Wahlen in USA
Demokraten vor einem Erdrutsch

Vor zwei Jahren gewann Barack Obama das Rennen um die amerikanische Präsidentschaft mit Hilfe einer breiten Graswurzelbewegung. Doch nun droht ihn eine ähnliche Entwicklung auf der Seite der Republikaner einzuholen. Big Business und die konservative Tea-Party mobilisieren neue Wählerschichten. Dabei könnten die beiden Strömungen unterschiedlicher nicht sein.
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WASHINGTON. Obamas Demokraten sehen sich bei den Kongresswahlen am 2. November zwei Gruppierungen gegenüber, die neue Wählerschichten an die Wahlurnen bringen: zum einen der konservativen Tea-Party und zum anderen Big Business, das sein Geld in großen Mengen an die Republikaner überweist.

Unterschiedlicher könnten die beiden Strömungen dabei kaum sein. Denn während die Tea-Party alles ablehnt, was nach Establishment riecht, fördern die Spenden der Wall Street und der Firmen gerade das traditionelle Element der Republikanischen Partei. Beides zusammen ergibt aus Sicht der Demokraten eine gefährliche Mischung. Denn die Republikaner sind in den Umfragen als Partei zwar noch unbeliebter als die Demokraten. Doch sie profitieren davon, dass sie in Zeiten der Krise schlichtweg nicht an der Regierung sind. Wer seinen Job verloren hat, der tut sich schwer damit, der regierenden Partei etwas abzugewinnen. Und Banken und Unternehmen fühlen sich von Obama zu Unrecht als alleinige Verursacher der Krise an den Pranger gestellt und zahlen ihm dies jetzt heim.

Uninteressiert und wenig enthusiastisch

Obama selbst hat seit dem Sommer damit zu kämpfen, dass die Zustimmung zu seiner Amtsführung (derzeit 44,6 Prozent) hinter die Zahl der Unzufriedenen (49,6 Prozent) zurückgefallen ist. Als Wahlkämpfer ist er darum bei jenen demokratischen Gouverneuren, Senatoren und Abgeordneten, die um ihren Sitz ringen, nicht immer willkommen. Wer 2008 noch im Sog von Obamas Strahlkraft in den Kongress einzog, dem droht jetzt mit Obama schon wieder der Untergang.

Derzeit gelten 40 Rennen im Repräsentantenhaus als unentschieden, wobei die Republikaner einen klaren Vorsprung bei den sicheren Sitzen haben. Im Senat sieht es nicht viel besser aus. In den Umfragen haben dort die Demokraten nur eine hauchdünne Mehrheit, wobei sechs bislang demokratische Wahlkreise als höchst unsicher gelten. Tatsächlich muss sich das Weiße Haus mit der Vorstellung anfreunden, künftig gegen eine republikanische Mehrheit in einem oder gar beiden Häusern im Kongress regieren zu müssen.

Fieberhaft versuchen die Organisatoren der Präsidentschaftskampagne 2008 deshalb noch einmal jene vor allem jungen Wähler zu mobilisieren, die Obama damals zum Sieg verholfen hatten. Doch sie wirken uninteressiert und wenig enthusiastisch. Bei Zwischenwahlen ist dieses Phänomen zwar nicht neu. Doch im Falle von Obama, dessen Präsenz alleine vor zwei Jahren die Menschen elektrisierte, überrascht die Passivität. Alles hängt jetzt davon ab, ob in letzter Minute noch eine Wende gelingt. Nur dann, so glauben die demokratischen Organisatoren, kann ein politischer Erdrutsch zugunsten der Republikaner abgewendet werden.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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