Wahlen in Österreich Unsere rechten Nachbarn

Österreich hat ein neues Parlament gewählt. Fünf Jahre nach dem Tod Jörg Haiders feiern die Rechtspopulisten ein politisches Comeback. Europa-Skepsis und Heimatverliebtheit finden großen Anklang.
Update: 29.09.2013 - 17:13 Uhr
FPÖ-Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache könnte ein Fünftel der Stimmen bei den Wahlen in Österreich einfahren. Quelle: AFP

FPÖ-Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache könnte ein Fünftel der Stimmen bei den Wahlen in Österreich einfahren.

(Foto: AFP)

WienÖsterreichischer geht es nicht. Vor der imposanten Kulisse des Stephansdoms im Zentrum Wiens feiert sich die rechte Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) selbst zum Abschluss des Wahlkampfs. Es herrscht Gedränge. Dann der lange ersehnte Auftritt des Heinz-Christian Strache, Spitzenkandidat der FPÖ. Hinter ihm halten die Mitglieder Transparente mit der Aufschrift „Jetzt geht es um uns ÖSTERREICHER.“

Der gelernte Zahntechniker, der seinen einstigen politischen Ziehvater Jörg Haider als „Türken-Jörg“ bezeichnet, bietet sich als „Hausmeister“ im „Haus Österreich“ an. Die Hausordnung lässt sich leicht erraten. „Willst Du eine Wohnung haben, musst Du nur ein Kopftuch tragen“, reimte Strache, der sich als „Sozialrebell mit Herz und Schmäh“ charakterisiert, vor seinen begeisterten Anhängern ausgestattet mit der Fahne Rot-Weiß-Rot. „Wem es nicht passt, der soll besser heute als morgen das Land verlassen“, rief er der jubelnden Menge zu. „Ha-Ce, Ha-Ce“ skandieren seine Aficionados während am Rande der Kundgebung Gegendemonstranten protestierten.

Die Kontrahenten im Rennen ums Kanzleramt
Combination photo shows election posters of Austrian party leaders as they are pasted onto billboards in Vienna
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Um die insgesamt 183 Mandate im Nationalrat kämpfen neun Parteien. Den jüngsten Umfrageergebnissen zufolge dürfte die derzeitige sozialdemokratische Kanzlerpartei SPÖ mit 26 bis 28 Prozent erneut stimmenstärkste Partei werden – gefolgt von der konservativen ÖVP mit 22 bis 25 Prozent. Dahinter rangieren die rechtspopulistische FPÖ mit 19 bis 21 Prozent, die Grünen mit 14 bis 15 Prozent und die Partei des Unternehmers Frank Stronach mit sechs bis sieben Prozent.

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Werner Faymann: Der zu Beginn seiner Amtszeit oft als „Kuschelkanzler“ bezeichnete Werner Faymann hat in der SPÖ eine Bilderbuch-Karriere hingelegt. Der stets höfliche und meistens lächelnde 53-jährige Wiener hat sich bereits in der Schulzeit für Politik interessiert und engagierte sich in der Schülervertretung. Nach dem Abitur studierte er einige Semester Jura und jobbte als Taxifahrer. Das Studium schloss er nie ab.

An election poster of Austrian Chancellor Werner Faymann of the social democrats is pictures through car windows in the western Austrian city of Innsbruck
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Für seine politische Karriere war das kein Hindernis: Bereits mit 25 Jahren wurde er jüngster Abgeordneter im Wiener Stadtparlament. Seine ersten beruflichen Sporen verdiente er sich als Chef der Wiener Mietervereinigung. Von dort wechselte er in die Landesregierung. 2007 wurde er Verkehrsminister und 2008 übernahm er den Parteivorsitz. Nach der Wahl im September desselben Jahres stieg Faymann zum Bundeskanzler auf.

Austrian Chancellor and head of the social democrats SPOe Faymann waves to the audience during his party's official election campaign start in Vienna
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Seither machte er auch wegen seiner „falschen“ Facebook-Freunde und seines Äußeren Schlagzeilen: „Vanity Fair“ kürte ihn zu einem der zehn bestgekleideten Politiker der Welt – neben US-Präsident Barack Obama und dem britischen Premier David Cameron. Die Jury fand dabei vor allem Gefallen an seinem dichten graumelierten Haar. Faymann ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei Töchter. Seine Hobbys sind laut Facebook Bergsteigen, Skifahren, Radfahren und Kochen – seine Lieblingsband die Rolling Stones.

Austrian Federal elections television debate
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Michael Spindelegger: Faymanns Koalitionspartner ist der 53-jährige ÖVP-Chef Michael Spindelegger. Er hat den Parteivorsitz vor rund zwei Jahren von seinem gesundheitlich angeschlagenen Vorgänger Josef Pröll in einer schwierigen Phase übernommen: Die ÖVP verlor über Jahre hinweg Wählerstimmen und wurde von diversen Korruptionsskandalen erschüttert. Der gebürtige Niederösterreicher versucht seither mit ruhigem Gemüt die Krise zu bewältigen - möglichst ohne dabei groß aufzufallen. Die dafür nötige Diplomatie benötigt Spindelegger auch, um seine Finanzministerin Maria Fekter in Zaum zu halten, die mit ihren markigen Sprüchen auch im europäischen Ausland für Aufregung sorgt.

huGO-BildID: 33044926 People walk past a campaign billboard for Austrian politician and current vice chancelor Michael Spindelegger from the Oesterr
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Auf seinen Aufstieg zum ÖVP-Chef hat der studierte Jurist lange warten müssen. Bereits nach seinem Abgang von der Universität arbeitete er im Kabinett des damaligen Verteidigungsministers Robert Lichal. Nach einem kurzen Abstecher in die Privatwirtschaft - unter anderen zu Siemens und Verbund - wechselte er für die ÖVP ins Europaparlament. Parallel dazu arbeitete er sich in der ÖVP-Arbeitnehmerorganisation ÖAAB hoch. 2008 schaffte er den Aufstieg zum Außenminister, drei Jahre später war er Vizekanzler. Nach der Wahl will er Kanzler werden.

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Heinz-Christian Strache: Mit seinem Vorgänger als FPÖ-Chef, Jörg Haider, will sich Heinz-Christian Strache nicht gerne vergleichen. Seit der Abspaltung des von Haider 2005 neu gegründeten Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) waren die beiden politische Gegner.

Ab und zu dringt ein Ruf seiner Gegner wie „Nazi“ durch. Der FPÖ-Spitzenkandidat, der sich gerne als Führer der „sozialen Heimatpartei“ sieht, lässt vor Stephansdom, dem Symbol des Austro-Katholizismus, keine Zweifel an seiner ausländer- und islamfeindlichen Grundhaltung. Am Schluss schwenkt er eine zu große Nationalflagge. „Die FPÖ denkt in Zerstörungskategorien, ist ausländerfeindlich ohne Maß und Ziel, ist von der Spitze abwärts mit rechtsradikalen Gedankengut versucht“, charakterisiert Christian Rainer, der einflussreiche Herausgeber des Magazins „Profil“, die Partei.

Die FPÖ ist beim Urnengang am Sonntag einer ersten Hochrechnung zufolge einer der großen Gewinner. Die Rechten sind zur drittstärksten Partei in der Alpenrepublik aufgesteigen. Die Partei kommt der Hochrechnung zufolge auf 22,4 Prozent (+4,9 Prozentpunkte). Die Wahlumfragen lagen zuvor 20 und 21 Prozent. Zum Vergleich: Die Regierungskoalition aus der sozialdemokratischen SPÖ und der konservativen ÖVP kommt in der Hochrechnung am Sonntagabend auf 26,7 Prozent beziehungsweise auf 23,6 Prozent.

Das Ergebnis dürfte für eine Fortsetzung der großen Koalition aus SPÖ und ÖVP sprechen. Noch zu Lebzeiten des FPÖ-Gründers Haider waren die Rechtspopulisten unter Führung des damaligen ÖVP-Chef und Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel bereits in der Regierung. Ob es die „Blauen“, wie sie in Österreich genannt werden, ein weiteres Mal an die Macht kommen, hängt von der ÖVP ab. Der konservative Parteichef und Vizekanzler Michael Spindelegger hält sich alle Optionen offen. Auf einen Ausschluss der rechten FPÖ als Koalitionspartner hat er bewusst verzichtet.

Austro-Kanadier Stronach fischt im gleichen Teich
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