International

_

Wahlkampf in Italien: Berlusconi zieht Monti davon

Trotz prominenter Unterstützer halten sich die Spenden für Mario Montis Wahlkampagne in Grenzen. Nun will er sich durchs professionelles Fundraising Profi-Berater leisten. Nur so kann er gegen Silvio Berlusconi bestehen.

Mario Monti muss sich im Wahlkampf mit Medienmogul und Kommunikationsgenie Silvio Berlusconi messen. Quelle: Reuters
Mario Monti muss sich im Wahlkampf mit Medienmogul und Kommunikationsgenie Silvio Berlusconi messen. Quelle: Reuters

MailandEs ist ein wenig wie David gegen Goliath. Auf der einen Seite Mario Monti, der Außenseiter, der ehemalige EU-Kommissar, der zwar 14 Monate als Premierminister das Land geführt hat, aber keine Erfahrung mit öffentlichen Wahlen und den Umgang mit der breiten Masse hat. Auf der anderen Seiten das Milliarden-schwere Kommunikationsgenie Silvio Berlusconi.

Anzeige

Mario Monti kann zwar auf die Unterstützung bekannter Namen wie dem des Ferrari-Präsidenten Luca Cordero Montezemolo mit seiner Bewegung Italia Futura zählen. Aber die Unterstützung vieler Italiener ist bisher eher moralisch als finanziell. Nach einem Bericht des Corriere della Sera sind derzeit nur noch knapp vier Millionen Euro in der Kasse der Bewegung, die Monti bei den bevorstehenden Wahlen Ende Februar unterstützt. Nicht genug, um gegen Silvio Berlusconi zu bestehen, der jeden Auftritt im Fernsehen von einer Herrschar von Beratern und Journalisten vorbereiten lässt.

Montis Reformen

  • Rentenreform

    Gleich nach Amtsantritt hat Regierungschef Mario Monti mit Arbeitsministerin Elsa Fornero die Rentenreform mit späterem Renteneintritt durchgesetzt. Die Höhe der Rente hängt künftig stärker von den gezahlten Beiträgen ab. Das Eintrittsalter wird regelmäßig der Lebenserwartung angepasst. Die Reform gilt als Erfolg.

  • Liberalisierungen

    Die Regierung hat verschiedene Berufe wie Notare, Apotheker und Tankstellenbetreiber liberalisiert. Viele blieben jedoch außen vor. Noch immer regeln Kammern mit teuren Beiträgen viele Berufe und erschweren Neuzugänge. Die Reform gilt als unzureichend.

  • Arbeitsmarktreform

    Mit ihrer Reform des Arbeitsmarktes hat die Regierung Monti den Kündigungsschutz gelockert, Abfindungszahlungen reduziert und das Recht auf Wiedereinstellung beschnitten.

  • Korruptionsbekämpfung

    Die Regierung verlängert die Verjährungsfristen und erhöht die Strafen für die stark verbreitete Korruption.

Monti meistert die verschiedenen Talkshow-Auftritte bisher größtenteils selbst. Das gibt ihm etwas authentisches, doch Kommunikationsprofis dürfte es manchmal kalt den Rücken runterlaufen. Seine Wahlliste hat zwar mittlerweile einen eigenen Namen: „Scelta Civica: Con Monti per l `Italia“ – „Zivile Wahl: mit Monti für Italien“. Und der 69-jährige Ökonomie-Professor twittert auch seit einiger Zeit täglich und füllt seit dieser Woche sogar seine Facebook-Seite mit aktuellen Inhalten. Aber eine wahre Kampagne des zurückgetretenen Ministerpräsidenten hat bisher noch nicht begonnen. Dem Vernehmen nach ist Monti derzeit mit dem britischen Werbe-und Kommunikationsgiganten Wwp im Gespräch. Doch das kostet.

Holding Fininvest Silvio Berlusconis Milliardenimperium

  • Holding Fininvest: Silvio Berlusconis Milliardenimperium
  • Holding Fininvest: Silvio Berlusconis Milliardenimperium
  • Holding Fininvest: Silvio Berlusconis Milliardenimperium
  • Holding Fininvest: Silvio Berlusconis Milliardenimperium

Ein Fundraising alla americana soll es möglich machen. Mit kostenpflichtigen Abendessen und Online-Kollekte will Monti angeblich bis zu zehn Millionen einsammeln, die später dank der erhaltenen Stimmen als Wahlkampferstattung zumindest teilweise zurückfließen werden.

Italien

Geld haben seine Unterstützer. Zu ihnen gehören klanghafte Namen wie der des Gründers und Besitzers der Edel-Schuhfirma Tod`s, Diego della Valle, der des Pirelli-Chefs und Großaktionärs Marco Tronchetti Provera, und der der Fiat-Gründer-Familie Agnelli. Nun müssen sie nur noch Hand an die Geldbörse legen.

  • 28.01.2013, 18:00 UhrLuetzower-Jaeger

    Am fehlenden Geld kann es nicht liegen, da Goldman Sachs, EZB-Draghi und die Bilderberger ihrem Kandidaten so viel Geld drucken können, wie er nur braucht. Ein bisschen Bühnen-Talent ist gegen Berlusconio aber unbedingt erforderlich und das scheint er nicht zu haben. Auf ein neues Bunga-Bunga in Italien - kein Problem, denn BRD zahlt ja !!

  • 21.01.2013, 06:08 UhrArminius

    Solange nicht ein Minimum an Protektionismus den schwächeren Eurowirtschaften erlaubt wird, werden wir aus der Krise nicht kommen.
    Wir müssen durch geeignete Maßnahmen dafür sorgen dass in der Eurozone eine Wirtschaftskonvergenz erreicht wird.
    Das können die schwächere Euroländer aus eigener Kraft nicht schaffen, nur durch eine Änderung der EU-Verträge kann dies erreicht werden. Der von Merkel-Deutschland erzwungenen Sozial- und Lohndumping verschärfen nur die Divergenzen. Dadurch zwingen wir diese Länder zu einer Art Bannrepubliken zu mutieren, als Billiglohnländer abgestuft werden diese Euroländer die Währungsunion destabilisieren und schließlich zum Kollabieren bringen.
    Man muss diese Euroländer gewisse Begünstigungen gewähren damit mehr Industrieinvestitionen dort getätigt werden. Nur durch die Mehreinnahmen können dort ausgeglichene Haushalte erreicht werden.

  • 18.01.2013, 22:24 UhrR.Ruf

    Monti, wie der vor zehn Jahren verstorbene Fiat-Chef Giovanni Agnelli gehören und gehörten der inneren Bilderberg-Führungsgruppe an und sollten doch auch die entsprechenden Geldmittel aufzutreiben in der Lage sein, wenn ernsthaft geplant ist, das gegenwärtige polit-technokratische Regime in Italien auch weiterhin in Amt und Würden zu belassen.
    Alles andere wäre mehr als seltsam.
    Oder die Bilderberger sind auch nicht mehr das was sie mal waren.
    Die Causa Steinbrück könnte zu solchen Vermutungen Anlass geben. LOL

  • Die aktuellen Top-Themen
Schotten-Votum, Ebola, Ukraine-Krise: „Die Gemengelage ist hoch explosiv“

„Die Gemengelage ist hoch explosiv“

Die Häufung an internationalen Krisen alarmiert Ökonomen, ebenso mögliche Risiken wie der unsichere Ausgang des Schotten-Referendums. Im Fall der Fälle droht ein empfindlicher Konjunkturrückschlag.

Medienbericht: Schäuble will Trennbankengeschäft entschärfen

Schäuble will Trennbankengeschäft entschärfen

Die Deutsche Bank dürfte sich freuen: Einem Medienbericht zufolge möchte Finanzminister Wolfgang Schäuble das geplante Trennbankengesetz noch entschärfen. Auch die EU will nicht all zu streng sein.

Thüringen: Rot-rot-grüne Sondierungsgespräche beginnen

Rot-rot-grüne Sondierungsgespräche beginnen

Die Regierungsbildung in Thüringen ist schwierig und könnte Zeit kosten. Den Auftakt bilden die Gespräche der Linken mit SPD und Grünen. Die Linke gibt sich dabei zuversichtlich „einen Regierungswechsel zu erreichen“.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International