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Wahlkampf: Twittern um jede Stimme

Venezuelas Internet-Gemeinde ist seit Monaten hart umkämpft. Erstmals in einem Wahlkampf spielen Soziale Netzwerke eine wichtige Rolle. Es wird getwittert und gepostet, was das Zeug hält.

Wird der alte auch der neue Präsident?  Venezuelas Präsident Hugo Chavez will noch einmal gewinnen. Quelle: dapd
Wird der alte auch der neue Präsident? Venezuelas Präsident Hugo Chavez will noch einmal gewinnen. Quelle: dapd

CaracasGanz klar: Hugo Chávez ist in Venezuela auch im Twitter-Ranking die Nummer 1. Sein Nutzerkonto „@chávezcandanga“ zählt mehr als 3,5 Millionen Follower. Zumindest in diesem Punkt kann der Herausforderer der Opposition, Henrique Capriles Radonski, nicht mithalten. Der 40-Jährige schart derzeit nur weniger als die Hälfte, rund 1,39 Millionen Interessenten, an „@hcapriles“ um sich. Beide haben sich in den digitalen Wahlkampf gestürzt und werben auf Webseiten, in Youtube-Videos und bei Facebook um jede Stimme. Am Sonntag ist Wahltag.

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140 Zeichen für einen Tweet, also einen Twitter-Beitrag sind eigentlich nicht viel für jemand wie Chávez, der gerne lange, sehr lange spricht. Seine Reden dauern schon mal sieben bis acht Stunden. Doch der Comandante hat sich mit dem knappen Twitter-Stil angefreundet. „Wir sollten die Sozialen Netzwerke als ein politisches Kommando im Cyberspace sehen. Die Technologie hängt davon ab, wozu man sie nutzt“, gab Chávez im April 2010 bei seiner Online-Premiere als Marschrichtung vor. Es wurde für ihn viel mehr.

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Denn als er im Jahr darauf an Krebs erkrankte und wochenlang zur Behandlung auf Kuba abtauchte, war Twitter für ihn ein zentrales Mittel, um mit den Venezolanern zu kommunizieren. Die Opposition kritisierte damals schon, Venezuela werde via Twitter regiert. Aufmerksamkeit verschaffte sich Chávez, als er 2010 den Untergang einer Gas-Bohrplattform zuerst auf Twitter mitteilte. Doch seine Wahlkampf-Tweets sind vor allem Kurz-Parolen wie diese: „Bis zum perfekten Sieg am 7-O (7.Oktober). ... Wir werden leben und gewinnen. ... Chávez sind Millionen !! Auch Du bist Chávez!!“

Für seinen 18 Jahre jüngeren Herausforderer Capriles sind die Sozialen Netzwerke besonders wichtig, weil er mit ihrer Hilfe das mediale Übergewicht ausgleichen will, das der omnipräsente Chávez aufgrund der staatlichen TV- und Radiolandschaft in Venezuela hat. Capriles liegt bei Facebook mit 619 000 Anhängern vorn. Chávez kam zuletzt nur auf knapp 87 000.

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Der Einheitskandidat der Opposition twittert schon seit Juni 2009 und nutzte diesen Kanal, um über seine zahllosen Wahlkampftermine und -orte zu informieren. Er bereiste jeden Winkel Venezuelas und twitterte selbstbewusst: „Am 7-O wird diese Regierung (von Chávez) Geschichte sein, gemeinsam mit den Problemen, die nur da sind, weil der Wille fehlte, sie zu lösen.“

Beide Kandidaten wissen, wie wichtig das Internet ist, denn Venezuelas Netzgemeinde wächst stetig. Mitte des Jahres hatten nach offiziellen Angaben 3,4 Millionen Venezolaner einen Internet-Anschluss. Aber es wird geschätzt, dass über 40 Prozent der Einwohner (rund 12 Millionen) im Internet surfen. Im Wahlkampf 2012 setzten die Strategen beider Lager deshalb stärker als je zuvor aufs digitale Medium, um ihre Botschaften unters Wahlvolk zu bringen.

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