Wahlkampfauftakt
Irak: Bombe reißt acht Menschen in den Tod

Bei einem Sprengstoffanschlag auf das Büro des Schiitenführers Ali al-Sistani sind wenige Stunden nach dem Wahlkampfauftakt im Irak mindestens acht Menschen getötet worden. 32 Menschen, darunter Scheich Abdul Mahdi al-Kerbalai, ein enger Vertrauter des Großajatollahs, wurden zum Teil schwer verletzt, berichtete die Polizei.

HB BAGDAD/KERBELA. Die Bombe war etwa zehn Meter von Al-Sistanis Vertretung in Kerbela, in der Nähe des Imam-Hussein-Schreins, versteckt worden. Der Großajatollah, der die höchste religiöse Autorität der Schiiten im Irak ist, lebt selbst in der Nachbarstadt Nadschaf.

Am Vormittag war offiziell der Wahlkampf für die am 30. Januar geplanten Wahlen zu Nationalrat und Regionalparlamenten eingeläutet worden. Sunnitische Religionsgelehrte haben zu einem Boykott des Urnengangs aufgerufen, Al-Sistani und andere schiitische Religionsgelehrte die Teilnahme dagegen zur Pflicht jedes Irakers erklärt. Al-Sistani soll einem von Schiiten dominierten Wahlbündnis seinen Segen erteilt haben. Einer seiner Sprecher hatte jedoch betont, der Ajatollah unterstütze selbst keine bestimmte Kandidatenliste.

Zu den Wahlen für den 275 Sitze umfassenden Nationalrat haben sich bisher rund 70 Parteien und Einzelkandidaten registrieren lassen. Die Frist für die Registrierung läuft noch bis Ende Dezember. Die halbamtliche Tageszeitung „Al-Sabah“ veröffentlichte am Mittwoch eine Umfrage, wonach 79 % der Iraker an den Wahlen teilnehmen wollen.

Übergangsministerpräsident Ijad Allawi stellte in Bagdad seine Kandidatenliste vor. Allawi, der den Spitzenplatz auf der „Irakischen Liste“ besetzt, erklärte die „nationale Einheit“ zum wichtigsten Ziel. Priorität hätten außerdem die Sicherheit und der Aufbau der irakischen Armee als Voraussetzung für einen Abzug der multinationalen Truppen. Allawi betonte, am Wahltermin werde auf jeden Fall festgehalten. Der Vorsitzende der Islamischen Partei, Mohsen Abdul Hamid, plädierte dagegen erneut für eine Verschiebung. Die Islamische Partei ist die wichtigste sunnitische Gruppierung, die sich zur Wahl angemeldet hat.

Zu den anstehenden Prozessen gegen Mitglieder des früheren Regimes von Saddam Hussein sagte derweil Verteidigungsminister Hasim Schaalan, als erstes solle der als „Chemie-Ali“ berüchtigte Cousin Saddam Husseins, Ali Hassan al-Madschid, vor Gericht gestellt werden. Dagegen kündigte Vize-Ministerpräsident Barham Saleh an, zunächst solle Saddams-Halbbrüdern Watban und Barsan der Prozess gemacht werden.

In der Nähe von Kerbela starben drei polnische Soldaten bei einer Notlandung ihres Hubschraubers. In Tikrit entkam eine Vertreterin der US-Botschaft nach Polizeiangaben knapp einem Anschlag von Aufständischen. In der Nacht zuvor hatten US-Soldaten in Mahmudija bei Bagdad drei Aufständische getötet und 13 verhaftet.

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