International

_

Wahlkampf: Altbundeskanzler Schröder unterstützt Italiens Linke

In der heißen Phase des italienischen Wahlkampfes bekommt die Linke prominente Unterstützung aus Deutschland. Derweil versucht Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi Italiens Steuersünder für sich zu gewinnen.

Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder: „Die nächsten Wahlen muss Bersani gewinnen.“ Quelle: dpa
Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder: „Die nächsten Wahlen muss Bersani gewinnen.“ Quelle: dpa

Rom/Turin Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung für Italiens Linke in Turin aufgetreten. „Es gibt kein starkes Europa ohne ein starkes Italien“, sagte er der Nachrichtenagentur Ansa zufolge. „Die nächsten Wahlen muss deshalb Bersani gewinnen.“ Pier Luigi Bersani führt ein Mitte-Links-Bündnis in die Parlamentswahlen in Italien am 24./25. Februar.

Anzeige

Auch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD), der belgische Premierminister Elio di Rupo und der französische Wirtschaftsminister Pierre Moscovici unterstützen Bersani in ihren Reden. „Es sind nur noch wenige Tage bis zur Wahl, aber wir haben heute gesehen, dass wir nicht alleine sind und dass wir eine Verantwortung haben, die über uns selbst hinaus geht“, sagte Bersani. „Das gibt uns Kraft, das spornt uns für den abschließenden Wahlkampf an.“ In Italien wird am 24. und 25. Februar ein neues Parlament gewählt.

Zwei Wochen vor der Parlamentswahl ist Silvio Berlusconi weiter fleißig auf Stimmenfang. Der frühere Ministerpräsident versprach eine weitreichende Amnestie für Steuersünder. Der als begnadeter Wahlkämpfer bekannte Medien-Mogul kündigte am Freitagabend in einer Talkshow des Sender RAI zudem an, auch zurückliegende Verstöße gegen Baugenehmigungen nicht mehr verfolgen zu lassen. „Wenn die Wähler mir und meiner Partei Volk der Freiheit die Mehrheit verschaffen, werde ich unverzüglich eine vollständige Steuer- und Bau-Amnestie umsetzen.“

Berlusconi hatte erst kürzlich mit dem Vorschlag für Aufsehen gesorgt, eine unter seinem Nachfolger Mario Monti durchgesetzte Immobiliensteuer zu streichen und gezahlte Abgaben zurückzuerstatten. Der Schuldenstand in Italien steht bei mehr als 126 Prozent der Wirtschaftsleistung - in der Euro-Zone ist die Quote nur in Griechenland höher.

Ob der in Umfragen hinter den Sozialdemokraten liegende Berlusconi den Sprung nach ganz vorne schafft, wird unter Experten bezweifelt. Derzeit liegt das Mitte-Rechts-Lager in Wählerbefragungen rund sechs Prozentpunkte hinter dem Mitte-Links-Bündnis. Berlusconi hatte zuletzt aber deutlich Boden gutgemacht. Auch wenn er die Mehrheit verpasst, könnte es wegen der Besonderheiten des italienischen Wahlrechts im Senat zu einem Patt kommen. Das könnte die Handlungsfähigkeit einer neuen Regierung einschränken.

Italien

Kritiker bemängeln, durch Amnestien könnten Steuerhinterzieher ermutigt werden. Steuerflucht ist in Italien ein chronisches Problem, was maßgeblich zur desolaten Haushaltslage beigetragen hat. Die jüngsten Vorschläge des Milliardärs Berlusconi sorgen für Unruhe an den Finanzmärkten, die eine Abkehr vom Sparkurs fürchten. Notenbankchef Ignazio Visco warnte am Samstag vor einem nachlassenden Reformkurs. Das Land sei weiter fest im Blick der Märkte.

  • 11.02.2013, 20:00 Uhribmisout

    Endlich mal, das viel mir auch dazu ein

  • 11.02.2013, 17:45 Uhrmargrit117888

    Da scheint aber einige hier in Deutschland mächtig Angst zu haben. Denn eines ist doch sicher, kommt Berlusconi wieder dran, dann wirbelt der Europa auf, dass einigen das Lachen vergehen wird.

  • 11.02.2013, 12:14 Uhrstaatsbuerger

    Na, endlich setzt sich Schröder mal wieder für etwas Sinnvolles ein! Ein Scheitern von Berlusconi sollte iegentlich jeder Demokrat und jeder an Seriosität Interessierte ganz heftig wünschen.

  • Die aktuellen Top-Themen
Einigung mit der Ukraine: Russland dreht den Gashahn wieder auf

Russland dreht den Gashahn wieder auf

Durchbruch im Dauerkonflikt zwischen Russland und der Ukraine: Der Streit um Gaslieferungen ist beigelegt, beide Länder einigten sich auf ein Winterpaket. Kann die Ukraine es auch bezahlen?

Orban rudert zurück: Ungarn verzichtet auf die Netzsteuer

Ungarn verzichtet auf die Netzsteuer

Die Großdemonstrationen führen zu einem Umdenken bei der ungarischen Regierung. Ministerpräsident Viktor Orban nimmt von der Besteuerung des Datenverkehrs Abstand. Doch er spricht schon von neuen Steuern.

Timeline zu 25 Jahre Mauerfall: Das Schicksalsjahr

Das Schicksalsjahr

Mit dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 brach das DDR-System in sich zusammen. Wie konnte es so weit kommen? Unsere interaktive Grafik zeigt die wichtigsten Ereignisse des Jahres 1989.   

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International