„Wahrung von Verteidigungsinteressen“
Frankreich teil-verstaatlicht Werften

Die französische Regierung will die Werften an der Atlantikküste zum Teil verstaatlichen. Paris will neun Prozent des Kapitals der ehemaligen Chantiers de l?Atlantique vom koreanischen Werftenverbund STX Shipbuilding übernehmen. Laut Regierungskreisen kostet das den Steuerzahler "zwischen 20 und 30 Mill. Euro."

PARIS. Der genaue Kaufpreis soll von einem externen Experten ermittelt werden. Mit der Transaktion will Frankreich "seine strategischen Interessen sichern", erklärte der französische Premierminister Francois Fillon am Donnerstag.

Die Atlantik-Werften in Saint-Nazaire gehörten lange zum Alstom-Konzern. Diesen hatte Nicolas Sarkozy als damaliger Wirtschaftsminister im Jahr 2004 mit Steuermillionen vor dem Zusammenbruch gerettet. Im Zuge der Sanierung hatte Alstom die Werften im Jahr 2006 an die norwegische Aker Yards zu 75 Prozent verkauft, 25 Prozent gehören noch Alstom. Im Herbste 2007 stieg dann der koreanische Werftenriese STX mit 39 Prozent bei Aker Yards ein. Dies löste in Frankreich die Sorge aus, die Koreaner könnten Know-How aus Frankreich abziehen.

Zusammen mit Alstom hält die französische Regierung nun über 33 Prozent an den Werften und damit die Sperrminorität. Sollte Alstom seine Option nutzen, 2010 seine Werftanteile ganz zu verkaufen, hat die Regierung ein Vorkaufsrecht für die Anteile, erklärte ein Sprecher Fillons. Aker Yards selbst wusste nichts von den Verhandlungen. Das norwegische Unternehmen zeigte sich überrascht "davon aus der Presse zu erfahren."

Die französischen Werften an der Atlantik-Küste sind auf große Kreuzfahrtschiffe wie die Queen Mary 2 spezialisiert. Rund 3 000 Menschen sind dort beschäftigt. Dank ihrer Kapazitäten können dort auch Rümpfe für Flugzeugträger gebaut werden. Daher begrüßte Sarkozy die Transaktion als Schritt, "Frankreichs Verteidigungsinteressen zu wahren."

Seit der erfolgreichen Rettung von Alstoms sieht Sarkozy den Beleg erbracht, dass staatliche Industriepolitik sinnvoll ist. Dabei hat er in dieser Domäne bereits eine Bauchlandung hingelegt. Als bekannt wurde, dass der Stahlriese Mittal-Arcelor sein Werk in Grandrange schließen will, hatte Sarkozy vollmundig verkündet, Investoren finden zu wollen. Daraus wurde nichts. Zwar will Mittal das Werk nicht gänzlich schließen, über die Hälfte der 1 100 Beschäftigten sollen aber ihren Job verlieren.

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