Wahlkampf in Italien
Helmut Kohl wechselt das politische Lager

Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) hat das politische Lager gewechselt - zumindest in Italien. Kohl stellt sich im dortigen Wahlkampf für die Parlamentswahl im April gegen den italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi. Sattdessen unterstützt er dessen Herausforderer und Mitte-Links-Politiker Romano Prodi.

HB ROM. „Ich möchte, dass mein Aufenthalt hier als Unterstützung für Prodi verstanden wird, der ein großer Europäer ist“, erklärte der „Kanzler der Einheit“. Prodi sei ein „hervorragendes Beispiel für einen kosmopolitischen Italiener, der mit den Wurzeln seines Landes verbunden ist, aber fähig ist, über die Grenzen zu schauen“.

Prodi, der mit seinem Wahlbündnis „Unione“ bei den Wahlen antritt, sei seit langem ein Freund - „und dieses Wort benutze ich nicht leichtfertig“, fügte Kohl hinzu. Er danke dem italienischen Politiker, der von 1996 bis 1998 bereits Regierungschef war, vor allem für dessen Nähe „am tragischsten Tag meines Lebens - der Beerdigung meiner Frau“.

Kohl traf auch mit Vertretern des Mitte-Rechts-Bündnisses „Casa delle Libertà“ (Haus der Freiheiten) zusammen. Jedoch habe er kein Wort der Solidarität für deren Politik gefunden, schrieb die Zeitung „La Repubblica“ am Dienstag. Stattdessen kritisierte er die Regierung in Rom: „Bis vor einigen Jahren wechselten die Regierungen in Italien zwar häufig, aber wir wussten zumindest immer, dass - egal wer in Rom an der Macht war - Italien fest an der Seite Europas stand. Nicht nur mit Worten, sondern mit Tatsachen. Heute fehlt diese Stimme aus Italien“, sagte Kohl.

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