Wahlsieg endgültig bestätigt
Berlusconi singt sich nach Prodi-Sieg ins Paradies

Romano Prodis Wahlsieg ist jetzt endgültig amtlich: Fast zwei Wochen nach der Parlamentswahl in Italien bestätigte das Kassationsgericht am Samstag auch die Mehrheit des Mitte-links-Bündnisses im Senat. Silvio Berlusconi hat eine ganz eigene Art gefunden, sich damit abzufinden.

HB ROM. Mit einem melancholischen und tränenrührigen Lied hat Ministerpräsident Silvio Berlusconi, Verlierer der Parlamentswahl in Italien, seine Getreuen auf den Abschied von der Macht eingestimmt. „Lasst uns gehen, verlassen wir alles, die Parteien, das Fernsehen, die Zeitungen“, sang der 69-Jährige bei einem Abendessen mit politischen Anhängern am Freitagabend in Triest. „Gehen wir auf eine weit entfernte Insel, begeben wir uns in eine andere Hemisphäre, ... auf eine Insel, die das Paradies genannt wird“, heißt es in dem Duett nach Art neapolitanischer Liebeslieder, das Berlusconi mit einem Parteifreund vortrug.

„Lasst und an nichts anderes denken als an die Liebe“, endet der gemeinsam komponierte Song, den die italienische Nachrichtenagentur Ansa als „post-elektorales Liedgut“ bezeichnete. Das Publikum habe das Ständchen unter Applaus und Gelächter dankbar aufgenommen. Berlusconi, der als Student als Sänger auf einem Kreuzfahrtschiff auftrat, hat in seinen Jahren als Ministerpräsident sein Volk immer mal wieder als Sänger erheitert.

Nach dem Urteil des Kassationsgerichts verfügt Prodis Lager im Oberhaus in Rom über eine Mehrheit von zwei Sitzen. Umstritten waren bis zu der Entscheidung noch die von den im Ausland lebenden Italienern abgegebenen Stimmen. Die zuständige Kammer des Kassationsgerichts bestätigte jedoch, die Auslandsstimmen hätten vier Mandate für Prodis Bündnis ergeben, das damit auf insgesamt 158 Mandate kam. Das Regierungslager von Ministerpräsident Silvio Berlusconi erhielt von den Auslandsitalienern nur ein Mandat für den Senat, ein weiteres ging an einen parteilosen Kandidaten. Es war das erste Mal, dass sich außerhalb Italiens lebende italienische Staatsbürger an der Parlamentswahl beteiligen durften.

Bereits am Mittwoch hatte das Kassationsgericht die knappe Mehrheit Prodis in der Abgeordnetenkammer bestätigt. Ministerpräsident Berlusconi hat seine Niederlage immer noch nicht eingestanden. Am Freitag sprach er jedoch erstmals von seinem „Rücktritt“ und von einer Regierung Prodi - allerdings nur um zu erklären, dass diese zum Scheitern verurteilt sei.

Ein Anwalt und Parteifreund Berlusconis, Niccolo Ghedini, kündigte am Samstag an, der Ministerpräsident werde alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um das Wahlergebnis anzufechten. „Wir machen weiter, weil wir glauben, dass es das Recht aller Italiener ist zu wissen, wer die Wahlen wirklich gewonnen hat“, sagte Ghedini laut einer Meldung der Nachrichtenagentur ANSA.

Zuvor hatte sich ein erster Zwist in Prodis Mitte-links-Koalition von selbst gelöst. Nachdem zunächst die Demokraten und die Kommunisten Anspruch auf den Posten des Parlamentspräsidenten erhoben hatten, verzichtete am Freitagabend der Vorsitzende der Demokraten, Massimo D'Alema, auf eine Kandidatur.

Ein Festhalten an der Kandidatur würde schmerzliche Wunden reißen und die künftige Regierung schwächen, erklärte D'Alema laut Berichten italienischer Nachrichtenagenturen. Prodi dankte ihm für eine „Geste großer Verantwortlichkeit“. Die Kommunisten wollen ihren Parteichef Fausto Bertinotti für das Amt des Parlamentspräsidenten, das dritthöchste Staatsamt, vorschlagen.

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