Wahl in Tschetschenien
Kreml-Favorit siegt deutlich

Bei der vorgezogenen Präsidentenwahl in Tschetschenien hat der vom Kreml unterstützte Polizeigeneral Alu Alchanow (47) wie erwartet mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Westliche Beobachter hatten die vom Kreml gesteuerte Wahl am Sonntag als „undemokratisch“ bezeichnet.

HB GROSNY. „Tschetschenien hat in der ersten Runde einen Präsidenten gewählt“, erklärte der Chef der Wahlkommission Abdul-Kerim Arsachanow am Montag in Grosny vor Journalisten. Vorläufigen Ergebnissen zufolge erhielt Alchanow knapp 74 % der Stimmen. „Ich fühle die enorme Last der Verantwortung“, sagte der 47-jährige Politiker nach Bekanntgabe der Zahlen. Er wird von Russlands Präsident Wladimir Putin massiv unterstützt und ist der Nachfolger des im Mai von anti-russischen Rebellen ermordeten Präsidenten Achmed Kadyrow. „Ich empfinde keine Euphorie. Es ist klar, dass eine Menge harter Arbeit vor uns liegt“, sagte Alchanow weiter einer Meldung der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass zufolge.

Alchanow (47) schließt Friedensgespräche mit den islamistischen Rebellen in den Bergen des Nordkaukasus aus. Der als Terrorist gesuchte Ex-Präsident Aslan Maschadow habe ebenso wenig eine Zukunft in Tschetschenien wie der religiöse Extremismus, sagte der Moskau- treue Polizeigeneral Alchanow am Montag in Grosny. Nach vorläufigen Auszählungsergebnissen kam Alchanow bei der Wahl am Sonntag auf 74 Prozent der Stimmen. Der bisherige Innenminister Alchanow soll Ende September offiziell die Nachfolge des im Mai ermordeten Präsidenten Achmat Kadyrow antreten.

Russische und westliche Wahlbeobachter sprachen der vom Kreml gesteuerten Wahl eine demokratische Legitimation ab. Während die Beteiligung offiziell bei 85 Prozent lag, berichteten Menschenrechtsorganisationen von „sehr wenigen Menschen vor den Wahllokalen“ in der Hauptstadt Grosny. Weder der Europarat noch die Organisation für Sicherheit in Europa (OSZE) hatten offizielle Wahlbeobachter nach Tschetschenien geschickt.

Der Schweizer Abgeordnete Andreas Gross, Berichterstatter des Europarates, sprach in Grosny von einem unfairen Wahlkampf zu Gunsten Alchanows. Bei der Stimmenauszählung lag der Regierungsbeamte und Geheimdienstoffizier Mowsur Chamidow (8,7 Prozent) weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Keiner der insgesamt sechs Gegenkandidaten Alchanows bekam von den Behörden die Gelegenheit, einen vergleichbaren Wahlkampf im Fernsehen oder bei Großveranstaltungen zu führen.

In Tschetschenien kämpfen moslemische Separatisten seit rund zehn Jahren gegen die russische Herrschaft in der Region. Russische Behörden vermuten moslemische Extremisten auch hinter den beiden nahezu zeitgleichen Flugzeugabstürzen in der vergangenen Woche, bei denen rund 90 Menschen ums Leben kamen. An beiden Wracks wurden Sprengstoffspuren gefunden.

Alchanows Vorgänger Kadyrow wurde im Mai von Rebellen getötet. Auch der neue Präsident wurde schon vor seiner Wahl bedroht. „Wie beim letzten Mal unterzeichnen die Behörden für den Mann, den sie (zum Präsidenten) ernennen, den Mordbefehl. Weder Wahlen noch die aktuelle russische Politik in Tschetschenien werden die erwünschten Ergebnisse bringen“, hatte ein Vertreter der Aufständischen erklärt.

Die tschetschenische Präsidentenwahl war von den Bombenanschlägen auf zwei russische Passagierflugzeuge vor einer Woche mit 90 Toten überschattet worden. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf zwei Selbstmord-Attentäterinnen aus Tschetschenien. Im Internet drohten die Rebellen auch dem zukünftigen Präsidenten Alchanow mit dem Tod. Die Wahl des neuen Präsidenten fand unter enormen Sicherheitsvorkehrungen statt. 14 000 tschetschenische Polizisten patrouillierten neben russischen Soldaten auf den Straßen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%