Wahl in Simbabwe
Blogger vs. Diktator

Er will auch nach 33 Jahren nicht weichen: Robert Mugabe strebt in Simbabwe seine siebte Amtszeit als Präsident an. Sein größter Widersacher tritt ihm nicht persönlich entgegen, sondern in der digitalen Welt.
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KapstadtSein Name wird in Simbabwe dieser Tage in vielen Bussen, Bars und fast jedem Internetcafé geflüstert: Baba Jukwa, was in der lokalen Shona-Sprache soviel wie „Jukwas Vater“ heißt, ist ein enorm populärer Blogger. Seine Facebook-Seite ist vor der heutigen Wahl in dem südafrikanischen Binnenstaat zum Hauptgesprächsthema geworden. So populär sind seine Enthüllungen über Staatschef Robert Mugabe und diverse Interna über dessen Zanu-PF-Partei, dass politische Beobachter Baba Jukwa inzwischen zusammen mit Mugabe und dessen Gegenspieler Morgan Tsvangirai zum wichtigsten Akteur des Urnengangs erklärt haben.

Seit er im März seine Facebook-Seite lancierte, hat Baba Jukwa weit mehr Anhänger als die beiden Präsidentschaftskandidaten gewonnen. Während Tsvangirai rund 100.000 Fans hat und Mugabe etwa die Hälfe davon, nähert sich Baba Jukwa inzwischen mit großen Schritten der Marke von 300.000. Mugabe selbst scheint den Blogger inzwischen als eine derart große Bedrohung zu empfinden, dass er, nachdem Facebook eine Schließung der Seite ablehnte, angeblich eine Belohnung von 300.000 Dollar zur Ergreifung des Bloggers ausgelobt hat – bislang ohne Erfolg.

Das eigentlich Erstaunliche ist, dass Baba Jukwa nicht nur von Korruption, Einschüchterung oder Wahlfälschungen berichtet. Er liefert oft auch gleich noch die Telefonnummern der dafür verantwortlichen Beamten oder Politiker mit, so dass seine Fans dort anrufen und ihrer Empörung Luft machen können.

Angeblich soll Simbabwes Pendant zu dem amerikanischen Whistleblower Edward Snowdon oder Wikileaks-Gründer Julian Assange aus dem inneren Zirkel von Mugabes Partei stammen. Doch das würde überraschen: Seine beißende Kritik an dem Diktator macht es wahrscheinlicher, dass es sich um einen extrem gut informierten, wohl auch von Mugabe-Insidern gefütterten Anhänger von Morgan Tsvangirais Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC) handelt. Die MDC hofft, Mugabe bei den heutigen Wahlen trotz aller vom Diktator errichteten Hindernisse im dritten Anlauf zu entthronen.

Seit der Unabhängigkeit Simbabwes im Jahre 1980 gilt dort nämlich eine eherne Regel: Wie unmöglich es auch jeweils sein mag – Robert Mugabe wird am Ende stets gewinnen. Obwohl inzwischen 89 Jahr alt und schwer an Krebs erkrankt, strebt der zum Diktator mutierte Gründervater des Landes heute seine siebte Amtszeit an. 33 Jahre Alleinherrschaft sind ihm offenbar noch immer nicht genug. Selbst die neue Verfassung hat es nicht vermocht, den einstigen Befreiungshelden in den Ruhestand zu bugsieren. Zwar wird die Amtszeit des künftigen Präsidenten fortan auf zwei Legislaturperioden beschränkt. Allerdings gilt diese Regelung erst ab diesem Jahr. Theoretisch könnte Mugabe bei einem Wahlsieg folglich herrschen bis er fast 100 wäre.

Bei den letzten Wahlen vor fünf Jahren hatte sein Erzrivale Morgan Tsvangirai in der ersten Runde der Präsidentenwahl bereits deutlich gesiegt. Als Mugabe und dessen Zanu PF-Partei dann jedoch eine Welle der Gewalt entfachten, der mehr als 200 Oppositionelle zum Opfer fielen, zog sich Tsvangirai von dem entscheidenden zweiten Wahlgang zurück. Ohne Gegner und Gegenwehr gewann Mugabe und kürte sich erneut zum Präsidenten.

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