Wahl ins US-Repräsentantenhaus
Star wider Willen

Keith Ellison aus Minnesota könnte der erste Moslem im US-Repräsentantenhaus werden. Doch Fragen zu seiner Religionszugehörigkeit blockt der Demokrat unbeirrt ab. Eine Handelsblatt-Reportage über einen vermeintlich normalen Wahlkampf.

MINNEAPOLIS. Wahlkampf härtet ab. „Wäre ich kein Moslem, du würdest nicht mit mir reden“, sagt Keith Ellison ganz abgebrüht zu dem Reporter. Und dann schwenkt der 43-Jährige unbeirrt auf seine Themen um: Gesundheit, Minderheiten, Schwule, Schwarze, Bildung, der Krieg im Irak.

Zu seinem Glauben sagt er nichts. „Ich habe eine amerikanische Agenda“, sagt Ellison irgendwann. Doch die will keiner hören. Und schon wird die nächste Frage abgefeuert: „Wie ist das, als Moslem in der amerikanischen Politik zu sein?“

Keith Ellison ist der Star wider Willen in der Demokratischen Partei, die hier in Minnesota DFL heißt. DFL steht für „Democratic-Farmer-Labour“ – ein Unikum, das es nur hier im Mittleren Westen gibt. 1944 verschmolzen die Demokraten mit Bauern und Arbeitern zur DFL – und blieben es bis heute. Für diese Partei kandidiert Keith Ellison bei den Kongresswahlen am 7. November für einen Sitz im Repräsentantenhaus in Washington.

Gewählt wird das „House“ alle zwei Jahre. Doch der 7. November 2006 ist kein gewöhnlicher Wahltag. Nach Umfragen spricht viel dafür, dass die Demokraten die langjährige Mehrheit der Republikaner in der zweiten Kammer des US-Kongresses brechen könnten. Minnesota gilt dabei als „Swingstate“, der nicht klar einem der beiden Lager zugerechnet werden kann. Ellison soll Minnesota für die Demokraten halten. Und er soll ein Symbol setzen für die liberale Partei. Er soll siegen und der erste Moslem im Parlament im fernen Washington D.C. sein.

Die Chancen dafür stehen gut. Klarer als erwartet gewann Ellison am 12. September die Vorwahlen innerhalb der DFL. Mit 41 Prozent Zustimmung setzte er sich gegen eine ganze Schar von Konkurrenten durch. Nun muss er die Rivalen von der republikanischen, der unabhängigen und der grünen Partei aus dem Rennen werfen – was ihm im demokratisch geprägten 5. Wahlbezirk gelingen sollte. Also: Wie ist das als Moslem in der US-Politik?

Doch Keith Ellison verweigert sich konsequent. Stattdessen hüpft er behände auf den Holztisch, der im Kenwood-Park in Minneapolis für die Picknick-Runde aufgebaut ist. Zehn Meter weiter glimmt schon die Holzkohle auf dem Grill, im Hintergrund spielt sich eine Drei-Mann-Combo warm.

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