Wahl in Westafrika
Bewährungsprobe für Liberia

Bürgerkrieg, Kindersoldaten, Ebola – dem Staat Liberia wurde in den vergangenen Jahrzehnten wenig erspart. Doch inzwischen ist das Land stabil. Die Präsidentschaftskandidaten versprechen Wachstum und Senkung der Armut.
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Monrovia Im westafrikanischen Liberia steht der erste friedliche Machtwechsel seit Jahrzehnten bevor. Rund 2,2 Millionen Liberianer sind am Dienstag aufgerufen, ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten zu wählen. „Die Wahlen werden zeigen, dass Liberia unumkehrbar den Weg eingeschlagen hat, den Frieden zu bewahren und seine junge Demokratie zu festigen“, sagte die nach zwei Amtszeiten ausscheidende Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf. Die 72-Jährige war 2011 für ihre Arbeit zur Befriedung des von 14 Jahren Bürgerkrieg zerrütteten Landes mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

Johnson-Sirleaf hat erfolgreich die Demokratie in Liberia gefestigt, doch ihr Nachfolger wird alle Hände voll zu tun haben, denn die Wirtschaft liegt brach. Das liegt unter anderem an der verheerenden Ebola-Epidemie, der von 2013 bis 2015 mehr als 4000 Liberianer zum Opfer fielen. Das öffentliche Leben stand zeitweise still, das Land wurde um Jahre zurückgeworfen. Zudem brachen noch die Preis von Gummi und Eisenerz ein, wichtigen Exportprodukten des Landes.

Nur dreien der 20 Präsidentschaftskandidaten werden ernsthafte Chancen eingeräumt. Vizepräsident Joseph Boakai von der regierenden Partei für Einheit (UP) tritt mit Amtsbonus und reichlich Erfahrung an, ist mit 72 Jahren aber nicht mehr der Jüngste. Die größte Oppositionspartei, die Koalition für Demokratischen Wechsel (CDC), schickt den populären früheren Fußballstar George Weah ins Rennen. Der 51-jährige Senator war bei den Wahlen 2005 gegen Johnson-Sirleaf unterlegen. Er hat den Kampf gegen die Korruption zu seinem wichtigsten Wahlkampfthema gemacht. Für die Liberalen (LP) tritt Charles Brumskine an. Der 66-jährige Anwalt und Ökonom kandidierte bereits 2005 und 2011 bei den Wahlen.

Die knapp 5400 Wahllokale werden von 07:00 Uhr (MESZ) bis 19:00 Uhr geöffnet sein. Erste belastbare Ergebnisse werden rund 24 Stunden nach Schließung der Wahllokale erwartet.

Der Gewinner der Wahl wird nur wenig Mittel zur Verfügung haben, um das Schicksal der armen Bevölkerung zu verbessern: Liberias Staatshaushalt hat ein Volumen von gut 500 Millionen Dollar (460 Millionen Euro). Das entspricht zum Beispiel einem Viertel des Haushaltes der Stadt Nürnberg, wo gut 500 000 Menschen leben.

Liberia mit rund 4,6 Millionen Einwohnern ist von der Fläche her etwas größer als Österreich. Nach einem umfassenden UN-Index gehört Liberia zu den 15 ärmsten Ländern der Welt. Die Lebenserwartung in Liberia liegt laut Weltbank bei 62 Jahren, in Deutschland sind es 81 Jahre. Liberias lange Bürgerkriege, in denen auch viele Kindersoldaten kämpften, haben schätzungsweise 250 000 Menschen das Leben gekostet; erst 2003 kehrte Ruhe ein. Nach einem Friedensabkommen stellte sich Johnson-Sirleaf 2005 erstmals zur Wahl.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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