Wahlkampf in Frankreich
Einfach scheußlich

Bei den Kommunalwahlen am kommenden Sonntag droht Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy eine Schlappe. Sogar die eigenen Parteifreunde meiden ihn mittlerweile, um dem präsidialen Abwärtssog zu entgehen – ein Besuch in Toulouse.

TOULOUSE. Frankreichs Luftfahrtgeschichte findet auf zwei Fensterbänken Platz. Sie beginnt ganz links mit der kleinen Caravelle 1A, dem ersten zweimotorigen Düsenjet mit 80 Plätzen aus dem Jahr 1958, und sie endet ganz rechts mit dem riesigen Airbus A380 für über 800 Passagiere. Dazwischen parken Flugzeuge aus vier Jahrzehnten wie der Überschalljet Concorde. „Das Modell habe ich 1967 bekommen, schon zwei Jahre vor dem Jungfernflug“, sagt Jean Luminet stolz.

Der 64-Jährige mit dem grauen Bürstenhaarschnitt hat erlebt, wie die Flugzeuge immer schneller und größer wurden. Er hat gesehen, wie aus einer mittelständischen Firma namens Sud Aviation erst der Staatskonzern Aérospatiale und dann das europäische Gemeinschaftsunternehmen EADS wurde, die Mutter von Airbus.

Mit den Fliegern und der Firma wuchs die Stadt, die sie beherbergt. „Als ich 1965 aus Paris hier ankam, wollte niemand nach Toulouse. Heute ist es die attraktivste Stadt Frankreichs“, sagt Luminet. Er ist Präsident des regionalen Metallindustrie-Verbandes (UIMM) und hauptberuflich Chef des Airbus-Zulieferers Goodrich Europe.

In Toulouse, der Metropole des französischen Südwestens, lässt es sich ja auch sehr angenehm leben. Schon Ende Februar wärmen die Sonnenstrahlen des Vorfrühlings die hübsche Backsteinarchitektur der Altstadt. Tulpen und Narzissen blühen zwischen den überfüllten Terrassen der Cafés, und in den Modeboutiquen drängen sich die Käufer. Die Luxusdesigner Jean-Paul Gaultier und Hermès machen gute Geschäfte. Auf den Weinkarten der Sterne-Restaurants sind edle Tropfen zum Flaschenpreis von mehr als zweitausend Euro zu finden. Airbus hat der Stadt ein prosperierendes Bürgertum beschert.

Im milden Klima des Wohlstands gedieh auch die konservative Regierungspartei UMP prächtig. Seit 1971 haben gaullistische Parteien, aus denen die Partei von Staatspräsident Nicolas Sarkozy 2002 entstand, das Rathaus von Toulouse fest im Griff.

Doch nun wird es ungemütlich für Bürgermeister Jean-Luc Moudenc. Am Sonntag sind Kommunalwahlen in Frankreich, und in Toulouse bahnt sich ein Machtwechsel an. Erstmals seit mehr als vier Jahrzehnten haben die Sozialisten eine echte Chance, die Mehrheit im Stadtrat zu erobern.

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