Wahlsieg
Erdogan wird türkischer Staatspräsident

Der haushohe Favorit gewinnt: Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat die Präsidentenwahl für sich entschieden. Damit wird der alte Regierungschef zum neuen Staatschef. Seinen Wahlsieg feiert er wie ein Sultan.
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IstanbulDer türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat die Präsidentenwahl bereits im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit gewonnen. Der islamisch-konservative Politiker kam auf fast 52 Prozent, wie türkische Fernsehsender am Sonntagabend meldeten. Der Präsident des Hohen Wahlausschusses der Türkei, Sadi Güven, bestätigte am Sonntagabend den Sieg Erdogans. Ekmeleddin Ihsanoglu erreichte als Erdogans größter Konkurrent knapp 40 Prozent der Stimmen und gratulierte dem Wahlsieger bereits.

Nach seinem Sieg machte sich Erdogan auf den Weg zum Gebet in die historische Eyüp-Sultan-Moschee in Istanbul, wie es bereits die osmanischen Sultane taten, bevor sie den Thron bestiegen.

„Ich danke allen, die zu diesem Resultat beigetragen haben“, sagte Erdogan vor hunderten Anhängern vor der Moschee. Er werde „die Demokratie stärken“ und den Aussöhnungsprozess mit den Kurden fortsetzen, kündigte er in einer im Fernsehen übertragenen Rede an. „Möge Gott uns auf unserem Weg helfen“.

Es war das erste Mal, dass die Türken ihr Staatsoberhaupt direkt wählen konnten. Bislang hat das Amt eher eine repräsentative Funktion. Rund 53 Millionen Türken waren wahlberechtigt. Kritiker befürchten, dass Erdogan als Präsident seine Macht weiter ausbauen und die Islamisierung der Türkei vorantreiben könnte. Mit seinem Wahlsieg dürften die Weichen für die Einführung eines Präsidialsystems gestellt und das Amt mit noch mehr Macht ausgestattet werden.

Erdogan, seit drei Amtszeiten Regierungschef und damit nicht mehr für eine weitere Kandidatur berechtigt, hatte bereits angekündigt, die Position des Präsidenten stärken zu wollen. Er könnte nahezu die Vollmachten wie bisher als Regierungschef ausüben, indem er bisher latente präsidiale Befugnisse aktiviert, erklärte er. Als Beispiel nannte er das Recht, Kabinettssitzungen einzuberufen.

Erdogans Rivale Ihsanoglu hatte den Wahlkampf zuvor als „unfair“ und „unausgewogen“ kritisiert. Eine Begründung für diesen Vorwurf lieferte er zwar nicht, doch ist bekannt, dass Erdogan viele Millionen in seine Kampagne investieren konnte. Im Fernsehen galt dem starken Mann der Türkei die meiste Aufmerksamkeit, sein Gesicht prangte auf riesigen Plakaten an nahezu jeder Straßenecke in Istanbul. Ihsanoglus Wahlkampfteam musste dagegen mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln auskommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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