Wir werden sie jagen“) sagt er verständnisvoll wie herablassend: „Die Alternative für Deutschland ist ja eine Partei, die sich in den Geburtswehen befindet.“ Brüder im national-konservativen Geist sind AfD und FPÖ allemal, aber die FPÖ hat eine jahrzehntelange Tradition mit breitem Programm und Verwurzelung in fast allen Schichten.

Dass Strache sich als junger Mann im Umfeld von Neonazis bewegte, thematisiert aktuell die „Süddeutsche Zeitung“. Jahrelang sei Strache unter anderem bei Aktionen der rechtsextremen Wiking-Jugend dabei gewesen. Fotos von Wehrsportübungen kommentiert Strache mit einem Dementi: „Ich war nie ein Neonazi und ich bin kein Neonazi.“

Aus Sicht des Rechtsextremismus-Experten Andreas Peham ist eine direkte Bestätigung durch Strache nicht nötig. „De facto hat er es zugegeben, dass er in der Jugend in diesen Kreisen war, von denen er sich nun aber distanziert habe, weil er gescheiter geworden sei“, sagt der Fachmann am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands.

Als vor zehn Jahren Fotos in Uniform von Strache auftauchten, schien dessen Polit-Karriere bedroht. Doch der damalige SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zeigte Milde und nannte das Verhalten des FPÖ-Chefs „Jugendtorheiten“. Straches Vergangenheit bewegt heute eher das Ausland als die Österreicher, so scheint es.

So war der nun absehbare Triumph nur durch eine Personalie hochgradig gefährdet. Als im Mai Kurz neuer ÖVP-Chef wurde, ließ er mit seiner Haltung zur Einwanderung und seiner Popularität die Umfragekurve der FPÖ von 32 auf zwischenzeitlich 22 Prozent abstürzen. Die Schlammschlacht zwischen SPÖ und ÖVP gibt aber einem seit Jahrzehnten gepflegten Feindbild neue Nahrung: Ein rot-schwarzes Bündnis sei immer eine Zwangsehe zum Schaden des Landes, so die FPÖ-Erzählung.

Auf dem Weg in die Regierung will Strache nun keinen Platz für rechtsextreme Entgleisungen lassen. Ein FPÖ-Politiker der zweiten Reihe verzichtete auf eine Kandidatur, weil er in einer Rede antisemitische Anspielungen gemacht haben soll. Die Mitgliedschaft eines Parteifreunds in der Steiermark wurde ruhend gestellt, weil er in einer Gemeinderatssitzung den Hitler-Gruß gezeigt haben soll.

Die Medien - bisher eines der Feindbilder Straches - werden nun charmant umworben. Am Ende eines TV-Duells überreichte Strache ganz nach alter Schule der Moderatorin einen riesigen Blumenstrauß, weil es seine letzte Wahlsendung mit ihr vor dem Urnengang war.

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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