Wahlkampf
US-Demokraten streiten via Youtube

Zum ersten Mal wurden bei der Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber Fragen über die Online-Plattform Youtube zugelassen. Schnell zeigte sich: Je mehr Menschen sich an der Diskussion beteiligen, desto besser spiegeln sie die gesellschaftliche Realität wider. Nur für die Kandidaten machte es das nicht unbedingt leichter.

WASHINGTON. Direkt, schnell, ohne Umschweife: Die Fragen der Youtube-Nutzer an die Kandidaten waren von erfrischender Geradlinigkeit. Sind sie für die gleichgeschlechtliche Ehe, fragt da etwa ein lesbisches Paar ganz ungeniert vom großen Bildschirm in die Runde der Bewerber. Oder: Würden Sie als Präsident die Schwarzen für die Zeit der Sklaverei finanziell entschädigen? Oder aber: Wäre man mit einer überwiegend von Weißen bewohnten Stadt nach dem Sturm Katrina anders umgegangen als mit New Orleans? Die demokratischen Präsidentschaftsbewerber mussten auf direkte Fragen reagieren und konnten sich anders als bisher nicht so leicht in akademische Formeln flüchten.

Das Experiment, das CNN und die Internetplattform Youtube am Montag Abend unternahmen, war am Ende gelungen – wenngleich es vor allem in der zweiten Stunde einige Durststrecken zu überwinden galt. Zu viele Themen wurden da hintereinander abgehandelt, zu denen die Kandidaten in den nur 30 Sekunden Antwortzeit einfach nichts Substanzielles sagen konnten. Ob Mindestlohn, Wahlsysteme, Besteuerung oder Atomenergie: An diesem Punkt hatte die Regie von CNN auf Vollständigkeit statt auf Fokussierung gesetzt.

Zuvor und auch am Ende der Debatte allerdings war es enorm zu beobachten, wie das Format der eingespielten Fragen Schritt für Schritt das bisher gängige Prozedere der Debattenrunden aufbrach. Denn es macht schlichtweg einen Unterschied, ob reale Menschen, die als solche auf dem Bildschirm zu sehen sind, über Rassenfragen oder den Irak-Krieg sprechen oder ob dies in wohl formulierten Fragen der Journalisten geschieht. Dabei stellte sich heraus, dass zwar der Irak eine wichtige Rolle spielte. Viel mehr jedoch waren die Frager etwa an Themen wie dem Zusammenleben der verschiedenen Ethnien in den USA interessiert. Es spiegelte sich in den über Youtube eingesandten Beiträgen die gesellschaftliche Realität wider – in welchen Zusammenhängen die Menschen leben und was sie unmittelbar betrifft.

3 000 eingesandte Videos hatte der Nachrichtensender CNN erhalten, der sich den Vorwurf gefallen lassen mussten, durch seine Vorauswahl bei den Fragen manipuliert zu haben. Doch CNN hatte seine Gründe dafür: Nach Angaben des Senders hatte eine Kampagne eines Kandidaten seine Anhänger offen dazu aufgefordert, immer wieder die gleiche Frage einzureichen. Damit sollte alleine die schiere Masse es CNN unmöglich machen, diese zu ignorieren. Daraufhin entschloss sich der Newskanal, nicht die Youtube-Klickzahlen zum alleinigen Kriterium zu nehmen, ob es ein Video oder ein Thema in das Programm schafft. Die CNN-Journalisten um Moderator Anderson Cooper entschieden schließlich selbst die Auswahl.

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