Wahlkampf auf Tinder
Politiker entdecken Dating-Plattform

Wähler- statt Partnersuche: Politiker wie der Sozialdemokrat Alexander Freier-Winterwerb und Donald Trump machen Wahlkampf über die Flirt-App Tinder. Ob das Sinn macht, ist unter Experten umstritten.

BerlinGepflegt sieht er aus. Ein wenig schüchtern lächelt Alexander, der mit grauem Hemd und Blazer aussieht wie ein klassischer Fall von Schwiegermutters Liebling. Eigentlich nichts Besonderes auf der Dating-Plattform Tinder, auf der er sich so präsentiert. Aber Alexander ist nicht auf der Suche nach dem Partner fürs Leben oder einem Sex-Abenteuer. Er möchte über die Flirt-App die Herzen von Wählern für sich gewinnen. Im September will der 29 Jahre alte Student für die SPD ins Berliner Abgeordnetenhaus einziehen.

Alexander Freier-Winterwerb hatte die Idee, die App zum Wahlkampf zu nutzen, als er mit Freunden in einer Pizzeria saß. Irgendetwas Neues wollte er machen. Irgendetwas, mit dem er auch die Menschen erreichen könnte, die den ganzen Tag arbeiten und dann auf der Couch zu Hause entspannen wollen. „Tinder ist da die ideale Möglichkeit“, sagt der Jungpolitiker.

So neu ist die Idee allerdings nicht. Auch in der Schweiz, Österreich, Spanien, den Niederlanden, in Großbritannien, Kanada und den USA haben Politiker bereits versucht, über die beliebte Dating-App Wählerstimmen zu gewinnen. Der prominenteste Politiker auf Tinder ist derzeit wohl der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump.

Das Prinzip der Dating-App ist simpel. Hat man ein Profil angelegt, werden dem User unterschiedliche Partner vorgeschlagen, die zu dem eigenen Profil passen sollen. Dann muss man sich nur noch entscheiden. Ein Wisch nach rechts signalisiert: „Ich finde dich gut.“ Ein Wisch nach links und der Profil-Vorschlag verschwindet im Tinder-Nirwana. Das Prinzip ist auch bei dem Politiker-Profil von Alexander das gleiche. Über mehrere Hundert Matches – also Übereinstimmungen – sammelte er in wenigen Wochen.

Ob sich der Einsatz auf dem Flirt-Portal für die Politiker lohnt, ist aus Sicht von Wahlkampfexperten schwer zu sagen. „Eine einzelne Aktion auf Tinder wird niemals wahlentscheidend sein“, sagt Julius van de Laar, Wahlkampfberater und Gründer der Campaigning Academy Berlin.

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Soziale Netzwerke zum Dialog mit Wählern nutzen

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