Wahl Staatsoberhaupt
Halonen liegt in Finnland vorn

Die Finnen wählen am Sonntag in einem zweiten Wahlgang ihr Staatsoberhaupt. In den letzten Fernsehduellen mühte sich Tarja Halonen zwar redlich, den Eindruck einer mit dem Rücken zur Wand kämpfenden Präsidentin zu verwischen, doch ganz ist ihr das nicht gelungen. Finnlands Staatsoberhaupt Halonen bangt um ihre Wiederwahl, die noch vor zwei Wochen als vollkommen sicher galt.

HB RAUMA. Doch die 62jährige, ehemalige sozialdemokratische Außenministerin verpasste die für die direkte Wiederwahl notwendige absolute Mehrheit und muss sich nun am kommenden Sonntag in einem zweiten Wahlgang gegen den Herausforderer Sauli Niinistö durchsetzen. Meinungsumfragen geben Halonen zwischen 53 und 55 Prozent der Stimmen, während Ex-Finanzminister Niinistö auf 45 bis 47 Prozent kommt.

So hatte sich das Tarja Halonen nicht vorgestellt. Sie galt als haushohe Favoritin beim ersten Wahlgang vor knapp zwei Wochen. Doch sichtbare Irritationen und eine Tendenz zur Überheblichkeit bei wichtigen Fernsehauftritten führten nach Meinung von Wahlforschern wenige Tage vor der Wahl zu dem Sympathieverlust der amtierenden Präsidentin. Sie kam lediglich auf 46,3 Prozent der Stimmen, obwohl ihr sämtliche Meinungsumfragen über Wochen hinweg die direkte Wiederwahl prognostiziert hatten.

Inhaltliche Differenzen können nicht zu dem Negativtrend geführt haben, denn eine inhaltliche Auseinandersetzung gab es nicht. Vielmehr hat sich die finnische Präsidentschaftswahl zu einer reinen Personenwahl entwickelt, bei der Privatleben und Haarfarbe eine wichtige Rolle spielen. Das liegt auch daran, dass die Macht des Staatsoberhauptes vor sechs Jahren stark beschnitten wurde und beide Kandidaten trotz unterschiedlicher politischer Herkunft sehr ähnliche Positionen etwa in der Frage einer eventuellen Nato-Mitgliedschaft des neutralen Landes vertreten. Das Thema sei derzeit nicht aktuell, sagen beide und schließen damit die Möglichkeit nicht grundsätzlich aus.

Im Cafe Niinistö im westfinnischen Rauma, einem von insgesamt 72 Treffpunkten im ganzen Land, in denen mit Kaffee und Kuchen für Sauli Niinistö geworben wird und man sich von der bitteren Kälte draußen vor der Tür erholen kann, herrscht ebenfalls Optimismus. Niinistös Wahlhelfer wollen den Aufwind für den 59jährigen Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank gespürt haben. Wahlexperten halten das allerdings trotz der eingeleiteten Aufholjagd von Niinistö für unwahrscheinlich und gehen deshalb weiterhin von einem Sieg Halonens aus.

Einen Verlierer der Präsidentschaftswahlen gibt es schon heute: Regierungschef Matti Vanhanen, der sich ebenfalls um das höchste Staatsamt bemüht hatte, schied schon im ersten Wahlgang aus und muss nun um sein Ansehen als Regierungschef und Vorsitzender der bäuerlichen Zentrumspartei bangen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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