Wahlen in Hongkong
„Darum gehe ich auf die Straße“

Der Hongkonger Lawrence Hui ist tagsüber Startup-Gründer, abends geht er auf die Straße und protestiert für mehr Demokratie. Im Interview erklärt er, warum er Unternehmer und gleichzeitig Aktivist ist, obwohl das seinem Geschäft schadet.
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HongkongLawrence Hui hat geschafft, wovon viele Gründer träumen: Der studierte Finanzwissenschaftler hat gleich drei Startups ins Leben gerufen. Die Geschäfte laufen nicht schlecht für den 28-Jährigen Hongkonger. Und trotzdem geht er ein großes Risiko ein, indem er öffentlich die Regierung in China kritisiert und mehr Demokratie fordert. Am Sonntag demonstrierte er gegen die Wahl von Pekings Wunschkandidatin Carrie Lam zur neuen Regierungschefin der chinesischen Sonderverwaltungsregion.

Sie kommen von einer Demonstration. Werden Sie wieder auf die Straße gehen?
Auf jeden Fall. Nach der Wahl fehlt uns Hoffnung in Hongkong. Carrie Lam steht für den alten Weg des Establishments. Wir brauchen in Hongkong Menschen, die an einer bessere Zukunft glauben. Ich komme aus dem IT-Sektor und ich glaube daran, dass sich Dinge verbessern können.

Aber haben Sie keine Angst vor negativen Konsequenzen für Ihr Geschäft?
Doch, natürlich. Ich spreche mich offen gegen Peking und für Demokratie aus. Es gibt Leute in der Geschäftswelt, denen das nicht gefällt. Sie halten mich für einen Aktivisten und nicht für einen Unternehmer. Sie suchen sich dann andere Anbieter, die sie nicht als politisch riskant einstufen. Das passiert mir auf jeden Fall.

Wenn Ihnen das passiert ist, warum gehen Sie trotzdem weiter auf die Straße?
Mir geht es um die nächste Generation. Wenn es für Dich ok ist, dass dein Kind wie in einer chinesischen Provinz aufwächst, kannst Du die Hände in den Schoß legen. Das ist für mich aber keine Option. Darum gehe ich auf die Straße. Selbst Regierungsbeamte schicken ihre Kinder ins Ausland. Das ist kein gutes Zeichen.
In welche Richtung entwickelt sich Hongkong?
Der Raum für Freiheit wird kleiner. Ich sehe, dass viele Menschen Kompromisse eingehen. Sie trauen sich nicht, den Mund aufzumachen. Sie haben Angst, dass sie das ihr gewohntes Leben kosten könnte. Ich finde es traurig, dass zu sehen. Ich setze auf offene, neue Politiker. Für mich sind politische Führungsfiguren wie Joshua Wong wichtig für unsere Zukunft. Hongkong braucht mehr Menschen wie ihn.


Kritiker werfen Aktivisten vor, die ökonomische Zukunft von Hongkong zu gefährden …
… Das ist genau das Problem. Die Leute, die solche Argumente bringen, gehören zur älteren Generation. Sie wollen ihren Besitz wahren. Aber wir, die Jungen, werden noch viele Jahrzehnte in Hongkong leben. Ich denke über meine Generation sowie die meiner Kinder und Enkelkinder nach. Wir brauchen mehr Politiker mit Weitblick.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China

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