Wahlen in der Ostukraine
Ein Kilo Kartoffeln für eine Stimme

Gegner sind geflüchtet, Zweifler werden mit Geschenken an die Urne gelockt: Das Ergebnis der Wahlen in der Ostukraine fällt nach dem Willen der Separatisten aus. Sie setzen so ihren blutigen Kurs Richtung Russland fort.
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Donezk/LuhanskDie prorussischen Separatisten haben mit allen Mitteln gekämpft. Nicht allein mit Waffen, die sie am Wahltag präsentierten, um an den Wahllokalen Eindruck zu machen. Sondern auch mit Kiloweise Kartoffeln, Möhren oder Zwiebeln – alles, um die Menschen an die Urnen zu holen. Die Rechnung ist offenbar aufgegangen.

Vor den Wahllokalen in Donezk und Luhansk bildeten sich teilweise lange Schlangen. Separatistenführer und Spitzenkandidat der Partei „Donezker Republik“, Alexander Sachartschenko, sprach von einer „überwältigenden Wahlbeteiligung“. Nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen liegt seine Partei mit über 80 Prozent uneinholbar vorn. Auch in Luhansk hat die dortige Separatistenpartei einen haushoch Vorsprung.

So wird das endgültige Ergebnis, das vermutlich erst am Dienstag bekanntgegeben wird, so ausfallen, wie es bereits vor den Wahlen feststand. Die Separatisten werden ihren blutigen Kurs Richtung einer Angliederung an Russland und der damit verbundenen vollständigen Loslösung von der Ukraine fortsetzen. Mit Waffengewalt.

Dass das Ergebnis so eindeutig zugunsten der Separatisten ausfiel, darf nicht verwundern, denn seit Ausbruch der Kämpfe haben hunderttausende Menschen den Donbass verlassen. Nur die Kritiker der Regierung in Kiew und die Alten sind geblieben, mussten bleiben. Und Alternativen zum prorussischen Kurs gab es nicht.

Die Wahlen, die weder von der Regierung in Kiew, noch von EU und den USA anerkannt werden, glichen einer Farce. Damit Bilder von den vor den Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden wartenden Menschen gezeigt werden konnten, wurden viele zuvor stets benutzte Wahllokale erst gar nicht geöffnet.

Und um einen Anreiz für die notleidende Bevölkerung in den umkämpften Gebieten zu geben, verramschte man Gemüse zum Schleuderpreis: Ein Kilogramm Kartoffeln, Möhren oder Zwiebeln gab’s für einen Griwna, umgerechnet sechs Cent. Allerdings nur, wenn man zuvor gewählt hatte.

Von dem „Angebot“ machten vor allem ältere Menschen Gebrauch, die nach den monatelangen Kämpfen zwischen Separatisten und der ukrainischen Armee kaum noch wissen, wie sie den nächsten Tag überstehen sollen. Und ein bisschen Nachhilfe, damit die kriegsmüde Bevölkerung auch tatsächlich ihre Stimme abgibt und nicht der absurden Wahl fernbleibt, gab es zudem: Nur wer wählte, kann künftig Krankenversorgung und Sozialleistungen in Anspruch nehmen.

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Friedensplan von Minsk mit Füßen getreten

Kommentare zu " Wahlen in der Ostukraine: Ein Kilo Kartoffeln für eine Stimme"

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  • Ja,hier heissen die Kartoffeln, Rente mit 63, Mütterrente, Erhöhnung Hartz IV, nicht angreifabre Beamtenpensionen, Parteienspenden zB von der PKV, Industriesubventionen...

  • »Ein Kilo Kartoffeln für eine Stimme«?

    Eine Wunschkoalition für einen Gauck(ler)-Kommentar? – Danke, Bananenrepublik!
    Der hat seine Vergangenheit auch noch nicht bewältigt :–(

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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