Wahlen in Frankreich: Schlappe für Sarkozys Partei

Wahlen in Frankreich
Schlappe für Sarkozys Partei

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ParisGeringe Beteiligung beherrscht die entscheidende Runde der französischen Kantonalwahlen.

Beim letzten Stimmungstest vor der Präsidentenwahl 2012 hat die UMP-Partei von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy eine herbe Enttäuschung erlitten. Die Regierungspartei büßte Stimmen an Sozialisten und Rechtsextreme ein.

Bei einer extrem niedrigen Wahlbeteiligung lag die UMP nach ersten Hochrechnungen mit 20,1 Prozent hinter den Sozialisten (35,7 Prozent), während sich der rechtsextreme Front National (FN) mit 11,7 Prozent als dritte Kraft etablierte.

„Diese Wahl war von einer Rekordenthaltung geprägt, die Rolle der Départements wird nicht mehr klar erkannt“, betonte Premierminister Francois Fillon am Abend. Er warnte davor, das Protestpotenzial der Wähler zu unterschätzen. Für Sarkozy, dem Ambitionen auf eine erneute Kandidatur bei der Präsidentschaftwahl 2012 nachgesagt werden, bedeutet das eine schwere Schlappe.

Beobachter gingen davon aus, dass die geringe Beteiligung dem Front National geholfen hat. Er war bisher nicht in den (deutschen Kreistagen vergleichbaren) Generalräten vertreten. FN-Chefin Le Pen schätzte, dass ihre Partei in einigen Wahlkreisen auf knapp 40 Prozent der Stimmen kam.

Im Regierungslager nannte Sprecher François Baroin die Wahlen aus Sicht des konservativen Lagers „enttäuschend“. Premierminister Fillon betonte, die Rekordenthaltung zeige „die Kluft zwischen dem Bürger und der Politik.“ Auch die frühere sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal meinte, „stärkste Partei bei diesen Wahlen war die der Enthaltungen“.

Die Sozialisten haben in mindestens drei Wahlkreisen zugelegt - bisher kontrollierten sie bereits 58 Départements. Sozialisten-Chefin Martine Aubry betonte am Abend, die Franzosen seien nun bereit für einen politischen Wandel.

Die Nummer zwei des FN, Marine Le Pens Lebensgefährte Louis Aliot (41), musste sich in Perpignan einem sozialistischen Gegenkandidanten geschlagen geben. Das neue, 101. Département, die im Indischen Ozean gelegene Insel Mayotte, geht an die Sozialisten, deren Chef François Hollande sich im Départemenet Correze erfolgreich behaupten konnte.

Am Sonntag ging es um die Besetzung von 1566 Sitzen in den Generalräten. 460 Sitze waren im ersten Wahlgang direkt vergeben worden, wo die Beteiligung mit rund 44 Prozent der gut 21 Millionen Wahlberechtigten bereits extrem niedrig war. Die endgültigen Ergebnisse werden für Montag erwartet.

dpa

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