Wahlsieger Timo Soini
Regierungsbildung in der Sauna

Ein Finnland wie "früher", das wüscht sich Timo Soni. Mit Parolen gegen die EU, den Euro und Zuwanderer hat er die Wahlen in Finnland gewonnen. Der 48-Jährige steht im krassen Gegensatz zu seinen Konkurrenten.
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Kopenhagen/Helsinki

Bei seinem Wahltriumph erwies sich der Populist Timo Soini wieder als schlagfertigster Politiker in Finnland. "Na, dann werde ich mal mit Jyrki in die Sauna gehen und die Sache mit der Regierungsbildung durchpalavern", kommentierte der 48-Jährige in Helsinki die Aussicht auf Koalitionsverhandlungen mit dem konservativen Parteichef Jyrki Katainen. Dessen Partei hatte ein klein bisschen mehr Stimmen als Soini mit seinen sensationellen 19 Prozent erhalten.

Traditionell wurden in Finnland politische und andere Geschäfte so ausgehandelt: Unter Männern in der Sauna. Dies sollte mit einer amtierenden Staatspräsidentin Tarja Halonen, einer noch amtierenden Ministerpräsidentin Mari Kiviniemi und bisher 40 Prozent Frauen im Reichstag eigentlich vorbei sein. Aber Soini kümmert das herzlich wenig. Mit Jutta Urpilainen von den Sozialdemokratin, die zweitstärkste Partei wurden, dürfte er kaum in die Sauna gehen. Gegen Zusammenarbeit in der Regierung, die auch die Sozialdemokratin will, hat er aber nichts.

Mit sicherem Gespür für den Geschmack seiner Zielgruppe präsentierte Soini seine Idee von einem Finnland, das bitte wieder so sein soll, wie "früher": Ohne Zuwanderer aus fremden Kulturen, ohne den Euro und die EU mit überschuldeten Ländern in Südeuropa, ohne staatliche Anerkennung von Schwulen- und Lesben-Ehen und ohne die Erlaubnis für Abtreibungen.

Die fast 20 Prozent Wähler für die Wahren Finnen waren überwiegend Männer mit vergleichsweise schlechter Ausbildung. Die konnte der bebrillte, übergewichtige und oft sichtbar schwitzende Soini mit seinen Protestparolen gegen das akademische Establishment in Helsinki erfolgreich mobilisieren. Er wirkte einfach viel farbiger als all die schlanken, akademisch wirkenden und um ausgewogene Mitte-Rhetorik bemühten Konkurrenten wie die liberale Ministerpräsidentin Mari Kiviniemi oder auch Katainen, der bisher Finanzminister war.

Sichtbar wurde der Unterschied schon durch den seltsamen blauen Schal, mit dem Soini auch bei der Stimmabgabe in seinem Wohnort Espoo, der Heimat von Nokia, aufkreuzte. Es war ein Fanschal des FC Millwall, Soinis erklärtem Lieblingsverein aus der zweiten englischen Liga, berüchtigt auch für gewalttätige Fanklubs. Die Leute nahmen Soini seine Leidenschaft für die englischen Provinzkicker ebenso als authentisch ab wie den Übertritt zum Katholizismus in dem zu 80 Prozent von Protestanten geprägten Finnland.

Anerkennung erhielt Soini auch von politischen Konkurrenten, weil er sich im Wahlkampf strikt aller polemischen Ausfälle gegen Zuwanderer enthielt. Aber er enthielt sich auch jeder Kritik, wenn das anderer in seiner Populistenpartei umso ausgiebiger taten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wahlsieger Timo Soini: Regierungsbildung in der Sauna"

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  • Hat jetzt das Handelsblatt von der Welt abgeschrieben oder die Welt vom Handelsblatt oder haben beide dieselbe "Nachricht" bzw. volkspädagogisch bearbeitete Darstellung der Wahlen in Finnland übernommen? Sorry, aber: platter war die Goebbels-Propaganda auch nicht.

    Was glauben Sie eigentlich, wen Sie hier vor sich haben? Kleine Idiötchen, die die ewig gleichen diffamierenden Propaganda-Elemente in einem deutschen Pressetext immer noch nicht erkennen? Jeder Politiker egal welchen Landes, der für sich in Anspruch nimmt, nationale Interessen zu vertreten und sich nicht ultra-liberal positioniert, ist ein "Rechtspopulist", seine Wähler naturgemäß dumm wie Brot. Natürlich gibt es nur "Rechtspopulisten", aber keine "Linkspopulisten" oder "Ökopopulisten".

    Dem kleinen deutschen Michel soll wieder einmal in volkspädagogischer Manier vermittelt werden, wen er wählen darf und wen nicht. Außerdem will doch keiner zu den "Dummen" gehören, oder?

    Vielleicht sind aber die "Dummen" bald diejenigen, die immer glaubten, doch viel schlauer zu sein, als der anti-intellektuelle "Mob"? Sich dabei aber eine Parallel-Realität zusammenträumten, die irgendwann von den wahren Verhältnissen derart widerlegt wird, dass das ideologische Kartenhaus zusammenbricht?

    Ein guter Tipp: Sie sollten nicht so verschwenderisch mit ihrem ewig gleichen Propagandavokabular umgehen. Es nutzt sich ab. Es wirkt irgendwann nur noch lächerlich. Dieser Punkt ist mittlerweile erreicht.

    Fahren Sie mit ihrem volkspädagogischen Gesülze zur Hölle.

  • "Die fast 20 Prozent Wähler für die Wahren Finnen waren überwiegend Männer mit vergleichsweise schlechter Ausbildung... Er [Soni] wirkte einfach viel farbiger als all die schlanken, akademisch wirkenden ...."

    Hallo Handelsblatt. Sprechen Sie doch bitte der AutorIn dieses Beitrags eine dezente Verwarnung aus. Ich will keinen links-rot-grün-hirnvernebelten Unsinn lesen, sondern sachlich informiert werden. Danke.

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