Wahlergebnisse Ägyptens: Islamisten erhalten 70 Prozent der Stimmen

Wahlergebnisse Ägyptens
Islamisten erhalten 70 Prozent der Stimmen

Die islamisch geprägten Parteien haben bei der Wahl in Ägypten über 70 Prozent der Stimmen erhalten. Größter Gewinner ist die Partei der Muslimbruderschaft. Die Revolutionsjugend spielt im Parlament fast keine Rolle.
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KairoKnapp ein Jahr nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Husni Mubarak sind die Islamisten in Ägypten stärkste politische Kraft geworden. Die Wahlkommission stellt am Samstagmittag das offizielle Endergebnis der ersten freien Parlamentswahl vor. Die ägyptische Zeitung „Al-Shorouk“ hatte die amtlichen Zahlen bereits am Freitagabend auf ihrer Webseite vermeldet. Demnach erhielten die islamistischen Parteien 70,4 Prozent der 498 Mandate. Die erste Parlamentssitzung ist am Montag geplant.

Die Partei der Muslimbruderschaft sowie ihre Bündnispartner konnten den Angaben nach bei der Wahl 45,7 Prozent der Stimmen erringen und kommen damit auf 228 Sitze. Die Parteien bezeichnen sich selbst als „moderat islamisch“. Die radikal-islamische Partei des Lichts („Hizb al-Nur“) erreichte gemeinsam mit anderen kleineren Parteien aus dem Lager der sogenannten Salafisten 24,6 Prozent der Stimmen und damit insgesamt 123 Sitze.

Die traditionsreiche liberale Wafd-Partei belegt laut Endergebnis mit 8,4 Prozent (42 Sitze) den dritten Platz, gefolgt von der neuen liberalen Ägyptischen Allianz mit 6,6 Prozent (33 Sitze).

Nach Angaben der Tageszeitung „Al-Masry Al-Youm“ sind insgesamt 15 Parteien im neuen Parlament vertreten. Die sogenannte Revolutionsjugend, die am 25. Januar 2011 die Massenproteste gegen Mubarak initiierte und damit seinen Sturz herbeiführte, spielt im neuen Parlament kaum eine Rolle.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Parteien bezeichnen sich selbst als „moderat islamisch“.
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    Was bedeutet „moderat“ islamistisch?
    22. November 2011

    http://heplev.wordpress.com/2011/11/22/was-bedeutet-%E2%80%9Emoderat-islamistisch/

    (.....) Letztlich liegt die Lösung zur Verminderung der Attraktivität der islamistischen Parteien und sie irgendwann zu marginalisieren in der Reform des Mainstream-Islam, um die Religion als Ganzes mit modernen Vorstellungen von Menschenrechten und liberaler Demokratie in Einklang zu bringen – vor allem muss die Scharia vom öffentlichen Raum getrennt werden – aber die oben skizzierten Vorschläge sollten eine realistische Chance haben die islamistischen Parteien zumindest in Schach zu halten und sie vielleicht zu zwingen sich aufgrund politischer Zweckmäßigkeit zu mäßigen, selbst wenn sie im Herzen radikal bleiben.

    Update: Al-Nahda-Generalsekretär Hamadi Jbeli wurde vor kurzem auf Film festgehalten, als er erklärte: „Wir befinden uns, so Allah will, im sechsten Kalifat.“ So viel dann also zu „moderat islamistisch“.

  • Nun liegt das offi­zi­elle Wahl­er­geb­nis der Par­la­ments­wah­len in Ägypten vor. Die Isla­mis­ten haben haus­hoch gewon­nen. Die Frage ist, ob sie fähig sind, die gegen­wär­tige poli­ti­sche Situa­tion rea­lis­tisch ein­zu­schät­zen und ver­ant­wor­tungs­be­wusst eine posi­tive Ent­wick­lung für das ganze Land voranzubringen.

    mehr dazu:
    http://www.diagoge.com/politik/parlamentswahlen-in-aegypten-historische-chance-der-muslimbruderschaft/

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