Wahlen in Katalonien
„Wir haben unser Ziel nicht erreicht“

Der katalanische Ministerpräsident Artur Mas und sein Unabhängigkeitsplan müssen eine unerwartete Schlappe hinnehmen. Trotz Stimmeinbußen will Mas Regierungschef bleiben - nun musst er einen Koalitionspartner suchen.
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BarcelonaDie Regierung Kataloniens hat mit ihrem Unabhängigkeitsplan für die Region im Nordosten Spaniens einen Rückschlag erlitten. Bei einer vorgezogenen Regionalwahl versagten die Wähler dem Vorhaben zur Gründung eines unabhängigen Staates die erhoffte Unterstützung. Ministerpräsident Artur Mas verfehlte bei der als historisch eingestuften Abstimmung klar die absolute Mehrheit.

Seine katalanischen Nationalisten gewannen zwar die meisten Sitze im Parlament der wirtschaftsstärksten Region in Spanien, mussten aber unerwartet drastische Stimmeinbußen hinnehmen. „Wir haben unser Ziel nicht erreicht“, räumte der 56-jährige Mas in der Wahlnacht ein. Er hatte die eigentlich erst in zwei Jahren fällige Wahl vorgezogen in der Hoffnung, die absolute Mehrheit im Regionalparlament in Barcelona zu gewinnen und danach eine Volksabstimmung über die Schaffung eines unabhängigen Staates abhalten zu lassen.

Nach dem vorläufigen Endergebnis, das in der Nacht zum Montag in Barcelona bekanntgegeben wurde, gewann das regierende Parteienbündnis CiU (Konvergenz und Union) 50 der insgesamt 135 Sitze im katalanischen Parlament, zwölf weniger als bei der Wahl 2010. Mas kündigte an, dass er Regierungschef bleiben, sich aber künftig einen Koalitionspartner suchen wolle. „Wir allein sind nicht stark genug, um die Regierung und den Prozess (zur Gründung eines unabhängigen Staates) allein führen zu können“, sagte er.

Als möglicher Koalitionspartner kommen eigentlich nur die katalanischen Linksrepublikaner (ERC) infrage, die die großen Gewinner der Wahl waren. Die ERC, die ebenfalls für eine Trennung Kataloniens von Spanien eintritt, gewann 21 Sitze, gut doppelt so viele wie 2010. Die großen Verlierer waren die Sozialisten (PSC), die nur auf 20 Mandate kamen, acht weniger als bisher. Die konservative Volkspartei (PP) des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy gewann 19 Sitze, einen mehr als vor zwei Jahren.

Die Wahl galt als die wichtigste in der jüngeren Geschichte Kataloniens, weil die Wähler dabei indirekt auch über die Gründung eines unabhängigen Staates abstimmten. Die Zentralregierung in Madrid will die Einheit Spaniens nicht infrage stellen lassen. Sie hält das von Mas angekündigte Referendum für illegal und will die Abstimmung notfalls durch das Verfassungsgericht unterbinden lassen. 5,4 Millionen Katalanen waren zur Abgabe ihrer Stimme aufgefordert. Die Wahlbeteiligung erreichte nach ersten Erhebungen eine Rekordhöhe.

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wahlen in Katalonien: „Wir haben unser Ziel nicht erreicht“"

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  • Wenn Sie sich ueber die Situation genau informieren, werden Sie feststellen, dass Katalonien fast so gross ist wie die Schweiz, nahezu die gleiche Einwohnerzahl hat, 20% des spanischen BSP erwirtschaftet, 40% der Hochtechnologie produziert.
    Katalonien ohne den Klotz Spanien am Bein wuerde sich somit als die 5. wichtigste Wirtschaftskraft der EU beweisen.
    Vielfach liest man ueber die extreme Verschuldung der katalanischen Region. Dies muss allerdings im Zusammenhang mit den extremen Steuerabgaben an Madrid gesehen werden. Katalonien ueberweist an Madrid jaehrlich 20 Mrd EUR.
    Idiologisch ist die Trennung sehr gut zu verstehen.
    Sind sie schon mal aus einem Taxi geworfen worden weil sSie Schwaebisch oder Bayrisch in Hamburg oder Berlin geredet haben.
    Mir ist es in Madrid passiert. Im taxi rief ich meine Frau in Barcelona an uns sprach mit ihr auf katalanisch. Darauf trat der Taxifahrer auf die Bremse und schrie mich an, dass man in seinem Taxi gefaelligst Spanisch (wir nennen es Castillano) zu sprechen haette. als ich ihm mitteilte dies nicht zu tun, warf er mich aus seinem Fahrzeug.
    Dies erscheint ein laecherlicher Vorfall um eine Separation zu begruenden. Allerdings wenn Sie sich mal mit Geschichte und Gegenwart Kataloniens auseinandersetzen werden Sie diesen Unabhaengigkeitsgedanken besser verstehen koennen.

  • Spanien und Europa gege sich aufbringen!

    Das erledigt die EU mit dem Euro schon selbst!
    Diese Zwangswährung wird den gesamten Frieden in Europa restlos zerstören, weil die Narren in der Politik, insbesondere auch der deutschen, nicht zugeben können, dass sie auf der ganzen Linie versagt haben und den europäischen Völkern nur Armut, Elend und Diktatur bringen!

  • Warum braucht Europa einen katalonischen Staat?

    Weder Europa und schon gar nicht Spanien brauchen dies!
    Die Katalanen sollten sich stattauf die Unterschiede auf die iberischen Gemeinsamkeiten fokussieren und nicht ga´nz Spanien und Europa gege sich aufbringen!

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