Wahlen im Kongo
Ein Funken Hoffnung

Die Wahlen im Kongo am Sonntag sollen das kriegsgebeutelte Land auf den Weg zur Demokratie führen und zugleich ein positives Signal an den ganzen Kontinent senden. Doch die Voraussetzungen sind denkbar schlecht.

KAPSTADT. Die Probleme bei der Vorbereitung sind enorm, der Aufwand ist gigantisch: Am Sonntag sollen in der Demokratischen Republik Kongo die ersten freien Wahlen nach vier Jahrzehnten Diktatur und Krieg stattfinden. Für die Uno sind die Organisation und Absicherung der Präsidenten- und Parlamentswahl der größte und komplexeste Einsatz dieser Art in ihrer Geschichte. Insgesamt 17 000 Uno-Friedenssoldaten sind in die Region entsandt. Die Europäer schickten zusätzlich 2 000 Kräfte, 780 davon aus Deutschland. Rund 500 Millionen Dollar kostet die Durchführung der Wahl.

Doch der Einsatz soll sich lohnen. Schließlich soll die Wahl nicht nur das Land nach Jahrzehnten des Elends auf den Weg zur Demokratie führen, sondern auch ein „Hoffnungssymbol für ganz Afrika“ – wie Uno- Generalsekretär Kofi Annan es ausdrückte – sein.

Allerdings sind die Voraussetzungen hierfür nicht sonderlich gut, denn der Zustand des Landes ist nach 50 Jahren fast ununterbrochener Misswirtschaft äußerst schlecht. „Man muss quasi bei null anfangen. Es fehlt an Straßen, Strom, Wasser, Richtern, Lehrern und Krankenhäusern – eigentlich allem, was ein Volk braucht“, sagt Albrecht Conze, stellvertredender politischer Direktor der Uno-Kongo-Mission (Monuc). Dennoch ist für ihn allein die Tatsache, dass es nach all den unvorstellbaren Gräueln der Vergangenheit überhaupt zu einer Wahl kommt, bereits ein Fortschritt: „Wir sehen endlich ein bisschen Licht am Ende des Tunnels“, sagt er. Die Wahl könnte jedenfalls einen Schlussstrich unter einen Bürgerkrieg ziehen, in dem zwischen 1998 und 2003 rund vier Millionen Menschen gestorben sind.

33 Kandidaten bewerben sich um das höchste Staatsamt, mehr als 9 700 Kandidaten um die 500 Parlamentssitze. 13 000 weitere Kandidaten wetteifern um die knapp 700 Sitze in den künftigen Provinzversammlungen. Alles in allem sind fast 300 Parteien zugelassen. Unterschiedliche Programme sind dennoch kaum erkennbar. Alle Kandidaten geloben, den Kongo aus den Ruinen wiederauferstehen zu lassen.

Als Favorit für den Präsidentenposten gilt der 35-jährige Amtsinhaber Joseph Kabila. Er rückte in dieses Amt, nachdem sein Vater Laurent 2001 von einem Leibwächter ermordet worden war. In der ersten Runde allerdings dürfte die Wahl dabei rein ethnisch verlaufen und in einer Zersplitterung münden, schon weil keine der zahllosen Volksgruppen mehr als fünf Prozent der Gesamtbevölkerung stellt. Erst in einem zweiten Wahlgang wird dann wohl der Sieger ermittelt.

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