Wahlkampf der US-Republikaner
Sexismus-Skandal kostet Trump wichtigsten Berater

Donald Trump zieht eine One-Man-Show ab – und schadet damit seiner eigenen Partei. Nach einem sexistischen Angriff gegen eine TV-Moderatorin hört ein Top- Berater auf. Der Gegenwind aus den eigenen Reihen wird schärfer.
  • 0

New YorkDer republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump und sein politischer Topberater Roger Stone haben sich im Streit getrennt. Während das Trump-Wahlkampflager behauptete, Stone sei gefeuert worden, widersprach dieser entschieden. Ganz im Gegenteil habe er selber die Kündigung eingereicht, sagte der Berater nach Angaben des Senders CNN vom Samstag. Hintergrund sind Stone zufolge die jüngsten Gefechte, die sich Trump mit den Medien lieferte.

Damit bezog sich der Berater anscheinend auf die verächtlichen Bemerkungen Trumps über die Fox-News-Fernsehmoderatorin Megyn Kelly. Sie hatte ihn in der ersten TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber am Donnerstag (Ortszeit) nach sexistischen Äußerungen in der Vergangenheit gefragt. Danach beklagte sich Trump massiv darüber, er sei in der Debatte härter behandelt worden als seine Mitbewerber.

In einem CNN-Interview am Freitagabend spitzte er dann seine Kritik weiter zu. Er nannte Kelly ein „Leichtgewicht“ und deutete an, dass die Journalistin wohl gerade menstruiert habe und deshalb besonders gereizt gewesen sei. „Kelly hatte Blut aus ihren Augen kommen, Blut aus woher auch immer“, sagte Trump. Als Folge wurde er am Samstag von einer Wahlkampfveranstaltung Sozialkonservativer in Atlanta ausgeladen. Er habe mit seiner „Blut“-Äußerung eine Grenze überschritten, sagte der Gastgeber des Treffens, bei dem Trump die Hauptrede halten sollte.

„Unglücklicherweise haben die momentanen Kontroversen um Persönlichkeiten und provokative Mediengefechte ein derartiges Ausmaß erreicht, dass die Aufmerksamkeit von Ihrer Kampagne abgelenkt und Ihre Kernbotschaft übertönt wird“, heißt es laut CNN in einem Kündigungsschreiben, das Stone nach eigenen Angaben an Trump schickte. „Mit der jetzigen Richtung dieser Kandidatur kann ich nicht länger in Ihrem Wahlkampf involviert bleiben.“

Demgegenüber sagte ein Sprecher der Trump-Kampagne, Stone habe den „enorm erfolgreichen Wahlkampf“ des Milliardärs für seine eigene politische Profilierung nutzen wollen. Nachdem sich zuletzt einige Medienberichte mit Stone beschäftigt hätten, habe Trump entschieden, den Fokus auf seinen Wahlkampf zu konzentrieren - Stone sei deshalb gefeuert worden.

Die einzige weibliche Präsidentschaftsanwärterin der Republikaner, die ehemalige Chefin des Computerkonzerns Hewlett-Packard, Carly Fiorina, twitterte: "Mr. Trump. Es. Gibt. Keine. Entschuldigung." Ähnlich äußerte sich der Mitbewerber Scott Walker in einem Tweet. Der ebenfalls republikanische Rivale Mike Huckabee forderte auf CNN eine Entschuldigung von Trump für seine Entgleisung.

In dasselbe Horn stieß auch Mitbewerber Jeb Bush: „Wollen wir 53 Prozent aller Wähler beleidigen?“ fragte er mit Blick auf das weibliche Wählerpotenzial. Senator Lindsey Graham, der ebenfalls 2016 Präsident werden will, erklärte: „Für uns als Partei ist es besser, wenn wir riskieren, ohne Trump zu verlieren, als wenn wir versuchen, mit ihm zu gewinnen.“

Der milliardenschwere Bauunternehmer lehnte am Sonntag auf CNN eine Entschuldigung ab. Wer meine, er habe von Kellys Periode gesprochen, sei "krank" oder "abartig". Er halte Frauen "in Ehren" und wolle ihnen "helfen". Er habe nichts gegen Kelly. Allerdings habe sie ihn "unfair" befragt. Bereits zuvor hatte Trump auf Twitter geschrieben, er sei missverstanden worden - in Wirklichkeit habe er bei der Äußerung zum "Blut" der Moderatorin an Nasenbluten gedacht. Auch sein Wahlkampfteam hob hervor, Trump habe die Nase gemeint - nur "ein Perversling" könne an etwas anderes denken.

In einem weiteren Tweet beschwerte sich Trump zudem über die vielen "politisch korrekten Trottel" im Land. "Wir sollten alle zurück an die Arbeit gehen und aufhören, unsere Zeit und Energie für Unsinn zu verschwenden".

Seite 1:

Sexismus-Skandal kostet Trump wichtigsten Berater

Seite 2:

Trump verkauft erstmal ein Penthouse

Kommentare zu " Wahlkampf der US-Republikaner: Sexismus-Skandal kostet Trump wichtigsten Berater"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%