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Wahlen in Tschechien: Vollblutpolitiker, Lebemann, nächster Präsident?

Mit sozialen Themen trifft der schlagfertige Ex-Regierungschef einen Nerv: Milos Zeman hat beste Chancen als Präsident in die Prager Burg einzuziehen. Weil "die anderen Kandidaten noch schlimmer sind", sagen viele.

Milos Zeman (links) neben seinem konservativen Kontrahenten, dem böhmischen Aristokraten Karel Schwarzenberg. Quelle: Reuters
Milos Zeman (links) neben seinem konservativen Kontrahenten, dem böhmischen Aristokraten Karel Schwarzenberg. Quelle: Reuters

PragEines bewundern selbst seine Gegner an Milos Zeman: die Gabe, auf Menschen zuzugehen. Zeman ist ein Vollblutpolitiker und PR-Profi. Im Stil einer böhmischen Frohnatur versprüht er meist gute Laune. Er hat Witz und ist schlagfertig. Als Karel Schwarzenberg, sein Kontrahent im Wahlkampf, Zeman kürzlich einen "Mann der Vergangenheit" nannte, konterte der 68-Jährige ironisch: "Stimmt. Schwarzenberg ist ein Mann der Gegenwart." Damit stellte er den 76-Jährigen Außenminister zugleich wegen dessen höheren Alters und als Mitglied der aktuellen, äußerst unpopulären Regierung an den Pranger.

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Ein Mann der Vergangenheit? Tatsächlich hatte kaum jemand mit Zemans kraftvoller Rückkehr auf die politische Bühne in Prag gerechnet. Der Regierungschef der Jahre 1998 bis 2002, der in seiner Amtszeit den tschechischen EU-Beitritt aushandelte, hatte 2003 schon einmal für das Präsidentenamt kandidiert. Damals verlor er gegen den nun ausscheidenden radikalen EU-Gegner Vaclav Klaus. Zemans eigene sozialdemokratische Partei CSSD, die er in den frühen 90er Jahren aufgebaut hatte, verweigerte ihrem Vordenker die Gefolgschaft. Zu oft hatte der sendungsbewusste 1,90-Meter-Mann nur seine eigene Meinung gelten lassen.

2007 verließ Zeman die CSSD im Streit, gründete eine mäßig erfolgreiche linke Bürgerrechtspartei und genoss ansonsten das Leben mit seiner zweiten Frau Ivana in seinem Landhaus. Politische Beobachter wähnten Zeman schon auf dem Altenteil. Doch nun ist der leidenschaftliche Raucher, der auch einen guten Sliwowitz oder Wodka nicht verschmäht, wieder voll da. Als Präsident werde er sich aktiv in die Regierungsarbeit einmischen, kündigte er an, um Tschechien in einen Wohlfahrtsstaat nach skandinavischem Vorbild umzugestalten.

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"Ich habe die Vision eines Staates mit einer relativ hohen Besteuerung, dessen Einnahmen vor allem dem Gesundheitswesen und der Bildung zu Gute kommen", erklärte der Vater zweier erwachsener Kinder, der ohne Umschweife von sich selbst sagt: "Ich bin ein linker Politiker." Viele nennen ihn sogar einen Populisten.

Unstrittig ist: Bei den Menschen im Land trifft Zeman mit seinen sozialen Themen einen Nerv, denn die liberal-konservative Regierung hat den Bürgern mit einem harten Sparkurs viel abverlangt. Auch sein klares Bekenntnis zu einer pro-europäischen Politik dürfte Zeman nicht schaden. Die meisten Tschechen haben trotz einer gewissen EU-Skepsis genug von dem notorischen Anti-Brüssel-Kurs des amtierenden Staatschefs Klaus.

Zeman jedenfalls ist zuversichtlich. Er werde sicherlich zum Präsidenten gewählt, prophezeite er kürzlich - und sei es auch nur, weil die Wähler "annehmen, dass die anderen Kandidaten noch schlimmer sind".

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