Wahlkampf in Frankreich
Macron will Hollande im Elysée-Palast ablösen

Zu jung, zu unerfahren – Kritiker fühlen sich durch Emmanuel Macron bedroht, weil er Nichtwähler anspricht. Doch der französische Ex-Minister kündet seine Präsidentschafts-Kandidatur an – mit guten Chancen auf Erfolg.
  • 0

ParisFrankreichs Wahlkampf zur Präsidentschaft kommt in Fahrt. Mittwochmorgen hat der frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron offiziell seine Kandidatur erklärt. „Ich bin bereit. Deshalb bin ich Kandidat für die Präsidentschaftswahl. Ich weiß, dass wir Erfolg haben können.“ sagte der erst 38-Jährige in Bobigny in der Banlieue von Paris. „Ich will Frankreich in das 21. Jahrhundert führen.“ kündigte er an. Der Ort, ein Ausbildungszentrum in einem der armen Vororte der Hauptstadt, war Teil seiner Botschaft: Seht her, ich kümmere mich um die benachteiligte Jugend und gebe ihr eine Stimme. Marine Le Pen, die Chefin der rechtsextremen Front National, eröffnete fast gleichzeitig ihr Wahlkampf-Hauptquartier in der Rue du Faubourg Saint-Honoré, einer der teuersten Straßen von Paris, in der die Flagship Stores der prestigeträchtigen Modemarken zu finden sind – und der Elysée-Palast, Amtssitz des französischen Staatspräsidenten. Frankreich wählt am 7.Mai 2017 einen neuen Präsidenten.

Die Emanzipation des Einzelnen, Europa, würdige Arbeit, Schutz der Schwächsten Zukunftsinvestitionen, Bewältigung des Klimawandels sind die wichtigsten Stichworte aus der Bewerbungsrede des jungen Politikers. „Ich bin überzeigt, dass wir unserem Land wieder Hoffnung geben können, wenn wir der Wirklichkeit der Welt ins Auge sehen“, formulierte Macron eine Botschaft der Hoffnung. Nicht Frankreich sei gescheitert, sondern die bisherige Politik. „Die Franzosen wissen besser als die Politiker, was auf dem Spiel steht, sie sind weniger konformistisch als die politischen Apparate, die sich nicht mehr um das allgemeine Wohl kümmern, sondern nur um ihr eigenes“, analysierte der Ex-Minister. Er wolle nicht die Linke oder die Rechte sammeln, „sondern die Franzosen“. Sein Ziel sei „eine demokratische Revolution“, die Freiheit und Fortschritt versöhne.

Macron wollte seine Ankündigung eigentlich bis Dezember hinauszögern, hat sich aber nun anders entschlossen. Damit kommt er sowohl seinem früheren Chef François Hollande als auch den Konservativen zuvor. Hollande hat sich noch nicht entschlossen, ob er wieder antreten will oder angesichts seiner katastrophalen Umfragewerte und mangelnden Unterstützung in der eigenen Partei lieber seinem Premier Manuel Valls die undankbare Aufgabe überlässt, die Reste der zersplitterten Sozialisten in die sichere Niederlage zu führen.
Die Konservativen wählen erst am 27. November ihren Kandidaten. An diesem Sonntag läuft der erste Wahlgang unter sieben Bewerbern. Die besten Aussichten hat der frühere Premier und Außenminister Alain Juppé, der klar Kurs hält gegen Populisten und Sozialisten und nach dem Sieg von Trump seine Botschaft gegen Nationalismus und Protektionismus noch verstärkt hat. Ebenfalls sehr gute Chancen hat Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, der versucht, seine Partei auf einen strikt rechten Kurs einzuschwören, der nicht davor zurückscheut, Anleihen bei Le Pen zu nehmen. „Macron prescht vor, weil er Juppé schwächen will“, sagte der Demoskop Jean-Daniel Lévy von Harris Interactive dem Handelsblatt. Der Ex-Wirtschaftsminister rechnet sich persönlich bessere Chancen aus, wenn Sarkozy der Kandidat der Konservativen wird: Sein eigenes Wirtschaftsprogramm und Profil ähnelt eher dem des liberalen Juppé als dem des stockkonservativen Sarkozy.
Macron versucht, das sterile Links-Rechts-Schema in der französischen Politik zu überwinden, dessen viele Franzosen überdrüssig sind. Wirtschaftspolitisch steht er für mehr Wettbewerb, der Newcomern neue Chancen eröffnen, Aufstiegsmöglichkeiten schafft und den Wohlstand der breiten Bevölkerungsschichten hebt. Seine klare und verständliche Sprache helfen ihm dabei. Als Minister hat er bewiesen, dass er Veränderungen auslösen kann: Gegen Widerstände erreichte er die Marktöffnung für Fernbusse. Von den reichen Eliten belächelt, hat die Liberalisierung große Folgewirkungen für die ärmeren Schichten, die sich die oft hohen Preise der Bahn nicht leisten können.

Seite 1:

Macron will Hollande im Elysée-Palast ablösen

Seite 2:

Macrons politische Richtung

Kommentare zu " Wahlkampf in Frankreich: Macron will Hollande im Elysée-Palast ablösen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%