Wahlen in Chile
Krawalle und viele Enthaltungen bei Urnengang in Chile

Der konservative Unternehmer Piñera gilt als Favorit auf das Präsidentenamt in Chile. Er wird aber voraussichtlich in einer Stichwahl gegen den Mitte-Links-Kandidaten Guillier antreten müssen.
  • 0

Santiago de ChileDie Chilenen haben am Sonntag den Nachfolger der scheidenden Staatschefin Michelle Bachelet gewählt. Als Favorit unter den acht Kandidaten gilt der konservative Unternehmer Sebastián Piñera (67), der bereits 2011-2014 das Amt innehatte. Allen Prognosen zufolge wird es aber am 17. Dezember zu einer Stichwahl mit dem unabhängigen Journalisten Alejandro Guillier (64) kommen, dem Bewerber der Mitte-Links-Koalition „Fuerza de Mayoría“ („Mehrheitskraft“).

Wahlberechtigt waren 14,3 Millionen Bürger. Die Ergebnisse sollten am frühen Montagmorgen bekanntgegeben werden.

Bachelet, die auch Präsidentin während der Amtsperiode 2007-2011 war, durfte gemäß der Verfassung nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren.

Politiker aller Couleur hatten die Bürger zu einer regen Teilnahme an der Wahl aufgerufen. Nach einer Wahlbeteiligung von nur 35 Prozent der Wähler an der Kommunalwahl vor einem Jahr hatten die Umfragen auch für die Präsidentenwahl eine Stimmenthaltung von über 50 Prozent vorausgesagt. „Es gibt Menschen, die denken, es sei gleich, wer regiert. Ihre Stimme ist aber jetzt wertvoll“, sagte Bachelet vor ihrer Stimmabgabe in Santiago de Chile.

Einige wenige sollten nicht für die Mehrheit entscheiden, erklärte die Regierungssprecherin Paula Narváez. „Steh' auf und gib deine Stimme ab, die Zukunft Chiles liegt in deinen Händen“, schrieb Piñera auf seinem Twitter-Account.

Die Regierung traf Maßnahmen, um die Wahlbeteiligung zu fördern. Für öffentliche Transportmittel musste nicht gezahlt werden, Arbeitnehmer durften zur Stimmabgabe ihren Job für zwei Stunden verlassen.

Piñera könnte nach den letzten Umfragen auf über 40 Prozent der abgegebenen Stimmen kommen. Er würde aber nach den Prognosen die absolute Mehrheit verfehlen, die erforderlich ist, um das Präsidentenamt in der ersten Wahlrunde zu gewinnen. Guillier, der von Sozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten unterstützt wird, könnte demnach an zweiter Stelle mit knapp über 20 Prozent.

Die Wahl verlief am Sonntag mit einigen vereinzelten Zwischenfällen. Eine linke Schüler- und Studentengruppe besetzte kurzzeitig den Wahlbunker Piñeras in Santiago de Chile. Die Polizei räumte das Lokal und nahm 21 Studenten fest, wie der Sender Radio Bío Bío berichtete. In Südchile hielten bewaffnete Vermummte eine Bus an, der Wähler abgelegener Gegenden zu den Wahllokalen transportieren sollte. Die nicht identifizierten Angreifer zwangen den Fahrer auszusteigen und setzten den Bus in Brand.

Es wurden auch alle 155 Abgeordneten und die Hälfte der 50 Senatoren im Parlament neu gewählt. Nach den Umfragen wird kein politisches Lager eine absolute Mehrheit im Parlament erreichen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wahlen in Chile: Krawalle und viele Enthaltungen bei Urnengang in Chile"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%