Wahlkampf in den USA
Obama zeigt Nerven

Der US-Präsident schießt gegen seinen Rivalen Mitt Romney - und zeigt damit nur, wie sehr er um seine Wiederwahl fürchtet. Unter der schweren Last der schwachen Wirtschaft schrumpft Obamas Vorsprung immer weiter.
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Washington/BerlinNeunzehn Minuten schon hatte sich die Pressekonferenz zum Abschluss des G20-Gipfels dahingeschleppt. Neunzehn Minuten, in denen Barack Obama die Resultate des wenig ergiebigen Treffens im mexikanischen Los Cabos referierte. Dann aber, kurz vor dem Ende seines Statements, verschärfte der US-Präsident plötzlich den Ton: „Wir haben immer nur einen Präsidenten und eine Regierung", ätzte Obama in Richtung seines republikanischen Herausforderers Mitt Romney. Und bisher sei es "so üblich gewesen, dass die politischen Differenzen an den amerikanischen Küsten enden".

Worauf Obama so gereizt reagierte, war der Gastbeitrag eines Spitzenberaters von Mitt Romney - im Handelsblatt. Glenn Hubbard, der den Republikaner in Wirtschaftsfragen berät, hatte am 8. Juni in einem Kommentar für diese Zeitung den US-Präsidenten scharf kritisiert: „In einer bisher ungewöhnlichen Art und Weise versucht die Obama-Administration, Deutschland dazu zu zwingen, für finanziell schwache Regierungen und Banken in der Euro-Zone einzustehen, damit die griechische Krise nicht andere Staaten ansteckt", heißt es in dem Text, der mit „Nicht von Amerika lernen" überschrieben war. Hubbard weiter: „Diese Ratschläge sind nicht nur unklug. Sie offenbaren auch Unkenntnis über die Ursachen der Krise und über einen Wachstumspfad in die Zukunft."

Hubbards Einlassungen versetzten das Weiße Haus gleich aus mehreren Gründen in Rage: Da ist die Tatsache, dass sich Romney mittels eines seiner Berater in die amerikanische Außenpolitik einmischt. Und: dass er dies über ein ausländisches Medium tat. Vor allem Letzteres gilt in Amerika als unfein.

Bereits in der Talkshow „This Week" des Fernsehsenders ABC hatte sich Obamas Wahlkampfmanager David Plouffe über Hubbard entrüstet und dessen Vorgehen als „beispiellos" bezeichnet. Auch andere Medien wie die „New York Times" hatten Hubbards Einlassungen aufgegriffen.

Die Ansicht, dass amerikanische Präsidenten im Ausland nicht kritisiert werden dürfen, gilt indessen als antiquiert. Unter politischen Beobachtern herrscht inzwischen Einigkeit darüber, dass die einst vornehme Zurückhaltung bereits vor vielen Jahren aufgegeben wurde. In einer Diskussion auf dem Fernsehsender CNN, die sich auf den Gastbeitrag von Glenn Hubbard im Handelsblatt bezog, sagte CNN-Spitzenmoderator John King: „Die Demokraten haben das in den vergangenen Jahren doch auch gemacht und diese Regel verletzt - ob bei Präsident George W. Bush oder Senator John McCain.“

Ari Fleischer, ehemals Sprecher von George W. Bush, bestätigt diese Sichtweise: „Das hat sich schon vor Jahrzehnten geändert. Das ist doch gar keine große Sache mehr. Zudem ist Obama ja selbst auch nicht zimperlich.“ Fleischer erinnerte dann daran, dass Obama als Präsidentschaftskandidat 2008 eine große Rede in Berlin hielt – was vom Stil her ebenfalls eine strittige Angelegenheit gewesen sei.

Obamas gereizte Reaktion hat aber noch einen weiteren, tieferliegenden Grund: Die Nervosität im Lager des sonst so gelassenen Präsidenten wächst. Viereinhalb Monate vor dem Wahltag am 6. November liefern sich Obama und Romney in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der bequeme Vorsprung, den Obama noch im Frühjahr registrieren konnte, ist inzwischen fast abgeschmolzen.

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  • Ja, durch die grosse Abhängigkeit der USA von China (die haben 4 Trillion cash + US-bonds im Besitz) läuft die USA Gefahr durch chinesische Politik dominiert zu werden. Wie die USA aus dieser Zwickmühle herauskommen wollen ist schwierig. Jedenfalls darf der chinesische Volkskongress nicht bestimmen dürfen, wie die Welt sich weiterentwickelt in USA und Europa.

  • Ja das Gaukelspiel wird langsam immer schwieriger. Der obergaukler läuft gefahr, die wahl zu verlieren, deshalb wird jetzt hier so getan, als ginge dann die Welt unter. wo steht denn das eigentlich geschrieben, daß jeder Gaukler eine zweite amtszeit bekommen muß ? Ein mieses, aber typisches spielchen ist es nun, deutschland dazu zu drängen, die Schulden der EU zu übernehmen. Diese US-Schuldenmacher, die mit der Schuldenwirtschaft angefangen haben, teilen nun gute Ratschläge aus und verlangen einfach mal so, di deutschen sollen die schulden anderer übernehmen. Damit die Amis einen grund haben, den gaukler wieder zu wählen. Der westen ist total verkommen,und es wir schnell noch schlechter. Die schuldengangster haben ihr werk vollbracht, europa ist angeschlagen. und es wird weiter bergab gehen.

  • Mitt Romney for president ! Der Verbreitung von Sozialismus und Einschränkung von Freiheiten muss einhalt geboten werden in der Welt. Mitt Romney wird die Wirtschaft stärken und den Sozialstaat begrenzen. Leistung muss sich weiterhin lohnen. Den Menschen, die sich wirklich nicht selbst helfen können muss man natürlich unter die Arme greifen - nur denen allerdings. Das westliche Bündnis mit USA, UK, konservative Kräfte der Welt auch mit Isarel muss wiederbelebt werden, Frau Merkel wird auch erleichtert sein, wenn es wieder einen Gegenpol zu Hollande und FRANCE FIRST gibt.

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