Wahl
Indonesien-Wahl: Präsident ist Favorit

Mit einem neu besetzten Technokraten-Kabinett will Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono nach seiner heute angestrebten Wiederwahl dem bevölkerungsreichsten moslemischen Land der Welt einen neuen Reformschub verpassen. Das kündigte der frühere General, der sich nach seiner ersten fünfjährigen Amtszeit in der Hauptstadt Jakarta selbst nur noch "SBY" nennt, in einem seiner seltenen Fernsehinterviews an.

BERLIN. Er werde "keine unterqualifizierten Führer rivalisierender Parteien" seiner beiden Mitbewerber in die neue Regierung berufen, sondern Experten.

Bei der Wahl in Indonesien hat sich nach ersten Stimmenauszählungen eine Führung von Yudhoyono abgezeichnet. Allerdings war noch unklar, ob er die Hälfte der Stimmen auf sich vereinigen und damit eine Stichwahl vermeiden kann. Dem Meinungsforschungsinstitut LSI zufolge entfielen nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen auf Yudhoyono rund 58 Prozent. Gegen den Amtsinhaber treten sein Stellvertreter Yusuf Kalla und die frühere Präsidentin Megawati Sukarnoputri an. Auf sie entfielen LSI zufolge 16 beziehungsweise 25 Prozent der Stimmen. Beide haben im Wahlkampf nationalistischere Töne angeschlagen als Yudhoyono. Sie wollen die reichen Ressourcen des Landes verstärkt ausbeuten, um mit den Mitteln den Armen zu helfen.

Besonders der von SBY als Vizepräsident mit ins Wahlrennen genommene bisherige Zentralbankchef Boediono soll im Zusammenspiel mit der früheren Weltbank-Managerin und jetzigen Finanzministerin Sri Mulyani Indrawati das mit 240 Millionen Einwohnern viertgrößte Land der Erde durch die Wirtschafts- und Finanzkrise bringen. Tatsächlich bescheinigen politische Beobachter und Wirtschaftsvertreter in Jakarta Präsident Yudhoyono, dass er "Indonesien Stabilität gebracht hat", wie Erwin Schweisshelm, Leiter der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Jakarta sagt: "Indonesien steht trotz Krise wirtschaftlich besser da als andere Länder. Man merkt hier fast nichts von ihr."

Tatsächlich rechnet die Regierung für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und auch der IWF hat seine Prognose für den über mit 17 000 Eilanden weltgrößten Inselstaat auf drei bis vier Prozent angehoben, europäische Experten erwarten immerhin noch zweieinhalb Prozent. Die Investmentbank Morgan Stanley hat gerade angeregt, das wirtschaftlich kräftigste Land Südostasiens in die sogenannte BRIC-Gruppe herausragender Schwellenländer (Brasilien, Russland, Indien und China) einzureihen. Jakartas Börse hat seit Jahresbeginn Kurssprünge von 50 Prozent erlebt.

Entsprechend zufrieden sind ausländische Investoren mit Indonesien: "Yudhoyono hat deutliche Verbesserungen erreicht", sagt Monika Stärk, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Ostasiatischen Vereins (OAV) der deutschen Wirtschaft. Vor allem wenn er seine "konstruktive Wirtschaftspolitik weiter fortsetzt und die Reformen vertieft, wird Indonesien die Aufmerksamkeit bekommen, die es von seiner Größe und seinem Wirtschaftspotenzial her verdient". Dazu müsse vor allem die Entbürokratisierung vorangetrieben werden und mehr Transparenz in Wirtschaft und Staat Einzug halten.

Laut Transparency International gehörten Indonesiens Justiz und Verwaltung weiterhin zu den bestechlichsten der Welt. Und Michael Buehler, Ostasien-Experte der Columbia Universität bezweifelt, dass SBY als "Mann des Systems" daran letztlich viel ändern werde.

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