Wahlen
Sri Lanka stimmt über den Frieden ab

Ein Jahr nach der Tsunami-Katastrophe wählt Sri Lanka am Donnerstag ein neues Staatsoberhaupt. Der Urnengang gilt als Referendum über den stockenden Friedensprozess mit den tamilischen „Tiger“-Rebellen (LTTE).

DELHI. Westliche Beobachter sprechen von einer „Schicksalswahl“ mit langfristigen Folgen für den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes – beides wird ohne einen Friedensschluss nicht in Gang kommen. Der Umgang mit der LTTE spaltet die beiden aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten. Oppositionsführer Ranil Wickramasinghe verspricht eine Einigung. „Wir können das Problem in zwei bis drei Jahren lösen“, erklärte er im Wahlkampf, „wir müssen jetzt Fortschritte machen, sonst verlieren wir die Unterstützung der Welt.“

Die internationale Gemeinschaft, von deren Hilfsgeld das arme Land nach der Tsunami-Flut noch stärker abhängt als zuvor, pocht auf Bewegung im Friedensprozess und sähe Wickramasinghe gern als Gewinner. Als Premier hatte er 2002 einen Waffenstillstand mit der LTTE verhandelt, der 20 Jahre Bürgerkrieg mit 60 000 Toten beendete und bis heute hält. Aber das endgültige Friedensabkommen bleibt aus, die Waffenruhe wird brüchiger. Die scheidende Präsidentin Chandrika Kumaratunga hatte Wickramasinghe im Vorjahr entlassen, weil ihr seine Autonomie-Zugeständnisse an die Rebellen zu weit gingen.

Nach zwei Amtszeiten darf sie nicht wieder kandidieren. Ihr Premier und Nachfolgekandidat, Mahinda Rajapkse, hat im Wahlkampf seinen Kurs gegen die LTTE noch verschärft. Er riskierte sogar einen Bruch mit seiner Mentorin, indem er ein Abkommen zwischen Kumaratunga und der LTTE um die Verteilung von drei Mrd. Dollar Hilfsgeldern ablehnte. Zudem suchte Rajapkse gegen ihren Willen die Unterstützung der Marxisten und einer Partei konservativer buddhistischer Mönche. Beide sind extrem nationalistisch und wehren sich gegen einen Ausgleich mit der hinduistischen tamilischen Minderheit. Rajapakse verlangt eine Überprüfung des Waffenstillstands, stellt die Rolle der norwegischen Vermittler in Frage und verspricht ein hartes Vorgehen gegen die LTTE.

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