Wahlen in Taiwan
Insel der Rebellen

In Taiwan geht der Präsidentschaftswahlkampf in die heiße Phase: Im März werden 24 Millionen Inselbewohner einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament wählen. Doch Taiwan, das nur noch von zwei Dutzend Ländern als Staat anerkannt wird, befindet sich in einem Dilemma.

PEKING. Es war ein ungewöhnlicher Gast, den die Stewardessen am Donnerstag auf dem Flughafen Taipei lächelnd begrüßten. Vorsichtig wurde die ein Meter hohe Holzstatue der taiwanesischen Schutzgöttin Matsu in die Kabine des Linienflugs nach New York getragen und ordnungsgemäß auf einem Sitz angeschnallt. Im Frachtraum der Boeing-Maschine wäre zwar noch Platz gewesen, doch die Heilige aus Holz reiste ganz entspannt Business-Klasse.

Sogar eine Bordkarte und einen Fensterplatz gab es für die Göttin, die in Taiwan auch als „Kaiserin des Himmels“ verehrt wird. Und die Ausreisebehörden hätten die Statue mit Vorrang abgefertigt, wurde ernsthaft gemeldet. Wie jeden Diplomaten. Frau Matsu war schließlich in höchster Mission unterwegs: Sie soll göttlichen Beistand für Taiwans Antrag auf eine Uno-Mitgliedschaft leisten.

Ab morgen tagt in New York die Vollversammlung der Vereinten Nationen (Uno). Der Vorstoß Taiwans auf einen Sitz in der internationalen Organisation ist nicht der erste und hat – wie die früheren – wohl keine Chance auf Erfolg. Taiwan bildet zwar seit 1949 die Republik China, nachdem die Truppen Chiang Kai-sheks nach verlorenem Bürgerkrieg gegen Chinas Kommunisten auf die Insel geflüchtet sind. Doch Peking erhebt uneingeschränkten Anspruch auf seine „abtrünnige Provinz“.

Daran ändert auch das Spektakel mit Trommeln, Feuerwerk und Göttin Matsu nichts, dass taiwanesische Demonstranten am Wochenende zeitgleich in New York und in Taiwan boten. Da schwenkten junge Mädchen gelbe Fahnen mit der Aufschrift „UN for Taiwan“. Und ein Rentner aus Taipei marschierte mit einem Schild durch die Straßen, auf das er gemalt hatte: „Taiwan ist genauso ein Staat wie die USA“.

Seit Wochen macht die Insel der Rebellen mobil. Zum einen fürchtet Taiwan die internationale Isolation, da nur noch zwei Dutzend meist unbedeutende Länder in Afrika und Mittelamerika die Inselrepublik als Staat anerkennen. Zum anderen signalisieren die jüngsten Aktionen, dass in Taiwan der Präsidentschaftswahlkampf in seine heiße Phase geht.

Und Taiwans Demokratie, die war schon immer bunt, laut und chaotisch. Wirtschaft und Parteien gelten auf der Insel als verfilzt und sehr korrupt, im Parlament kommt es unter den Abgeordneten öfter mal zu Schlägereien – Prügel statt Debatten.

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