Wahlen in Serbien: Balkan-Land am Scheideweg

Wahlen in Serbien
Balkan-Land am Scheideweg

Wieder einmal steht Serbien an einem historischen Scheideweg. Am Sonntag wählt das Balkan-Land unter dem Eindruck einer drohenden Abspaltung des Kosovos einen neuen Präsidenten. Erwartet wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

HB BELGRAD. Die rund 6,5 Mill. Stimmberechtigten haben die Wahl zwischen zwei Männern, die gegensätzliche Richtungen vertreten: Amtsinhaber Boris Tadic steht für die Annäherung an den Westen und die Europäische Union. Der Ultranationalist Tomislav Nikolic verfolgt enge Beziehungen zu Russland und steht in der Tradition eines Großserbiens.

Umfragen zufolge dürfte es in der ersten Runde noch keine Entscheidung geben. Tadic und Nikolic liegen mit 30 und 33 Prozent nahezu gleichauf, weshalb eine Stichwahl am 3. Februar wahrscheinlich ist. Der Präsident in Serbien hat zwar nur eingeschränkte Macht. Die Wahl gilt aber als Stimmungsbild dafür, wo sich das Land künftig positioniert. „Am Sonntag wählen wir zwischen zwei Wegen, die nichts gemeinsam haben“, kommentierte die Tageszeitung „Danas“ und nannte die Wahl einen „historischen Scheideweg“.

Dennoch wird erwartet, dass etwa die Hälfte der Wähler den Urnen fernbleiben wird. Sieben Jahre nach dem Sturz von Slobodan Milosevic sind viele Menschen enttäuscht über die Politik, die das Land aus der Isolation zu führen und die post-sozialistische Ära zu meistern versuchte. „Ich würde derzeit kein Geld auf einen Kandidaten setzen“, sagte der Demoskop Marko Blagojevic von dem Institut CESID.

Nikolic hat es im Wahlkampf vermieden, einen zu nationalistischen Ton anzuschlagen, um damit auch moderatere Wähler für sich zu gewinnen. Eine Unabhängigkeit des Kosovos lehnt er kategorisch ab. Zudem will er eine Balance in den Beziehungen Serbiens zum Westen einerseits und Russland andererseits. Auch Tadic lehnt die Abspaltung des Kosovos ab. Sein oberstes Ziel aber ist eine Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union. „Eine Annäherung an die EU macht Serbien stärker“, sagte der Präsident. „Und nur ein starkes Serbien kann seine Interessen im Kosovo vertreten. Den europäischen Weg aufzugeben bedeutet, auch das Kosovo aufzugeben.“ Eine große Mehrheit der EU-Staaten unterstützt allerdings eine Unabhängigkeit der Provinz, die mehrheitlich von Albanern bewohnt wird.

Angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens halten beide Favoriten schon länger Ausschau nach den Wählern der übrigen Kandidaten. Entscheidend wird dabei wohl sein, in welches Lager sich die Anhänger des Kandidaten Velimir Ilic schlagen, der von Ministerpräsident Vojislav Kostunica unterstützt wird. Kostunica regiert zwar in einer Koalition mit Tadics Partei. Aus taktischen Gründen unterstützt er derzeit aber Ilic.

Sein Kalkül ist es offenbar, Tadics Partei zwischen den Wahlgängen Konzessionen abzuringen, um den Präsidenten dann in der zweiten Runde zu unterstützen. Dies würde Kostunica letztlich weiter stärken. Und der Regierungschef steht für eine harte Haltung gegenüber der EU im Streit über das Kosovo und favorisiert engere Beziehungen zu Russland.

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